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Glonner Bauprojekt:Alpenblick, ade

Am Ortsrand von Haslach in Glonn sollen neue Häuser gebaut werden, das gefällt nicht allen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Marktgemeinde Glonn genehmigt eine neue Häuserreihe für den Ortsteil Haslach. Bürger und Naturschützer werten dies als Einschnitt in das Landschaftsbild

Schneebedeckte Bergkuppen, blauer Himmel und grüne Wiesen - der Ausblick von der Glonntalstraße auf das gleichnamige Tal kann sich sehen lassen. Ein Teil der Sicht auf die gesamte Alpenkette könnte nun bald von einer neuen Häuserreihe im Glonner Ortsteil Haslach beeinträchtigt werden. Sehr zum Unmut mancher Bürger und Vereine.

Die Entscheidung, die Flächennutzung bei Haslach zugunsten fünf neuer Häuser auf der westlichen, bisher nahezu unbebauten Seite der Glonntalstraße zu ändern, fiel im Glonner Gemeinderat schon im Jahr 2015. Aufgrund verschiedener rechtlicher Anforderungen, Notarverträge und umfangreicher Bodenuntersuchungen wurden damals eingegangene Stellungnahmen zur sechsten Flächennutzungsänderung erst in diesem Jahr verlesen.

Dabei handelt es sich meist um die gleichen vier Gründe, die von Gegnern der Bebauung angeführt werden: die Zerstörung des Landschaftsbilds, mehr Verkehr, die Auslastung der Haslacher Kläranlage und die Befürchtung, sobald man einmal mit der Bebauung beginnen, würden zwangsweise weitere Häuser folgen.

Der Bund Naturschutz etwa schreibt in seinem Brief an die Gemeinde von einer "massiven Gefährdung" für das Landschaftsbild, sollte das Wohnbauland auf einer Länge von 110 Metern freigegeben werden. Auch auf das bayerische Naturschutzrecht wird hingewiesen - dem zufolge gilt es, das Schutzgut "Landschaftsbild beziehungsweise Landschaftserleben" zu erhalten. Ausführliche Gegenargumente und Erklärungen lieferten dem Gemeinderat Manfred Dörr vom Planungsverband Äußere Wirtschaftsraum München und Josef Weigl vom Bauamt Glonn. So ist von Haslach als komplexes Siedlungsgefüge die Rede, welche das Vorhaben der Marktgemeinde, "ortsteilbezogenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen", sehr schwer mache. Mit dem Bau westlich der Glonntalstraße könne man an bereits vorhandene Infrastruktur anschließen. Man erwarte außerdem, so Weigl, dass die geplante und bereits vorhandene Bebauung am Fuße des Hanges künftig als Einheit wahrgenommen würden. "Der Belang des Landschaftsbildes und -erlebens muss in der Abwägung hinter die Entwicklungsziele der Gemeinde zurücktreten", urteilte der Fachmann.

Auch Privatleute äußerten ihre Bedenken - oft ging es dabei um die Verkehrssituation in Haslach. So beklagte etwa ein Bürger, dass das Verkehrsaufkommen schon heute feststellbar hoch sei. Als Beispiele nennt er Zulieferer in Piusheim, den enormen Verkehr durch die Schule, Busverkehr und Individualverkehr in den Landkreis Rosenheim. Die angekündigte Verkehrsverlangsamung sei eine Utopie.

Dörr und Weigl widersprachen dieser Aussage. Als nicht qualifizierte Straße weise die Glonntalstraße keine erhebliche Verkehrsbelastung auf. Es werde durch die neue Häuserreihe sogar eine Verkehrsverlangsamung erwartet: "Durch eine beidseitige Bebauung wird die beginnende Ortsdurchfahrt von Haslach stärker wahrgenommen", hieß es von Weigl.

Auch Bedenken bezüglich der Auslastung der Haslacher Kläranlage wurden von Dörr und Weigl schnell revidiert: Kein Bürger Haslachs muss aufgrund des Neubaus um seine Steuergelder fürchten. "Der Bau einer neuen Kläranlage ist nicht erforderlich", bestätigten sie. Mit dem Anschluss aller Haushalte Haslachs an die Kläranlage Glonn bis zum Juni dieses Jahres sei jegliche Abwasserproblematik gelöst. "Die wasserrechtliche Genehmigung der Bio-Kläranlage in Haslach ist ausgelaufen und konnte unter wirtschaftlichen Aspekten nicht verlängert werden", erklärte Weigl und betonte zusätzlich: "Grundlegend für diese Entwicklung ist nicht die gegenständliche Planung."

Grund zu Sorge, man würde, sobald einmal eine neue Häuserreihe stehe, uneingeschränkt weiter durch das Tal bauen, bestehe nicht. Im Änderungsplan, erklärte Weigl, sei ein Bereich markiert, der einen möglichen Siedlungsabschluss abbilde. "Langfristig", erläuterte Weigl, "wäre der Blick damit theoretisch auf einer Länge von insgesamt 240 Metern von der Glonntalstraße in das Glonntal hinein eingeschränkt."

Obwohl sich die Fraktion der Grünen entschieden gegen den Bau aussprach, stimmte die Mehrheit des Gemeinderats dafür, den Auftrag für die Erstellung eines Bebauungsplans an das Planungsbüro Hans Baumann & Freunde aus Moosach zu übergeben. Das ursprünglich beauftragte Architektenbüro hatte den Planungsauftrag zurückgegeben. Die Anwaltskanzlei Möller aus Rosenheim wird das Projekt begleiten.

© SZ vom 12.05.2020

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