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Grafing:Die Mauer soll abgerissen werden

Mauer Stadtpark Grafitti

Anders, aber nicht unbedingt schöner: Sprayer haben die umstrittene Grafinger Mauer auf ihre Art immer wieder umgestaltet.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Grafinger Stadtrat steht eine Mehrheit für die Entfernung des umstrittenen Denkmals. Für die Entscheidung gibt es womöglich bereits einen Termin.

Von Thorsten Rienth, Grafing

Ist dies der Anfang vom Ende des umstrittenen Mauerdenkmals im Grafinger Stadtgarten? "Wir sind überzeugt, dass ein Rückbau der Mauer die beste Chance ist, den Weg (...) für eine gemeinsame und im Geiste der Wiedervereinigung entsprechende Lösung zu ebnen." Unterzeichnet haben den Antrag 13 Grafinger Stadträte von Grünen, Freien Wählern, SPD, Bayernpartei und Linke.

Worum geht es? Zum 3. Oktober hatte der CSU-Kreisverband im Grafinger Stadtpark vier Einheitsbäume gepflanzt. Weil sich aber an die Bäume keine Plakette mit den Namen der Spender nageln ließ, musste eine Alternative her. Man fand sie in einer die Berliner Mauer symbolisierenden Stele. Dort wurde die Plakette angeschraubt. CSU-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Thomas Huber aus Grafing erklärte dazu: Jugendliche könnten, angelehnt an das Berliner Vorbild, die Grafinger Mauer bemalen.

Damit war in der Stadt das Rennen eröffnet, wessen Sprüche möglichst lange ohne Übermalung auf der Mauer bleiben würden. "Herr Bauer, wir sind sauer über ihre Mauer", lautete der erste Streich - der Vorwurf: mangelndes Demokratieverständnis. Seither unzählige Male bekritzelt und beschmiert, befindet sich mittlerweile in bester Stadtparklage ein ziemlicher Schandfleck. Und die Spender-Plakette ist auch längst abgeschlagen.

Zwischenzeitlich sollte sich ein Arbeitskreis mit der Zukunft des umstrittenen Denkmals beschäftigen. Der Corona-Beschränkungen wegen tagte er allerdings bislang nicht. Ein neuer Termin ist noch nicht angesetzt. Die Grafinger Mauer steht.

"Wir sehen in der Entfernung des Mauerstücks die Chance, dass sich der Arbeitskreis in seinem ersten Treffen offen, konstruktiv und vor allem unvoreingenommen mit dem Denkmal befassen kann," schreibt Initiator Keno Maierhofer (Grüne) in der Begründung des Antrags. Ausdrücklich will der 20-Jährige das Papier nicht als Affront gegen die CSU und ihren Kreisverband verstanden wissen.

Er verweist auf den "sehr schönen und symbolträchtigen Teil" des Denkmals - vier Bäume, deren Kronen im Laufe der Zeit zusammenwachsen sollen. Sie stehen für den Norden, Osten, Süden und Westen des Landes. Auf die Bäume ziele der Antrag nicht ab, erklärte Maierhofer, es gehe einzig um den Rückbau der Mauerstele.

Die nächste Stadtratssitzung, in der das Thema beraten werden könnte, ist für den Dienstag, 2. März, terminiert. Vorausgesetzt, die 13 Unterzeichner des Antrags sind alle anwesend, dürften die Tage der Mauer gezählt sein. Bei einer Gremiumsgröße von 25 Mitgliedern entsprächen die 13 Stimmen einer knappen Mehrheit.

© SZ vom 20.02.2021/koei
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