Ein Thema, bei dem wirklich jede und jeder mitreden kann, hat sich das Museum Grafing für seine nächste Sonderausstellung ausgesucht: Unter dem Titel „Von der Schiefertafel zum Whiteboard“ widmet sich die Schau der Geschichte des Schulwesens. Kurator Bernhard Schäfer hat dafür allerhand Exponate zusammengetragen, die das jahrhundertelange Bemühen um Bildung im Ort darstellen. Bemerkenswert ist aber auch das Begleitprogramm, das mit historischen Exkursen, literarischen Verweisen, humorvollen Anekdoten und sogar Musik aufwartet.
Die Anfänge der schulischen Bildung reichen in Grafing weit zurück: Bereits im 16. Jahrhundert hielt ein Kantor und Marktschreiber im Rathaus Unterricht für die Bürgerkinder ab. Und zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand am Waldrand eine Klausnerschule für Bauernkinder – auf freiwilliger Basis, wie Schäfer lächelnd erklärt. „Deswegen war der Zuspruch wohl eher unregelmäßig.“ 1802 wurde schließlich das erste Volksschulgebäude errichtet, dort gab es eine Lehrerwohnung und gerade mal ein Klassenzimmer.

Von da an musste man in Grafing immer wieder reagieren, auf baufällig und zu klein gewordene schulische Räumlichkeiten. Ein Reigen aus Umzügen, Neubauten und Erweiterungen begann. Die Ausstellung wartet auf mit Fotos der diversen Schulgebäude, mit Porträts von Lehrern, mit Dokumenten, die das erwachende Bildungswesen belegen, mit alten Schreibheften, Klassenfotos und vielem mehr. Eröffnet wird die Schau im Museum der Stadt Grafing am Samstag, 16. Mai, um 16 Uhr. Den Auftakt des Begleitprogramms macht am Donnerstag, 28. Mai, Schäfer selbst: Er referiert über „Das Ringen um Bildung im Grafinger Raum“.
Ernstes, aber auch Heiteres verspricht ein Vortrag von Peter Maicher, ehemals Direktor des Bayerischen Landtags. Der 82-jährige Zornedinger plaudert am Donnerstag, 18. Juni, aus der Schule – denn er hat „als Schüler, Lehrer, Vater, Elternbeirat, Beamter im Kultusministerium und CSU-Referent wohl so alles erleben müssen, was es in der Schule der letzten Jahrzehnte zu erleben gab“. Heute sei er froh, nicht mehr aktiv mitmischen zu müssen, sagt Maicher. „Dass ich als Lehrer nicht entscheiden muss, ob ein Aufsatz vom Schüler stammt – oder von der KI. Dass ich zu niemandem sagen muss: zu viel in der Cloud, zu wenig im Kopf.“

Auf unterhaltsame Weise skizziert Maicher die Geschichte der Bildung – von steinzeitlicher Höhlenmalerei über das Gymnasion des antiken Griechenlands bis zu den mittelalterlichen Klöstern als elitäre Zentren der Wissensvermittlung. Die Schiefertafel aus dem Titel der Ausstellung übrigens löste laut Maicher um 1800 die Wachstafel ab. Erst vor gut einem halben Jahrhundert hätten die Schulhefte ihren Siegeszug begonnen. Auch von „schmerzhaften Tatzen“ auf die Hand weiß Maicher noch aus eigenem Erleben zu berichten, erst 1983, mit dem Ende des „Züchtigungsparagrafen“, habe der Rohrstock als „pädagogisches Inventar“ ausgedient.
Eine neue Recherche stellt Museumsleiter Schäfer am Donnerstag, 25. Juni, vor: die tragische Familiengeschichte des Oberlehrers Karl Bayerlein, der von 1907 bis 1925 in Grafing wirkte. Zunächst, im Ersten Weltkrieg, verlor er zwei Söhne. Im Zweiten Weltkrieg dann kam eine seiner Töchter mit ihrer Familie bei einem Luftangriff auf München um, eine andere wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ hingerichtet.

Franz Frey, einst Studiendirektor am Gymnasium Grafing, widmet sich „Lehrer-Erinnerungen“. Am Donnerstag, 9. Juli, liest er Gedichte und Geschichten aus dem Schulleben – von Christoph Hein über Erich Kästner bis Bertolt Brecht. Die Kinderbuchserie „Der kleine Nick“ steht laut Frey genauso auf dem Programm wie „witzige Aufsätze italienischer Schulkinder und Stilblüten“.
Viel Humor verspricht auch ein „Erzählabend“ mit dem Autor Michael Skasa am Donnerstag, 16. Juli: Mit seinen „Schüler-Erinnerungen“ kann man eintauchen in die entbehrungsreichen, aber zugleich höchst abenteuerlichen Grafinger Nachkriegsjahre. Und zu guter Letzt lädt das Museum zu einem „Singabend“ ein: Am Donnerstag, 3. September, sind Ernst Schusser und Eva Bruckner vom Förderverein Volksmusik Oberbayern zu Gast und haben Kinderlieder wie „Hanserl, sag A, e, i, o, u“ im Gepäck.

