Projekt:Glonn soll Zentrum der Wasserstoffregion "Hy-Bayern" werden

Niedersachsens Umweltminister eröffnet Wasserstofftankstelle

Wie der Betrieb der Tankstelle wirtschaftlich organisiert werden kann, das ist noch eine der offenen Fragen.

(Foto: Ole Spata/dpa)

Die erste Tankstelle für das Projekt Hy-Bayern im Landkreis Ebersberg soll in Glonn entstehen. Womöglich kann sie auch von Personenautos genutzt werden.

Von Wieland Bögel, Ebersberg/Glonn

Die Marktgemeinde Glonn im Süden des Landkreises ist nicht nur reich an Wasser, bald könnte sie auch zum Zentrum der Wasserstoffregion "Hy-Bayern" werden. Für diese haben sich die Landkreise Ebersberg, München und Landshut erfolgreich beworben, im Dezember gab es den Zuschlag. Nun soll eine regionale Wasserstoff-Infrastruktur aufgebaut werden, beginnend mit dem Verkehr.

Da ein Wasserstoffantrieb für große Fahrzeuge mit regelmäßiger Nutzung sinnvoll ist, stehen zunächst Linienbusse im Fokus. Das Busunternehmen Ettenhuber aus Schlacht bei Glonn hat bereits Interesse angemeldet, auf dem dortigen Firmengelände könnte dafür die erste Wasserstofftankstelle des Landkreises gebaut werden.

Im Umweltausschuss des Kreistages stellte Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr nun Eckpunkte und Fahrplan für das Wasserstoffprojekt vor. Am Anfang soll der für die Hydrolyse nötige Strom aus dem Wasserkraftwerk Uppenborn I an der Isar im Landkreis Landshut stammen. Der Wasserstoff würde von dort per Tankwagen in alle Projekt-Landkreise verteilt. Eine Tankstelle soll in der Stadt Landshut selbst entstehen, im Landkreis München werden Standorte in Feldkirchen an der A 94, in Hofolding nahe der A 8 und an der Messe untersucht und in Ebersberg wäre eben der Standort in Schlacht sinnvoll.

Denn, so Gröbmayr, zwar liege Schlacht nicht unbedingt ideal für eine öffentliche Tankstelle, allerdings werde sie zunächst ohnehin nur von Linienbussen genutzt werden. Ursprünglich hätten auch Lastwagen in das Pilotprojekt aufgenommen werden sollen, die Speditionen Reischl in Ebersberg und Hörndl in Forstinning hätten mitmachen wollen - aber die entsprechenden Lastwagen seien nicht verfügbar, jedenfalls nicht innerhalb des Zeitrahmens.

Denn da es sich um ein Vorhaben handelt, das Testcharakter hat, ist eine möglichst schnelle Umsetzung geplant. Die erste Charge Busse, etwa zehn bis 14 Stück, soll noch heuer bestellt und bis Anfang 2022 in Dienst gestellt werden. Weitere zwei bis vier Fahrzeuge sollen Ende 2023 und bis zu 23 weitere bis Ende 2024 den Linien-Betrieb in Ebersberg aufnehmen.

Bezahlt sollen die Fahrzeuge durch die Busunternehmer werden

Bezahlen werde die Fahrzeuge der jeweilige Busunternehmer, so Gröbmayr auf Nachfrage von Bianka Poschenrieder (SPD). Eventuell höhere Betriebskosten werde allerdings der Auftraggeber der entsprechenden Buslinie tragen, also der Landkreis. Woran man aber ohnehin nicht vorbeikomme, ergänzte Henry Rüstow, im Landratsamt zuständig für den Nahverkehr. Denn die EU schreibe einen steigenden Anteil an "alternativen Antrieben" im öffentlichen Nahverkehr vor. "Wir probieren aus, was funktioniert", so Rüstow, vergangenes Jahr war dazu ein reiner Elektrobus im Testeinsatz, der Wasserstoffantrieb verspreche eine bessere Reichweite.

