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Bahnprojekt:Debatte um Brennerzulauf in Grafing: Neue Hoffnung, neue Sorgen

Brenner-Nordzulauf Info Grafing

Der Zuschauer-Andrang in Grafing war so groß, dass die Infoveranstaltung von der Turmstube in den Saal der Stadthalle verlegt worden ist.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Bei der Infoveranstaltung stellt sich heraus, dass die beiden neuen Gleise südlich von Grafing nicht unbedingt entlang der Bestandstrasse verlaufen müssen.

Die gemeinsame Grafinger und Aßlinger Bahnlärm-Infoveranstaltung ist am Dienstagabend mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen: Dass die geplanten beiden zusätzliche Gleise zwischen Grafing Bahnhof und Großkarolinenfeld entlang der Bestandstrasse verlaufen, ist keineswegs ausgemachte Sache. "Wenn an der Bestandstrasse kein Platz ist, wird man dort auch keine neuen Gleise verlegen können", sagte Bahn AG-Planer Christian Tradler in der Grafinger Stadthalle. Die so deutliche Klarstellung ist neu - und die Anwohner entlang des Abschnitts sind unschlüssig, ob sie nun Hoffnung schöpfen oder sich neue Sorgen machen sollen.

Es sollte eigentlich nur ein - um im Bild zu bleiben - Aufgleisen der Öffentlichkeit werden. Weil, wie Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) sagte, "es bei so einer Planung das Allerallerwichtigste ist, dass die Bürger mit einbezogen sind". Von diesen Bürgern kamen eine ganze Menge. Mit deutlich mehr als 200 sogar so viele, dass man die Veranstaltung kurzerhand von der Turmstube in den Saal der Stadthalle verlegte.

Es war also eine große Bühne, auf der Planer Tradler den Brenner-Nordzulauf zwischen Grafing und Großkarolinenfeld skizzierte, oder besser: verteidigte. Denn laute Teile der Öffentlichkeit stehen den Bahn-Planungen sehr kritisch gegenüber. Egal ob Aßlinger und Grafinger als Anrainer der südlichen Neubaustrecke oder Kirchseeoner, Zornedinger und Vaterstettener entlang des Ausbausektors zwischen Grafing und Trudering: Sie eint die Sorge, dass es bei ihnen mit der für das Jahr 2028 geplanten Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels auch zwischen Rosenheim und München deutlich lauter wird.

Der Unmut jedenfalls prasselte auf den Planer nur so herein. "Sie können doch nicht vor 13 Jahren anfangen, den Tunnel zu bohren und die Strecke im Inntal in Österreich auszubauen, und mit dem Flaschenhals um Grafing herum erst jetzt so langsam mal in die Planung einsteigen", schoss sogleich ein Grafinger in Tradlers Richtung.

"Was ihr hier zubaut, ist unsere Heimat - ihr könnt doch nicht eine 150 Jahre alte Linde absägen und sie dann durch drei kleine neue Linden ersetzen", klagte ein anderer. Eine Aßlingerin nahm den Planer direkt in die Pflicht: "Sehen Sie es so: Sie haben jetzt acht Jahre Zeit, um einen Lärmschutz auch für unseren Streckenabschnitt zu bewerkstelligen."

Zeitplan sowie Natur- und Lärmschutz spannten das Dreieck auf, in das sich die meisten der zahlreichen Wortmeldungen einfügten. Und Tradler machte sich ein ums andere Mal daran, die Klagen zu relativieren: Es habe schon seine Berechtigung, erst den Tunnel zu bohren und dann konkret die Zulaufstrecken anzugehen. "Das ist ein auf Jahrzehnte veranschlagtes Projekt. Man fängt an den Stellen an, die zuerst einmal den größten Effekt auf die Verkehrslage mit sich bringen", erläuterte der Planer. Dies sei, erstens, nun einmal der Tunnel selbst und, zweitens, der unmittelbare Zulauf auf dem österreichischen Part des Inntals.

Das bedeute aber "ganz und gar nicht", dass Natur- und Lärmschutz bei der Priorisierung eine Nebenrolle einnehmen würden. "Der planungsbegleitende Dialogprozess und Veranstaltungen wie diese zeigen ja gerade, dass wir nicht gegen, sondern mit den Anrainern planen wollen." Das gelte gleichermaßen für die Trassenwahl selbst, als auch für nötige Maßnahmen entlang der Strecken, also vor allem solche zum Thema Lärmschutz. "Unsere Aufgabe ist, eine vollkommen offene Planung zu erstellen. Am Ende wird nach einem Punktesystem die beste Trasse gewinnen."

Prompt musste sich Tradler mit der nächsten Wortmeldung nachsagen lassen, er strapaziere doch nur das Einmaleins der Beruhigungsfloskeln. Er möge bitte ein konkretes Beispiel nennen. Dies kam dann auch - und zwar in Form der möglicherweise separat von der bisher Bahnlinie verlaufenden beiden Neubaugleise zwischen Grafing und Großkarolinenfeld: Siedlungen entlang der Bestandsstrecke könnten sich als Ausschlussgründe für eine Verbreiterung herausstellen, sagte Tradler. Gerade im Bereich um Aßling könnten sich zudem Kurvenradien als zu eng für die dort eigentlich angedachten Zuggeschwindigkeiten zeigen.

Was allerdings mögliche Auswirkungen auf den Lärmschutz angeht, könne er keine konkreten Zusagen machen, außer: "Selbstverständlich werden alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten." Bei Neubaustrecken würden die aktuellen und im Vergleich zu früheren Jahren strengeren Lärmschutzanforderungen gelten. Nachrüstungen bei Ausbaustrecken - das betrifft den Bereich westlich von Grafing - seien eine andere Geschichte. Nicht nur, weil, wie Besucher sogleich kritisierten, eben diese weit geringer seien. "Die Lärmsanierung ist auch innerhalb der Bahn ein eigenes Projekt - wir sind die Projektleiter für das, was neu gebaut wird."

© SZ vom 23.01.2020/aju
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