bedeckt München
vgwortpixel

Neue Einrichtung:Rettungsdienst in Glonn: Schnelle Hilfe in der Not

Glonn MKT Rettungsdienst

"Seid ihr die Neuen?" So werden die Mitarbeiter des Rettungsstützpunkts in Glonn bisweilen begrüßt. Seit einigen Wochen sind sie hier im Einsatz und tragen dazu bei, dass die Hilfsfristen deutlich verkürzt werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In Glonn gibt es seit Kurzem einen Rettungsstützpunkt. Dieser wird nicht vom Roten Kreuz betrieben, sondern von einer privaten Firma.

"Ihr wart aber schnell hier, seid ihr die Neuen?", fragt die junge Frau überrascht. Ihre Schwiegermutter ist gestürzt und braucht Hilfe. Vor ihr stehen Notfallsanitäter Martin und Rettungssanitäter Florian vom Rettungsdienstbetreiber Münchner Krankentransport (MKT). Mit den "Neuen" meint die Frau den neuen Rettungsstützpunkt in Glonn. Innerhalb von zwölf Minuten sollen Rettungsdienste eigentlich am Unfallort sein, so verlangt es das Gesetz. Nachdem diese Hilfsfrist im Landkreis häufig nicht eingehalten werden konnte, bekam Glonn einen eigenen Rettungsstützpunkt, der nun interimsweise vom MKT besetzt wird. 14 Stunden, von 8 bis 22 Uhr, sind Martin, 46, Florian, 38, und ihre Kollegen, die ihre vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen, nun montags bis sonntags vor Ort.

Nach der Vergabe des Stützpunktes im Oktober sollte es schnell gehen, und so wurde gegenüber vom Hallenbad in Glonn ein Container aufgestellt. "Der ist klein, aber sehr funktionell", sagt Martin. Darin stehen neben einem großen Tisch ein PC, ein Drucker, Schränke mit Dienstkleidung. Eine kleine Küche ist auch eingebaut. Hier füllen sie das Material des Rettungswagens nach, laden die Geräte mit Strom auf und dokumentieren ihre Einsätze. In der Nähe des Marktplatzes warten sie dann, bis sie zu einem Notfall gerufen werden. Die Zeit, bis der Rettungsdienst vor Ort ist, reduziert sich durch den zusätzlichen Rettungsstützpunkt stark. Nur vier Minuten beispielsweise haben sie gebraucht, um der gestürzten Frau zu Hilfe zu kommen.

Kleine Scherze muntern die verunsicherten Patienten auf

Die Rentnerin sitzt in ihrem Sessel im Wohnzimmer und klagt über Schmerzen in der Schulter und im Rücken. Sanitäter Martin beruhigt sie und macht kleine Scherze, um sie aufzumuntern. "Es ist wichtig, dass wir mit Ruhe auftreten und das Gefühl vermitteln, alles im Griff zu haben", erklärt Florian. "Das ist die halbe Miete." Und tatsächlich wirkt die alte Dame schon etwas entspannter.

Glonn MKT Rettungsdienst

Das Büro ist in einem Container in der Nähe des Marktes untergebracht. Sogar eine kleine Küche ist dort eingebaut.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Auf einem speziellen Tragestuhl bringen sie die Frau die enge Treppe herunter. Unten angekommen, darf sie sich auf eine Trage legen. "Fantastisch, sogar neue Tragen habt ihr!", sagt die Schwiegertochter. "Ab jetzt sind Sie in Glonn bestens versorgt", entgegnet Martin, alle lachen. Die Patientin wird jetzt ins Ebersberger Krankenhaus gefahren, um dort weiterversorgt zu werden.