Direkt beteiligen werden sich die Landkreise dagegen an den Kosten für die Elektrolyseanlage. Für diese ist eine Betreibergesellschaft geplant, die drei Landkreise sollen zusammen ein Viertel der Anteile halten, was jeweils 170 000 bis 500 000 Euro kosten soll. Bis zu 60 Prozent der Summe gibt es aber aus dem Fördertopf zurück und der Anteil wird mit rund vier Prozent verzinst. Dasselbe gelte für die Tankstelle, die pro Stück rund 300 000 bis 500 000 Euro Landkreisbeteiligung erfordert. Hier gibt es 50 Prozent Fördergeld und ebenfalls eine Gewinnbeteiligung - sollte es einen Gewinn geben.

Kostendeckend sei die Anlage bei mindestens fünf Bussen pro Tag - die maximale Auslastung einer Tankstelleneinheit liege aber bei zehn, so Gröbmayr, die Planung sei also nicht ganz einfach. Mehr Auslastung könnte man laut Strategiepapier erreichen, indem man die Tankstelle auch für Personenwagen öffne, etwa 400 davon könnten pro Tag betankt werden.

Hierzu gibt es auch bereits Überlegungen, ob der Landkreis seinen Fuhrpark mit H₂-Autos ergänzt, auch für Firmen und Privatleute könnte ein Umstieg interessant sein, wenn es eine entsprechende Tankstelle in der Nähe gäbe. Was für einen Standort in Schlacht nicht unbedingt gelte, schließlich liegt der Ort etwas abseits der großen Verkehrsadern. Zudem sei eine Tankstelle, die Busse wie Autos nutzen können, aufwendiger, da letztere mit 700 Bar Druck betankt werden, erstere mit 350 Bar.

Thomas von Sarnowski (Grüne) regte an, den Pkw-Bereich gleich bleiben zu lassen. Auch solle unbedingt eine Wasserstofftankstelle an der A 94 gebaut werden, damit irgendwann auch entsprechende Lastwagen hier tanken können. Franziska Hilger (CSU) regte an, der Landkreis solle bei den Kommunen einen Aufruf für die Standortsuche starten. Vielleicht könne man ja in einigen Jahren bestehende Tankstellen nutzen, sagte Ilke Ackstaller (Grüne), wenn dort wegen der Zunahme von Elektroautos weniger Andrang sei. "Es ist wichtig, dass es jetzt losgeht", sagte Landrat Robert Niedergesäß (CSU), sollte sich ergeben, dass Schlacht der beste Standort sei, "wird das sicher nicht die letzte Tankstelle sein, die im Landkreis gebaut wird".

Poschenrieder bezweifelte etwas den ökologischen Nutzen, wenn der Wasserstoff mit Strom von einem Wasserkraftwerk produziert werde. Dies sei eigentlich für die Grundlast sinnvoll, Wasserstoffproduktion dagegen für die Speicherung von Überschüssen etwa aus Solaranlagen. Laut Gröbmayr ist dies auch geplant. Soll die Wasserstoffregion ein Erfolg werden, "erfordert das einen massiven Ausbau der Erneuerbaren". Mittelfristig könnten Elektrolyseanlagen auch im Landkreis Ebersberg entstehen, der außerdem einen großen Standortvorteil habe: Aufgrund der Geologie könne der Wasserstoff in großen Mengen unter der Erde gespeichert werden.

Einstimmig beschloss der Ausschuss, dass der Kreis - im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten - Mehrkosten beim Betrieb von Wasserstoffbussen übernimmt; potenzielle Linien und eine Kostenschätzung sollen in einer kommenden Sitzung vorgestellt werden. Gegen vier Stimmen aus den Reihen von SPD und Grünen wurde beschlossen, dass der Kreis bis 2022 die Anschaffung eines H₂-betriebenen Pkw plant - sollte es bis dahin eine gut erreichbare Tankstelle geben.

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