Grafing Ein Prosit der Zufriedenheit

Finden Gefallen am Mitfahrbankerl: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (Mitte), mit Fritz Lietsch, Andreas Lenz, Thomas Huber und Swantje Schlederer (von links).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bei seinem Besuch in Grafing verteilt Verkehrsminister Alexander Dobrindt, CSU, einiges an Lob - auch an sich selbst

Von Julian Carlos Betz, Grafing

Grafinger, die sich Hoffnungen auf eine Antwort gemacht haben, wann denn an der Bahnlinie in Schammach eine Lärmschutzwand errichtet wird, sind trotz geballter CSU-Verantwortlichkeit in der Wildbräu-Halle am Montagabend enttäuscht worden. Der Landtagsabgeordnete Thomas Huber umschiffte klare Aussagen zum Fortschritt der Verhandlungen mit der Bahn ebenso wie der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz und der Oberverantwortliche in dieser Angelegenheit, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Der lobte dafür ein anderes Projekt, das weitestgehend in seine Zuständigkeit fällt: Das Mitfahrbankerl, das am Wochenende auf dem Grafinger Heimatmarkt erstmals vorgestellt wurde. Swantje Schlederer und Fritz Lietsch übernahmen sogleich die Patenschaft für das Bankerl, das auf Initiative des Grafinger Transitionsvereins im Stadtgebiet aufgestellt werden soll. Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) versprach, sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort zu machen.

Dobrindt konzentriert sich auch in seiner Festrede ganz auf das Loben. Zum Beispiel auf den "meistbewunderten" Landkreis, wo sich auf vorbildliche Weise Tradition und Fortschritt träfen. Anekdoten prägten seinen Vortrag und diverse Versuche, komplexe Vorgänge auf einfache Aussagen zu reduzieren. Und das, obwohl er selbst behauptet: "Einfache Wahrheiten glaube ich nicht." Auch zum Diesel gibt es keine großen Erklärungen. Die Regierung habe sich keine Versäumnisse zuzuschreiben und die Industrie müsse auch die Chance haben, "sich zu entwickeln".

Weil ein Politiker zu Wahlkampfzeiten aber nicht ganz auf mitunter auch deftige Seitenhiebe gegen den politischen Gegner verzichten kann, gibt es auch kritische Töne. Zu den Ausschreitungen des G20-Gipfels in Hamburg fordert Dobrindt etwa, "endlich diese linken Höhlen auszuheben". Er spricht dann - und das erinnert an seine Zeit als CSU-Generalsekretär - von politischer Umdeutung durch die SPD und schlägt wenig später jedem Zuhörer vor, wenn er einen Nachbarn habe, der überlegt, im September die SPD zu wählen: "Hören Sie auf, mit ihm zu reden."

Als er sich zuletzt über das Fehlen seines gefüllten Maßkrugs auf dem Rednerpult beschwert, wird dem schnell abgeholfen und die Menge applaudiert lachend. Es sei "großartig, in der Tradition zusammenzukommen". Jedenfalls für ihn herrscht Einigkeit, Harmonie und Zufriedenheit. Fragen, Gespräche oder gar Diskussionen sind nicht nötig. Ach ja, die Lärmschutzwand: Dobrindt spricht von "abarbeiten" und davon, dass man die "Akzeptanz in der Region erhalten müsse", dann ist er auch schon wieder weg. Das Mitfahrbankerl brauchte er freilich nicht, sein Fahrer wartete vor der Halle, um den Minister schnell zum Flughafen zu fahren.

Eröffnet wurde der Abend freilich vom politischen Lokalmatador, Thomas Huber. Während die Gäste vor Tellern mit Kesselfleisch und Würstl sitzen, heizt Huber die Stimmung zusätzlich mit einem Loblied auf seinen Parteifreund aus Berlin an. Durchaus mit einem ironischen Zungenschlag. Alexander Dobrindt sei der derzeit "meistgefragteste Politiker" sagte Huber - mit Blick etwa auf den Dieselskandal.

Andreas Lenz schließlich, als Bundestagsabgeordneter wie Dobrindt im Wahlkampfmodus, schloss sich dem Kurs des Abends gerne an: Loben, loben, loben. In Bayern laufe es einfach gut, sagte Lenz. Es gebe ja im Grunde auch keine Probleme und das vor allem, weil die Politik stimme. Konkretes zur Grafinger Lärmschutzwand wusste der Frauenneuhartinger allerdings auch nicht zu berichten. Er sprach davon, dass diese erst "planfestgestellt" werden müsse, fügte aber hinzu: "Jeder Euro in den Lärmschutz ist ein gut investierter Euro" - und erntete dafür schwachen Applaus.