Zukunft der "Ro8"Im Zentrum bleiben

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Seit mittlerweile knapp 16 Jahren ist das alte Schulhaus in der Rotter Straße 8 wegen Baumängeln teilweise gesperrt, ob die Jugendinitiative Grafing als letzte Nutzer auch bald ausziehen, ist aber weiter offen.
Seit mittlerweile knapp 16 Jahren ist das alte Schulhaus in der Rotter Straße 8 wegen Baumängeln teilweise gesperrt, ob die Jugendinitiative Grafing als letzte Nutzer auch bald ausziehen, ist aber weiter offen. Peter Hinz-Rosin

Die Jugendinitiative Grafing (Jig) votiert in ihrer Vollversammlung für Gespräche mit der Stadt über einen möglichen Umzug des Treffs ins Kiermeierhaus am Stadtbahnhof. Über einen bestimmten Vorschlag aus dem Rathaus wollen die Jugendlichen dagegen gar nicht erst diskutieren.

Von Thorsten Rienth, Grafing

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Selbst engagierte Grafinger Stadträte tun sich mittlerweile schwer, in Sachen Verbleib oder Umzug der Jugendinitiative Grafing (Jig) aus dem alten Schulhaus in der Rotter Straße 8 den Überblick zu behalten. Insofern hat die Vollversammlung des im Erdgeschoss beheimateten Jugendtreffs am Sonntag etwas Struktur in die weiteren Überlegungen - allem voran im Rathaus - gebracht.

Dort war im Frühsommer das Szenario durchgespielt worden, die ehemalige Kreitmaier-Backhalle im Haidlinger Gewerbegebiet für die Grafinger Vereine zu ertüchtigen. Von Bürgermeister Christian Bauer (CSU) liegt seit Juni der Vorschlag auf dem Tisch, den Veranstaltungsraum des Treffs eben dorthin umzusiedeln. Der Thekenraum könnte ins Kiermeierhaus am Stadtbahnhof umziehen. Von dort wechselt das städtische Jugendcafé Chaxxter bald ins neue Kinderzentrum in der Forellenstraße.

Der Jugendinitiative ist es wichtig, dass ihre Räume auch weiterhin gut erreichbar sind

Den ersten Teil des Plans, also dem Umzug ihres Veranstaltungsraums hinter den sogenannten Haschler-Turm, lehnten die Jugendlichen in ihrer halbjährigen Vollversammlung einstimmig ab. "Die Konzerte in der Kreitmaier-Halle, den Jig-Betrieb am Bahnhof - da müssten wir uns total verrenken", befand ein Jig-Aktiver. Ein anderer monierte die zwei Kilometer Entfernung von der Stadtmitte. "Bei einer Stadthalle würde doch auch niemand auf die Idee kommen, sie dort hinten hinzubauen, oder?" Und überhaupt gelte, was die scheidende Jig-Vorsitzende Helen Hamburger in der Vollversammlung ein weiteres Mal klarstellte: "Ich finde es viel zu gefährlich, dass junge Leute nachts im Dunkeln von dort hinten am Straßenrand zurück in die Stadt laufen", sagte die 24-Jährige.

Den Teilumzug hinter den sogenannten "Haschler-Turm" am Stadtrand lehnt die Jugendinitiative ab.
Den Teilumzug hinter den sogenannten "Haschler-Turm" am Stadtrand lehnt die Jugendinitiative ab. Peter Hinz-Rosin

Deutlich kompromissbereiter zeigte sich die Jig-Vollversammlung bezüglich eines weiteren Vorschlags. Bürgermeister Bauer hatte ihn im Juli nachlegt: Und zwar in Form eines möglichen Anbaus am Kiermeierhaus, mit dem sich - anders als in den bisherigen Mauern - auch eine konzerttaugliche Raumhöhe umsetzen lasse. "Wenn es dort mit einem Anbau eine gute Lösung geben könnte, dann lasst sie uns finden!", lautete eine Wortmeldung. Allein: "Dazu müsste uns die Stadt diese Pläne vielleicht auch mal zeigen."

Ein Standort direkt am Bahnhof würde nur Betrunkene anlocken, befürchten einige im Jig

Doch wegen der unmittelbaren Bahnhofsnähe gibt es auch Bedenken. "Ich finde es supernervig, wenn dann später am Abend komplett Besoffene vom Bahnhof reinkommen und wir ihnen erklären müssen, dass sie kein Bier mehr kriegen, weil sie eh schon hacke sind", warnte eine Jugendliche. "Aber ja, schauen wir uns das an." Die Abstimmung, ob der Jugendtreff in konkrete Gespräche über einen Kiermeierhaus-Umzug einsteigen solle, fiel zwar nicht mehr einstimmig wie jene um die Kreitmaierhalle. Mit einer Zustimmung von ungefähr 80 Prozent blieb sie allerdings noch immer sehr deutlich.

Gelingt ein Kompromiss und ein Auszug des Jig aus seiner seit dem Jahr 1986 gültigen Adresse, wäre Bürgermeister Bauer seinem dritten mit der "Ro8" zusammenhängenden Plan einen guten Schritt näher: Perspektivisch will er das Gebäude abreißen und auf dem Gelände eine innerstädtische Erholungsfläche errichten. 3,5 Millionen Euro sind in Bauers langfristiger Finanzplanung dafür vorgesehen.

Vor den Beschlüssen hatte Helen Hamburger einen durchaus ausführlichen Tätigkeitsbericht über das zurückliegende halbe Jahr gehalten. Natürlich auch, um die aus Jig-Perspektive Unmöglichkeit eines auf zwei Örtlichkeiten verteilten Treffs zu unterstreichen: Vier aktive Arbeitskreise mit jeweils sechs Treffen. Sieben Konzerte, in aller Regel mit Auftrittsmöglichkeiten für Bands aus der lokalen Umgebung. Selbstgebaute neue Tische, neu gestrichene Wände und Türen. Den Flohmarkt sowie das Treffen mit Jugendlichen aus der Partnerstadt St. Marcellin. Mitarbeit bei der "Krachparade" gegen hohe Mieten. Dazu eine Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit dem Bayrischen Flüchtlingsrat zu Fluchtursachen. Und, zusammen mit dem Ebersberger Frauennotruf, eine Schulung mit Handlungsmöglichkeiten gegen sexuelle Gewalt.

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