Einen heißen Herbst durchlebt der Förderverein der Grafinger VHS: Weil der damalige Vorsitzende Jörg Walter den von der VHS abgelehnten Referenten Michael Meyen unter „FöV“-Flagge einlädt, beruft ihn eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. 24 von 26 Stimmberechtigten werten Walters Schritt als Verstoß gegen die Vereinssatzung, wonach der Verein in beratender, nicht aber in programmgestalterischer Form tätig zu sein habe.
Im Hintergrund geht es jedoch um mehr – nämlich die Sorge eines Abdriftens des „FöV“ in die „Querdenker“-Ecke. Walter stellt den Zweckverband in den Kontext einer „systematischen Störung von demokratischen Strukturen“, von „Cancel-Culture“ und einer „großen Konsensmaschine“. Seinen Kritikern attestiert er „mentale Ideologiepanik“. Und er sieht sich ausgebootet. „Meine Vorschlags-Annahmequote (bei der VHS-Leitung, Anm. d. Red.) fiel von wunderbaren 100 Prozent auf null Prozent, sämtliche Vorschläge wurden (...) wiederholt beiseitegeschoben.“
Bei der VHS hat man Zweifel an der freiheitlich-demokratischen Grundhaltung des Referenten
Das bestreitet VHS-Leiterin Martina Eglauer nicht: Lade eine öffentliche Bildungseinrichtung Referenten ein, müssten diese klar auf dem Boden einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen, erläuterte Eglauer. Daran habe es bei Walters Vorschlägen erhebliche Zweifel gegeben. Michael Meyen etwa hatte als Mitherausgeber und Autor des „Demokratischen Widerstands“ gewirkt, einer laut Berliner Verfassungsschutz „verschwörungsideologischen Veröffentlichung“.
Schließlich wird die Angelegenheit auch der VHS im Zweckverband Kommunale Bildung zu bunt, also jener Institution, deren Unterstützung sich der „FöV“ qua Satzung verschrieben hat: Sie mahnt den Förderverein ab und droht ihm mit dem Rausschmiss aus dem Zweckverband, sollte er nochmals zu einem hauseigenen Konkurrenzprogramm einladen.
Seine Abberufung erkennt Walter nicht an. Die Abstimmung habe in einem Nebenraum stattgefunden und das Gremium sei deshalb nicht beschlussfähig. Doch dazu gibt es eine Vorgeschichte: In den Nebenraum war die Versammlung ausgewichen, weil Walter und zahlreiche eilig eingetretene Neumitglieder den ursprünglich geplanten Raum blockiert hatten.
Eine Tragik des Zerwürfnisses: Walters Eltern Annelore und Karl-Heinz hatten in den 1970er-Jahren unter großem persönlichem Einsatz die ersten Grafinger VHS-Kurse auf die Beine gestellt.



