Mitten in GrafingDie Sache mit der Schulschwimmerei

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Ganz so elegant können sie es noch nicht, die Schulkinder - haben aber Riesenspaß im Wasser, allen Meckerern zum Trotz.
Ganz so elegant können sie es noch nicht, die Schulkinder - haben aber Riesenspaß im Wasser, allen Meckerern zum Trotz. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wenn Horden von Kindern am Vormittag das Freibad bevölkern, mag mancher das lästig finden. Andere sagen: Ein Hoch auf das Engagement der Lehrkräfte und das, was sie damit erreichen!

Kolumne von Michaela Pelz, Grafing

Lehrkräfte ... sind das nicht die, die morgens recht und nachmittags frei haben? Deren Berufswahl begründet wird mit der Länge der Sommerferien? Die ihr hübsches, klimatisiertes Klassenzimmer am liebsten nicht einmal in der Pause verlassen würden?

Oder sind es doch die, die sich immer wieder dafür einsetzen, dass ihre Mittelschulschützlinge an Autorinnen-Workshops in Kreativem Schreiben teilnehmen können? Die in vielen, unbezahlten Stunden Ausflüge ins Konzerthaus machen, um Sechstklässler zum ersten Mal „echte“ Orchestermusik erleben zu lassen? Oder die sich morgens um halb neun in Badebekleidung werfen, selbst wenn der Himmel noch so bedeckt ist und ein kalter Wind weht?

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Schon von Weitem hört man sie jauchzen: Es ist Schwimmwoche im Grafinger Freibad und wie bereits an den Tagen zuvor wimmelt es von Mädchen und Jungen mit und ohne Badekappe und Schwimmbrille; einige haben ihr großes Handtuch so um den kleinen Körper geschlungen, dass nur noch zwei Beinchen zu sehen sind.

Ein Teil der Meute deckt sich am Geräteschuppen mit Schwimmhilfen ein, dann verteilen die Kinder sich über das Gelände. Hier wird am Sprungbecken über eine gebogene Nudel Kopfsprung geübt, dort klickt beim Zeitschwimmen auf der äußersten Bahn die Stoppuhr. Am Beckenrand erklärt ein Lehrer geduldig die Sache mit der notwendigen Pause nach dem Essen, und auch bei den Nichtschwimmern ist einiges los.

Das kleine Mädchen mit den dunklen Haaren, das dort mit hastigen Zügen das Wasser teilt, bekommt leuchtende Augen, als man es lobt. Die Instruktorin, die direkt daneben bis zur Brust im Wasser steht, sagt nicht ohne Stolz: „Noch vor drei Tagen wusste sie nicht mal, wie die Bewegungen gehen.“

Schwimmen zu können, ist nicht nur eine erstrebenswerte, sondern überlebenswichtige Fähigkeit. Kinder, die heute viel zu viel sitzen, in Bewegung zu bringen und das überdies mit erkennbarer Begeisterung, ist eine hohe Kunst. Und die Lehrer und Lehrerinnen, die teilweise sogar mit ihren Schützlingen ins Becken steigen, haben großen Dank verdient.

Manche der erwachsenen Dauerkartenbesitzer sind freilich alles andere als glücklich, sich mit weniger Platz, dafür mehr Geräusch und Gespritze arrangieren zu müssen. „Jetzt ist aber mal langsam gut mit dieser Schulschwimmerei!“, grummelt ein Badegast. Nein, ist es definitiv nicht!

Doch dieser Text soll nicht mit einem Misston enden, sondern mit Bewunderung. Für den unbekannten Lehrer, der seiner zitternden Schülerin aus dem Wasser die Hand entgegenstreckt, und sagt: „Ich glaub’ an dich, glaub’ auch du an dich!“ Und für das Mädchen, die „coole Socke“, die nach diesem ersten Sprung mehrmals ins Tiefe hüpft, als hätte sie nie etwas anderes getan.

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