Baugebiete in Grafing:Bremser statt Beschleuniger

Baugebiete in Grafing: Grafing: Die Baustelle am Aiblinger Anger.

Grafing: Die Baustelle am Aiblinger Anger.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der Vorwurf, die Stadt setze mit immer neuen Baugebieten den Kleinstadtcharakter aufs Spiel, ist bei genauerer Betrachtung unbegründet.

Kommentar von Thorsten Rienth

In Grafing hält sich hartnäckig die Ansicht, Rathaus und Stadtrat würden mit immer neuen Baugebieten den örtlichen Kleinstadtcharakter aufs Spiel setzen. Die Kritik mag nachvollziehbar sein angesichts zahlreicher Neubauten in praktisch jeder Ecke der Stadt. Einer genaueren Überprüfung hält sie allerdings nicht stand.

Der durchschnittliche Grafinger Bevölkerungsanstieg der vergangenen zehn Jahre lag laut Statistischem Landesamt bei etwa 0,7 Prozent. "Das ist für eine Boom-Region eigentlich nicht besonders hoch", ordnet Bürgermeister Christian Bauer (CSU) treffend ein. Ob es im Einzelfall gefalle oder nicht. Der Nachfrage auf dem Wohnmarkt müsse die Stadt ein Angebot entgegenstellen. Sonst würden die Preise noch schneller noch höher steigen. Auch damit liegt Bauer natürlich richtig.

Im nächsten Schritt lohnt sich ein Blick auf das Angebot, das die Stadt der Nachfrage in der Vergangenheit entgegengestellt hat und auch weiter entgegenstellen wird. Da fällt zum Beispiel auf, dass die aktuelle Erweiterung des Schönblicks nach dem "Aiblinger Anger" das erst zweite größere Baugebiet auf der sogenannten grünen Wiese ist - in 15 Jahren? Oder sind es doch eher 20? Auf allen anderen größeren neu bebauten Arealen hatte längst Baurecht bestanden. Die - im Übrigen oft alteingesessenen - Grafinger Grundstückseigentümer machten es nun eben zu Geld. Der Vorwurf, die Stadt treibe die Neuausweisung von Bauflächen voran, kommt also schlicht unbegründet daher.

Das gilt auch für eine Detailebene tiefer, nämlich die Ausgestaltung der Bebauungspläne selbst: Die Bauträger-Wünsche am alten BayWa- und Bäckerei-Scholz-Gelände rasierten Rathaus und Stadtrat gewaltig. Beim aktuellen Dobel-Bebauungsplan versagten sie sogar die Erlaubnis eines ausgebauten Dachgeschosses: "Aus Rücksichtnahme auf die Nachbarbebauung (...) wurde damit eine ansonsten städtebaulich gebotene höhere Bebauung vermieden", erläuterte das Bauamt den Planentwurf.

Kurzum: Grafings Rathaus und Stadtrat waren in den vergangenen Jahren eher als Bau-Bremser, denn als Bau-Beschleuniger unterwegs.

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