Jeder Rettungswagen in Bayern ist gleich ausgestattet: Es ist der gleiche Fahrzeugtyp und enthält die gleiche Beladung, egal von welchem Rettungsdienst er gefahren wird. "Den Patienten ist es ohnehin egal, welches Logo auf unseren Jacken oder auf dem Rettungswagen ist", sagt Martin. "Wir sind da, um zu helfen." Mit der Reaktion von Landrat Robert Niedergesäß (CSU) auf die Vergabe des Standorts waren sie allerdings nicht glücklich. Dieser findet es laut einer Pressemitteilung "sehr schade", dass nicht das Bayerische Rote Kreuz (BRK) den Zuschlag im Rahmen der Interimsvergabe für den neuen Rettungsstützpunkt in Glonn erhalten habe. "Diese Aussage hat uns überrascht", so Wachleiter Oliver Hess. Der Landrat sei eigentlich zu Neutralität verpflichtet.

Die Sanitäter werden für ihren Hilfsdienst mit Süßigkeiten beschenkt

Schon seit einigen Jahren versorgt die Firma MKT den Standort in Anzing. Seit fünf Jahren sind sie neben dem BRK die einzige Notfallrettung im Landkreis. In Glonn sind die Leute froh, dass sie jetzt einen Rettungsdienst vor Ort haben, der schnell Hilfe leisten kann. "Die Bevölkerung akzeptiert uns", darin sind sich Martin und Florian einig. Im Schokoladenladen sind sie sogar mit Süßigkeiten beschenkt worden. Auch Nachbarn haben schon Getränke oder andere Kleinigkeiten vorbeigebracht.

Die beiden kennen sich seit zehn Jahren. Man merkt, dass sie schon häufig zusammen gearbeitet haben. Kommunikation ist in ihrem Beruf besonders wichtig. Für Florian ein Grund, warum er seine Arbeit so mag: "Ich arbeite total gern im Team, aber übernehme auch gern Verantwortung." Er arbeitet zudem im Katastrophenschutz, macht dort Büroarbeit wie etwa die Einsatzplanung. "Das hier ist für mich eine unglaublich willkommene Abwechslung", sagt er. "Es ist wichtig, an der Basis zu bleiben und auch Praxiserfahrung zu haben."

Notfallsanitäter Martin arbeitet zusätzlich in der Fahrdienstleitung. Dort ist er Ansprechpartner für alle Rettungswachen in der Region. Früher war er auch Ausbilder - das merkt man etwa, wenn er die Ausrüstung erklärt oder über Hilfsmaßnahmen spricht. "Ein schöner Beruf, ich erlebe keine Situation zweimal", sagt er. Im Schnitt fahren die beiden vier Einsätze pro Tag.

Der nächste und letzte Auftrag für einen Einsatz dieser Schicht kommt um 13.40 Uhr rein: ein Krankentransport. Vom Altenheim in Glonn bringen sie einen Mann in die Klinik, wo er einen neuen Katheter bekommen wird. Bei diesem Einsatz fährt Wachleiter Oliver Hess mit. Während der Fahrt sitzt er neben dem Patienten und erklärt ihm mit ruhiger Stimme jeden Schritt: "Es ist wichtig zu sagen, was gerade passiert. Keiner möchte unvorbereitet so etwas erleben."

Ob Martin und Florian auch im nächsten Jahr in Glonn mit dem Rettungswagen unterwegs sein werden, ist nicht sicher, denn der Container ist nur eine Übergangslösung. In der zweiten Jahreshälfte 2020 soll die reguläre Ausschreibung für den Rettungsstützpunkt stattfinden. Dann erst ist klar, wer diesen auf Dauer übernimmt. "Wir wären sehr interessiert und dankbar, vor Ort bleiben und die notfallmedizinische Versorgung weiterhin leisten zu können", so Wachleiter Hess. In jedem Fall wird der Container verschwinden und eine richtige Rettungswache eingerichtet werden.

Glonn Rotes Kreuz Glonn verpasst Zuschlag

Interimslösung

Rotes Kreuz Glonn verpasst Zuschlag

Der neue Rettungsstützpunkt in Glonn wird zunächst von einen Mitbewerber aus München besetzt. Die Glonner halten davon eher wenig.   Von Franziska Bohn