MeinungSchöpffe-VillaEine wenig charmante Lösung

Kommentar von Anja Blum, Grafing

Lesezeit: 1 Min.

Das Haus von Alfred und Elisabeth Schöpffe war einst ganz der Kunst gewidmet. Nun ist seine Zukunft mehr als ungewiss.
Das Haus von Alfred und Elisabeth Schöpffe war einst ganz der Kunst gewidmet. Nun ist seine Zukunft mehr als ungewiss. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Schöpffe-Villa soll an den Meistbietenden versteigert werden. Damit würde die Stadt ein Versprechen brechen.

Grafing und seine Liegenschaften, das ist ein spezielles Thema. Im historischen Rathaus war es im Sommer zuletzt so heiß, dass die Stadt „hitzefrei“ ausrief: Parteiverkehr war nur vormittags möglich. Es steht also dringend eine Modernisierung des denkmalgeschützten Gebäudes an. Am anderen Ende des Marktplatzes gammelt eine alte Schule vor sich hin, seit jetzt 16 Jahren. Das Haus, das zuletzt Volkshochschule und Musikschule nutzten, ist wegen Brandschutzmängeln weitgehend gesperrt, nur das Jugendzentrum (JIG) im Erdgeschoss darf genutzt werden. Eine Sanierung gilt inzwischen als ausgeschlossen.

Und nun die Schöpffe-Villa. Ein ebenfalls geschichtsträchtiges Gebäude, eine Reminiszenz an ein prägendes Grafinger Künstlerpaar. Seit fast zehn Jahren wird es nicht mehr bewohnt, ein Lost Place am Stadtrand. Doch klar ist: Ein Haus, das jahrelang unbeheizt leersteht, dessen Bausubstanz wird nicht besser, ganz im Gegenteil. Gefrieren und platzen Wasserleitungen, wäre eine Sanierung selbst für jemanden Gutwilligen kaum mehr machbar.

Waren die Vorstellungen der Interessenten zu abwegig? Oder hat es im Rathaus am guten Willen gefehlt?

Der neue Eigentümer aber, sprich: die Stadt Grafing, hat es offenbar nicht eilig gehabt, in der Sache voranzukommen. Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu hören, dass schon früh einige kreative Grafinger Interesse am Schöpffe-Haus bekundet hätten. Etwas Konkretes wie ein Mietverhältnis aber hat sich offenbar nie daraus ergeben. Die Frage ist jetzt: Waren die Vorstellungen der Interessenten zu abwegig? Oder hat es im Rathaus am guten Willen gefehlt? Sollte es vielleicht am Ende sogar so kommen, dass das Haus an den Meistbietenden versteigert wird?

Einer Stadt mag diese Lösung charmant erscheinen, denn dann muss man sich nicht um eine alte Immobilie und irgendwelche kreative Mieter kümmern. Anstatt dessen hätte sie über eine halbe Million Euro zur Verfügung, die – zwar für kulturelle Zwecke, aber ansonsten ganz nach Gutdünken – investiert werden können.

Das Problem ist nur: Ein Investor, der das Gebäude abreißt und das Grundstück neu bebaut, kann vermutlich mehr Geld bieten als jemand, der das Haus sanieren und für Kunst und Kultur nutzen möchte. Eine Rettung der Schöpffe-Villa wird mit diesem Verfahren also noch mal unwahrscheinlicher. Sollte sie scheitern, wäre das in vielerlei Hinsicht enorm schade. Und darüber hinaus ein gebrochenes Versprechen.

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