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Grafing:"Das ist ein Zeichen"

Grafing steht kurz davor, erste "Fair-Trade-Town" im Landkreis Ebersberg zu werden. Mit dem zu erwartenden Zertifikat schließt sich der Ort den bundesweit 600 Städten an, die sich einem fairen Handel verschrieben haben

Von Serafina Rumm, Grafing

Im Oktober 2020 hat Grafing die Bewerbung abgeschickt und schon bald ist es soweit: Grafing wird die erste "Fair-Trade-Town" im Landkreis Ebersberg. "Das Rathaus wartet noch auf die endgültige Bestätigung", so der erste Bürgermeister Christian Bauer (CSU). Durch Corona verzögere sich alles wohl ein bisschen. "Acht bis zehn Wochen dauert normalerweise die Prüfung des Zertifikats", ergänzt Christina Spiegel, die als städtische Klimamanagerin seit Sommer 2019 im Amt ist. Für Februar sei aber bereits ein Treffen, auch zur Bekanntmachung des Projekts für neue Akteure, und eine Besprechung für weitere Abläufe geplant.

Mit der Zertifizierung schließt sich Grafing den bundesweit 600 Städten an, die bereits Inhaber eines solchen Zertifikates sind: In der Nähe sind das zum Beispiel Städte wie München, Rosenheim und Bad Aibling.

"Das ist ein Zeichen, dass Grafing den fairen Handel unterstützen möchte", sagt Spiegel. Nicht zu vergessen, so die Grafinger Klimamanagerin, sei auch der soziale Aspekt: Denn fairer Handel ist die Voraussetzung für die korrekte Bezahlung der Bauern in den Erzeugerländern. "Ich finde das Projekt gut und möchte es auf jeden Fall weiter ausbauen", so Bauer. Denn mit der baldigen Ausstellung des Zertifikats von transFair e.V. dürfe sich die Stadt Grafing nun für die kommenden zwei Jahre Fairtrade-Stadt nennen. Dann werde schon die nächste Rezertifizierung fällig, so die Klimamanagerin.

Eine Weile hat es gedauert, bis Punkt 20 der "Forderungen an die Stadt Grafing" von der Aktion #FridaysForFutureGrafing nun kurz vor dem Abschluss steht: Auf Seite 15 des insgesamt 24-seitigen Maßnahmenkatalogs von damals ist nachzulesen: "Damit auch Grafing in absehbarer Zeit Vorbild ist, erwarten wir bis Anfang kommenden Jahres die Bewerbung als Fairtrade-Town oder die Vorlage eines Konzeptes zur erfolgreichen Bewerbung als Fairtrade-Town".

Die Aktivisten von Fridays for Future engagierten sich bereits im Jahr 2019 für die Teilnahme der Stadt Grafing an der Kampagne des Vereins transFair. Es handelt sich um eine unabhängige Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Fairen Handel in Deutschland zu fördern. Diese Initiative ist nun auch für die Prüfung des Zertifikats der Stadt Grafing verantwortlich.

Vorreiter und Mit-Initiator für das Projekt in Grafing war der Fair-Weltladen am Marktplatz, so Spiegel. Weitere Teilnehmer und Unterstützer aus Grafing sind aus dem Einzelhandel der Rewe Markt Gruber und der Korn Biomarkt. Außerdem am Projekt beteiligt sind die evangelische und die katholische Kirche sowie das katholische Kreisbildungswerk Ebersberg, die Grund- und Mittelschule Grafing, die Eine Welt Station Grafing und die Transition Town Grafing.

Der gesamte Prozess - vom Stadtratsbeschluss im Oktober 2019 bis zur Abgabe der Bewerbung für das Zertifikat - habe wohl ein gutes Jahr gedauert, so Bürgermeister Bauer. Bereits bei einem ersten Treffen im Juli 2020 wurden die ersten Schritte für eine Beteiligung in die Wege geleitet. Wer sich nämlich eine Stadt des fairen Handels nennen möchte, muss einige Kriterien erfüllen: Nach einem offiziellen Beschluss des Stadtrates, muss sich eine Steuerungsgruppe finden, die sich dazu bereit erklärt, alle Aktivitäten vor Ort miteinander abzustimmen.

Nicht nur die Geschäfte des Einzelhandels, der Floristik und die Gastronomie müssen also mindestens zwei Produkte aus fairem Handel in ihrem Sortiment oder ihrem Menü anbieten, sondern auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen müssen künftig faire Produkte verwenden. Die Stadt verpflichtet sich darüber hinaus, Bildungsaktivitäten umzusetzen, die für eine Aufklärung über den fairen Handel in der Bevölkerung sorgen.

"Ich bin sehr froh, dass wir das Projekt jetzt endlich auf die Beine gestellt haben.", sagt Spiegel. "Es hat außerdem viel Spaß gemacht, weil wir sehr viel ehrenamtliche Unterstützung bekommen haben." Zusätzlich zu den ersten Schritten in Richtung einer nachhaltigeren Wirtschaftsstruktur, hätte sich die Stadt Grafing außerdem bemüht, einige der weiteren Forderungen des Katalogs von Fridays-For-Future zu erfüllen, so Bauer: Neben Carsharing und Elektroladestationen gebe es mittlerweile auch neue Fahrrad-Wege und -Stellplätze in der Stadt. Auch für den Ausbau und die Stärkung einer "ortsnahen Landwirtschaft" setze er sich ein, so der Grafinger Bürgermeister.

© SZ vom 22.01.2021
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