„Aus is und gar is, und schad is, dass’s wahr is!!“ Diesen Spruch des ewigen Stenz werden sich wohl auch die 570 Dauerkarteninhaberinnen und -inhaber sagen, die zwischen dem 15. Mai (vier Tage später als ursprünglich geplant) und dem 8. September die rund 1200 Quadratmeter des Freibads Grafing frequentierten. „Neben den treuen Frühschwimmern, die jeden Tag kamen, waren aber auch viele Auswärtige da. Die zwei neuen Parkmöglichkeiten merkt man schon“, sagt Bürgermeister Christian Bauer, der froh ist, dass man durch das gute Wetter am Ende der Saison „aufholen konnte, was uns am Anfang gefehlt hat.“
Fast 86 000 Besuche – nicht Besucher, das dürften etwas weniger sein, da viele natürlich mehr als einmal das Bad besucht haben – habe man gezählt und damit ähnlich viele wie im vergangenen Jahr, Tendenz steigend. „Das heißt allerdings auch, dass unsere Kosten steigen – wir brauchen mehr Personal“, ergänzt der Rathauschef. Den rund 250 000 Euro Einnahmen stünden Ausgaben von um die 650 000 Euro entgegen – die sich die Stadt aber bewusst leiste. „Diese Angebote für die Bevölkerung machen ja Grafing aus“, fügt Bauer hinzu, der hofft, auch in den nächsten Jahren den „großen finanziellen Aufwand“ stemmen zu können. Was ihn besonders freut: In den Genuss von Rutsche und Sprungturm kamen heuer auch „genau 2547 Schulkinder – mehr als 500 davon aus auswärtigen Schulen“, die im Rahmen des Unterrichts mit ihren Lehrkräften das Bad besuchten.

Mitten in Grafing:Die Sache mit der Schulschwimmerei
Wenn Horden von Kindern am Vormittag das Freibad bevölkern, mag mancher das lästig finden. Andere sagen: Ein Hoch auf das Engagement der Lehrkräfte und das, was sie damit erreichen!
Doch auch das Personal rund um Chefin Sandra Friesinger hatte große Freude an dieser Saison, die sie als „ausgesprochen harmonisch und rundherum gelungen“ bezeichnet. Zu ihren persönlichen Highlights gehörte auf jeden Fall das Festival mit DJ-Duo und zwei Bands. „Megaschöne Atmosphäre mit der Livemusik!“, schwärmt die Betriebsleiterin in Erinnerung an das Event vom 2. August, das sie als großen Eberhofer-Fan zumindest ein wenig hinwegtröstete über das witterungsbedingt vorsichtshalber abgesagte Open-Air-Kino. „Vielleicht klappt es nächstes Jahr!“

Ebenfalls ein großes Highlight für alle Beteiligten: die Schwimmkurse. Zwei Wochen lang durften insgesamt 24 Kinder in zwei aufeinanderfolgenden Kursen lernen, wie man sich sicher im Wasser bewegt. Willige Kolleginnen und Kollegen in dem achtköpfigen Team zu finden, war kein Problem. „Oft waren wir zu viert, denn jeder will da gern mitmachen.“ Als nicht so schön wiederum empfand Friesinger die Tatsache, dass Eltern „ihre Aufsichtspflicht zunehmend weniger wahrnehmen. Immer wieder müssen wir Kinder, die mit Schwimmflügeln alleine rutschen oder schwimmen rausholen und sagen: Das darfst du nicht!“
Während ein solches Verhalten sicher oft der Unkenntnis geschuldet sei und nicht böswillig, gibt es einen Punkt, der Friesinger regelrecht verletzt: „Die Einstellung zu ganz selbstverständlichen Dingen wie der Abfallbeseitigung.“ Immer wieder müsse das Team „Müllrunden“ einlegen und einsammeln, was auf der Wiese hinterlassen wurde, Einwegaschenbecher etwa. Dabei gebe es so viele Mülleimer! Die Krönung des Ganzen seien aber „Aussagen wie: ’Das ist doch dein Job!’ Nein, ist es nicht! Wir sind da, um aufzupassen, dass nichts passiert, Erste Hilfe zu leisten, für die Verkehrssicherheit des Bades zu sorgen, nicht aber, um den Leuten hinterherzuräumen“, echauffiert sich die sonst stets ausgeglichene und gut gelaunte Bademeisterin, die für jeden ein freundliches Wort hat.

Wasserschaden im Freibad Grafing:Reparaturen auf Hochtouren
Am Wochenende hatte Starkregen den Technikraum lahmgelegt, nun läuft die Instandsetzung. Geht alles gut, soll das Bad noch diese Woche wieder öffnen.
Man merkt Friesinger an, mit wie viel Leidenschaft sie ihren Beruf ausübt. „Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich „mein“ Bad sage, weil ich dafür verantwortlich bin“, sagt die Aßlingerin mit ihrem ansteckenden Lachen. Genau deswegen seien ihr die beiden Wasserschäden – ganz zu Anfang und Mitte Juli – so nahe gegangen. Als „Glück im Unglück“ bezeichnet Bauer die Tatsache, dass der Schaden im Maschinenhaus von der Versicherung übernommen worden sei und verweist auf bauliche Maßnahmen, die man ergriffen habe „damit uns das nicht mehr passiert“. Dankbar sei er vor allem, dass er sich in jeder Situation auf Sandra Friesingers Team, „die das mit so viel Herzblut machen“, verlassen kann.



Sogar Doppelschichten würden laut Betriebsleiterin nach jedem Sturm geschoben, um wieder alles tipptopp herzurichten für die Badegäste. „Deswegen kränkt es mich, wenn manche meinen, wir sperren nur die Türen auf und zu.“ Wenn das nun auch bis zum nächsten Jahr im Freibad für die Gäste der Fall ist, hat die Belegschaft mitnichten jetzt ein halbes Jahr Ferien. Auch nach der Saison gäbe es genug zu tun „von der Pflege der Grünanlage bis zum eigenhändigen Weißeln“. Ganz abgesehen davon, dass das Team dank der „in der heutigen Zeit so wichtigen, gute Kooperation“, wie Bauer es nennt, nach der Neueröffnung des Ebersberger Hallenbads am dortigen Beckenrand stehen und sich über jeden freuen wird, Stammgast oder nicht, der sagt: „Schee is!“

