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Grafinger Posse:Die Mauer wird abgerissen

Grafings Stadtrat einigt sich auf die Entfernung der umstrittenen Einheits-Stele der CSU. Nur einer stimmt dagegen.

Von Barbara Mooser, Grafing

Am Ende ging dann doch alles ganz schnell. Nur ein paar Minuten dauerte es, bis im Grafinger Stadtrat am Dienstagabend das vermutlich letzte Kapitel der Grafinger Mauer-Posse abgehakt war. Ohne Diskussion und mit nur einer Gegenstimme von Josef Pollinger (CSU) beschloss das Gremium den Abriss des umstrittenen Denkmals. Zuvor hatten sich bereits Vertreter mehrerer Fraktionen für die Entfernung stark gemacht, ebenso ein Arbeitskreis, der sich mit möglichen Umgestaltungsvarianten für das Denkmal befasst hatte. Dessen Votum folgte nun auch der Stadtrat. Auf das Vorgehen hatten sich die Fraktionssprecher bereits in ihrer vorangegangenen Sitzung geeinigt, in der Stadtratssitzung gab es dann keine einzige Wortmeldung mehr dazu.

Die Grafinger Mauer hatte in der Stadt aus mehreren Gründen viele verärgert: Zum einen handelte es sich um ein reines CSU-Denkmal, das zum Tag der Einheit im Oktober 2020 auf öffentlichem Grund im Stadtpark errichtet worden war. Auf einer Plakette waren die Spender genannt, nämlich die Ebersberger CSU-Abgeordneten Angelika Niebler, Thomas Huber und Andreas Lenz sowie Bürgermeister Christian Bauer. Zum anderen empfanden es etliche als missglückte Idee, an den Mauerfall ausgerechnet mit einer Mauer zu erinnern. Entsprechend kurz blieb das Denkmal auch in dem Zustand, in dem es eingeweiht wurde.

Den Anfang machte die Grüne Jugend, die die Mauer in der Parteifarbe anmalte und auch sonst nicht unbedingt subtil vorging: "Herr Bauer, wir sind sauer über ihre Mauer", pinselten sie auf das Denkmal. Wenig später gab Mit-Spender Thomas Huber es offiziell zur künstlerischen Gestaltung frei, einige Jugendliche machten sich an eine gefälligere Gestaltung. Auch die war freilich nicht von Dauer und wurde von nicht-offiziellen Graffitikünstlern übersprüht. Im Stadtrat mehrten sich ebenfalls die Mauer-Gegner. 13 Stadträte, darunter auch die stellvertretenden Bürgermeister Johannes Oswald (Grüne) und Regina Offenwanger (SPD) - eine Stadtratsmehrheit - beantragten den Abriss. Zwar behandelte der Bürgermeister zum Leidwesen der Antragsteller den Antrag nicht, doch auch der bereits zuvor gegründete Arbeitskreis folgte dem Appell der Stadträtinnen und Stadträte und empfahl den Abriss.

Nun werden also bald die Abbruchmaschinen anrücken, wie Bürgermeister Bauer am Tag nach der Abstimmung erzählt. Keno Maierhofer, Grünen-Stadtrat und einer der Initiatoren des Abriss-Antrags, ist zufrieden mit dem Ergebnis: "Es freut mich, dass man dem Rat des Arbeitskreises gefolgt ist." Das heißt aber nicht, das betonen Bauer wie Maierhofer, dass es in Grafing nicht künftig dennoch ein Einheits-Denkmal geben könnte. Denn darin sind sich die Grafinger eigentlich einig: Der inzwischen verstorbene Ehrenbürger Hermann Huber, der zur Zeit des Mauerfalls deutscher Botschafter in Prag war und die historischen Umbrüche mitgestaltet hat, würde eine Würdigung durchaus verdienen. Wie dies geschehen könnte, soll laut Bauer im Stadtrat beraten werden, einen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht.

Die Grafinger haben unterdessen noch Gelegenheit, sich ein Souvenir vom lokalen Aufreger der vergangenen Monate zu sichern. Bereits jetzt haben sich einige "Mauerspechte" wie einst in Berlin kleine Stückchen aus der Mauer gehackt, nach der Entscheidung vom Dienstagabend dürfte sie wohl auch niemand mehr daran hindern wollen.

© SZ vom 15.04.2021/koei
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