Kultursommer in Glonn:Zwischen Zaun und Desinfektionsspender

Das Beispiel der Glonner Schrottgalerie zeigt, wie viel Aufwand selbst hinter Open-Air-Konzerten steckt.

Von Anja Blum, Glonn

Was für ein Grund zur Freude: Einer Hand voll Veranstaltern ist es gemeinsam gelungen, einen "Kultursommer im Landkreis Ebersberg" auf die Beine zu stellen. Mit einer mobilen Bühne und beachtlichen Fördergeldern ausgestattet sind sie nun in der Lage, den Herausforderungen der Pandemie zu trotzen. Am Wochenende nun macht der Anhänger erstmals in Glonn Station, wo er von der Schrottgalerie bespielt wird. Die gerade erst mit dem Tassilo der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnete Mannschaft veranstaltet zwei Open-Air-Konzerte mit Bluegrass und Chicago-Blues vom Allerfeinsten.

Also: hinfahren, aufbauen, losspielen? Was so einfach klingt, ist in Wahrheit verbunden mit immensem Aufwand, der gerade ein komplett ehrenamtlich agierendes Team wie das der Schrottgalerie durchaus an den Rand seiner Möglichkeiten bringt. Mehr als zwei Abende anzubieten, sei logistisch nicht möglich gewesen, sagt dann auch Hanno Größl, Kopf und Sprecher der kleinen Glonner Musikbühne. Aber jammern möchte er auf keinen Fall: "Viel lieber so, als gar nicht", sagt er - "es war viel zu lange gar nichts möglich!" Gerade die Schrottgalerie mit ihrem Konzept von absoluter Tuchfühlung nämlich war und ist von den Corona-Auflagen schwer beeinträchtigt: Viel mehr als 30 Menschen können dort unter pandemischen Bedingungen nicht zusammenkommen.

Nun, unter freiem Himmel, sind die Vorzeichen freilich gänzlich andere. Die mobile Bühne wird direkt am Glonner Marktplatz aufgebaut, dort ist auch mit Abstand Platz für etwa 130 Gäste. Und die sind laut Größl auch schon angemeldet, für beide Abende. "Die Leute haben Lust, das merkt man deutlich." Das heißt, dass sich die viele Arbeit des Teams im Rückblick höchstwahrscheinlich gelohnt haben wird - zumindest, wenn das Wetter ebenfalls mitspielt. Denn die beiden Bands - Johnny & The Yooahoos und die Jakarta Blues Band - werden auch bei Regen auftreten, verspricht Größl, "andernfalls gibt es nämlich aus dem Fördertopf keine Gage". Ansonsten ist der Eintritt frei, wie immer bei der Schrottgalerie, Spenden für die Künstler werden aber gerne angenommen.

Doch nicht nur die Frage der Gage ist von der Politik längst geklärt - überhaupt sind die Vorgaben für ein solches Konzert nicht gerade sparsam, das verrät ein Blick ins Hygienekonzept, das die Schrottgaleristen für dieses Wochenende erarbeitet haben. "Erst einmal ging es darum, einen Aufbau zu entwickeln und maßstabsgetreu in einen Ortsplan einzuzeichnen", erzählt Größl, eigentlich Steinbildhauer. Wo kann man was am besten platzieren? Die Bühne, das Publikum, den Ausschank, den Toilettenwagen? Zumal die Vorgabe war, möglichst wenig Straße zu sperren, der Verkehr durch und in Glonn soll durch die Konzerte nicht behindert werden. Und wie lässt sich so ein Areal abgrenzen? Das gesamte Gelände muss mit einem Zaun abgesperrt werden, um die Zahl der Zuschauer kontrollieren zu können. Trotzdem verspricht Größl viel Ambiente und schöne Blickachsen. Klar, Maibaum, reichlich Grün und historische Architektur fügen sich hier am Glonner Marktplatz wunderbar zusammen. Die Zäune sollen außerdem mit einem freundlicher wirkenden Sichtschutz abgehängt werden.

Ansonsten gilt das mittlerweile leider Übliche: Jeder Gast muss sich mit seinen persönlichen Daten registrieren lassen - für den Fall, dass ein Infektionsgeschehen nachverfolgt werden muss. Es gilt Maskenpflicht, außer am Platz. Die Bestuhlung muss die üblichen eineinhalb Meter Luft zwischen den einzelnen Gruppen berücksichtigen. "Dadurch ist das Verhältnis von Platz und Leuten auch hier natürlich unfassbar", sagt Größl. Auf Tische wird daher verzichtet, Klappstühle von einer Brauerei sollen eine optimale, weil individuelle Auslastung des Areals ermöglichen. Verhungern wird trotzdem niemand müssen: Steinbergers Marktblick bietet speziell für die Konzertbesucher Flammkuchen aus dem mobilen Ofen an.

Am Eingang und am Toilettenwagen hat eine Bodenmarkierung die nötigen Abstände anzuzeigen. Um den "Gästefluss" zu entzerren, gibt es am Getränkeausschank eine Einbahnregelung und zum Verlassen des Geländes drei Ausgänge. Außerdem sind freilich viel mehr "Betreuer" notwendig als sonst, zur Registrierung am Eingang etwa, zur Platzanweisung, zum Desinfizieren. "Wir werden an beiden Abenden jeweils bestimmt knapp zehn Leute sein", sagt Größl. Und wenn die Gitarren verklungen sind, ist die Arbeit noch längst nicht getan: Dann muss das Gelände gereinigt und die mobile Bühne über Nacht bewacht werden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB