Im Schilde geführt, Folge 2Glonner Wappen: Nah am Wasser gebaut

Lesezeit: 4 Min.

In der zweiten Folge der SZ-Serie "Im Schilde geführt" geht es um das Wappen der Gemeinde Glonn. Eine Spurensuche im Naturbad Wiesmühle mit der zugehörigen Wirtschaft, wo es das Wahrzeichen zum Anfassen gibt.

Von Michaela Pelz, Glonn

Wappen prangten vor Jahrhunderten auf den Schilden stolzer Ritter und auf wehenden Fahnen. Auch in der Gegenwart gibt es sie noch, etwa in Form der Gemeindewappen: Jede der 21 Kommunen im Landkreis Ebersberg hat, genau wie dieser selbst, ein solches unverwechselbares Erkennungssymbol. Doch warum hat welche Gemeinde welches Wappen? Wie ist es entstanden und was sagt es über den Ort aus, den es repräsentiert? Diesen Fragen geht die SZ-Serie "Im Schilde geführt" nach.

Was für ein Anblick! Quer über die gesamte Breite hat sie es sich gemütlich gemacht, die blaue Forelle mit den goldenen Flossen. Direkt über dem Mühlrad mit seinen sechzehn Schaufeln. Seit 1931 führt die schon länger als 1200 Jahre nachgewiesene Gemeinde Glonn dieses Wappen, das sich in Stein gemeißelt an der Front des Rathauses findet. Auch Teile der Lärmschutzwand an der Rotter Straße, 2016 gestaltet vom Bildhauer Johannes Gottwald aus Herrmannsdorf, erinnern daran.

Durch die beiden Symbole ist auf den ersten Blick zu erkennen, wovon die 1901 zum Markt erhobene Gemeinde in der Vergangenheit geprägt wurde: Es war offenbar vor allem das Wasser.

Schon der Name selbst leitet sich davon ab: "Glana" (keltisch: die Klare), so nannte man erst den kleinen Fluss, dann den Ort, bis daraus im 16. Jahrhundert "Glonn" wurde. In den aus den Bergen entspringenden Gewässern ringsumher tummelten sich die Fische.

Das Wappen der Gemeinde Gloss.
Das Wappen der Gemeinde Gloss. (Foto: Gemeinde Glonn)

Einst wurden in Glonn sieben Mahl und Sägemühlen betrieben

Das nasse Element war es auch, das den Menschen Arbeit bescherte - durch seine Kraft wurden einst in Glonn nicht weniger als sieben Mahl- und Sägemühlen betrieben. Will man heute ein Wasserrad in Aktion erleben, muss man sich an Punkt 15 des Energie-Lehrpfads auf die kleine Brücke am Kupferbach begeben.

Eine erste urkundliche Erwähnung gibt es 1416 mit der Furthmühle, weiß Ortschronist Hans Obermair. Der passionierte Heimatforscher ergänzt, dass bestimmt schon davor diese oder andere Mühlen existiert hätten, jedoch ohne bekannte Beurkundung. "Die gab es in der Regel nur bei Eigentums- oder Besitzerwechseln, bei behördlichen Dingen oder Streits."

Wenn allerdings irgendwo irgendeine Information zu finden ist, dann hat Obermair sie bestimmt studiert. Der Achtzigjährige, der zahlreiche Publikationen zum Thema verfasst hat und oft Vorträge hielt, ist ein wandelndes Lexikon. Aus dem Stegreif hat er jede Menge Zahlen und Fakten parat - auch zu jener Lokalität, die man sich ausgesucht hat, um ein Gefühl für die Geschichte rund um das Wappen zu bekommen, nämlich der Wiesmühle.

Die Eröffnung des Bades 1936.
Die Eröffnung des Bades 1936. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vom Glonner Marktplatz aus zu Fuß gerade einmal zehn Minuten entfernt, gibt es an diesem zauberhaften Ort zwar seit 1967 nur noch ein Sägewerk und keinen Mühlenbetrieb mehr, aber etwas, das viele noch viel mehr erfreut, nämlich ein Wirtshaus mit Naturbad. 1935 erfolgten die ersten Spatenstiche für diese "Schwimmbadeanstalt". Ausgehoben mit der Hand, ganz ohne Bagger und schweres Gerät, entstand hinter dem Hof der Familie Kiermair in der Einöde Wiesmühle ein 25 Meter breites und damals gut 100 Meter langes Becken, gespeist aus dem Kupferbach.

Eröffnet wurde das Bad an einem Sonntag, dem 26. Juli 1936, mit einem "humorvoll witzigen Programm", wie den schon etwas vergilbten Seiten der damaligen Grafinger Zeitung zu entnehmen ist. Sie werden, ebenso wie die Fotos von Männern mit Zylindern, Frauen in Tracht Kindern in Badehosen sorgsam gehütet von Christine Gruber. Die 49-jährige führt mit Ehemann Sepp, unterstützt von den beiden Töchtern, in nunmehr dritter Generation den Familienbetrieb. Ursprünglicher Betreiber war ein Onkel ihrer Mutter, der diese in Ermangelung eigener Kinder zu seiner Nachfolgerin machte. Fortan servierte sie Brotzeit und holte den Durstigen Getränke aus dem Keller - einen Kühlschrank gab es zunächst nicht.

Christine Grubers Vater erinnert sich noch an die Achzigerjahre, als die Besucher eigens mit Bussen aus München zu ihnen strömten.
Christine Grubers Vater erinnert sich noch an die Achzigerjahre, als die Besucher eigens mit Bussen aus München zu ihnen strömten. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Geöffnet war das Bad damals nur im Sommer - frequentiert wurde es aber durchaus rege. Sogar aus München trafen in den Ferien busweise Kinder ein, um schwimmen zu lernen. Gruber und ihr Vater, Franz Xaver Reindl lachen, als sie daran zurückdenken, wie es da bis Anfang der Achtziger zuging: "Jeder Bus hatte seine eigene Badekappenfarbe."

Das morgendliche Bad im Naturwasser scheint wie ein Jungbrunnen zu wirken

Auch Teile der Lärmschutzwand an der Rotter Straße, 2016 gestaltet vom Bildhauer Johannes Gottwald aus Herrmannsdorf, erinnern an das Glonner Wappen.
Auch Teile der Lärmschutzwand an der Rotter Straße, 2016 gestaltet vom Bildhauer Johannes Gottwald aus Herrmannsdorf, erinnern an das Glonner Wappen. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dem agilen 86-jährigen sieht man sein Alter nicht an - das Baden gleich morgens in der Früh und abends vor dem Schlafengehen scheint wie ein Jungbrunnen zu wirken. Auch sein Gedächtnis funktioniert ganz prima - er weiß noch genau, wie sich damals die "Stoderer" darüber beschwerten, dass das Bad nicht gefliest und das Wasser so dreckig sei. Diese Denke habe sich mittlerweile gewaltig geändert, stellt seine Tochter fest, Naturwasser ohne Zugabe von Chlor werde immer mehr geschätzt.

Überhaupt habe in den letzten 25 Jahren ein Umdenken eingesetzt - auch beim Essen. Nachdem die gelernte Hotelfachfrau 1994 die Leitung von ihrer Mutter übernommen hatte, entschloss sie sich dazu, statt Leberkäs-Semmeln komplette Gerichte anzubieten - und das ganzjährig. Dabei sollte Qualität und Regionalität im Vordergrund stehen. Auch wollte man den Wirtshauscharakter bewahren. Denn es sollten ja nach wie vor nicht nur auswärtige Wanderer den Weg unter die ausladenden Kastanienbäume des bei jedem Wetter perfekt temperierten Biergartens finden, sondern auch die Ortsansässigen.

Das tun sie, auch wenn sich im Lauf der Zeit einiges verändert hat: Auf der einen Seite gibt es weniger Stammtische, auf der anderen werden mehr "Attraktionen" gewünscht wie Rutsche oder Sprungturm. Die allerdings kann ein solches Familienbad nicht bieten, vor allem nicht angesichts der immer strenger werdenden Auflagen. Dennoch ist der Zulauf da - zumal für Schulklassen aus der Umgebung nicht einmal der moderate Eintritt von normalerweise einem Euro pro Kind erhoben wird (Erwachsene zahlen das Doppelte). Jugendliche sind ebenfalls gern in der Wiesmühle. Manchmal haben sie dann eine Gitarre dabei und machen selbst Musik, ein Klavier steht ohnehin schon da - andere lauschen den immer wieder auftretenden Bands. Auch die örtlichen Vereine und die Gemeinde nutzen die Räume für Veranstaltungen.

Eine vom Wasser geprägte Gegend, in der es sich gesellig leben lässt. Man trifft sich, steht zusammen - sei es beim Nachtflohmarkt oder beim Dorffest, das den Ort drei Tage in einen Ausnahmezustand versetzt. Natürlich kann man die Wiesmühle nicht verlassen, ohne den Wirt nach seinem liebsten Forellen-Rezept zu fragen. Der Koch aus Leidenschaft antwortet ohne zu zögern: "Da gibt es nur eines: Müllerin! Salzen, pfeffern, mehlieren, rausbacken in Butter." Es dürfte also ein weiterer Besuch nötig sein - um herauszufinden, ob die Forelle sich auf dem Teller ebenso blau-gold präsentiert wie das Glonner Wappen.

© SZ vom 02.09.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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