Glonn "Keine fünf Zentimeter weit gesehen"

Zu dem Brand im Hotel Schwaiger in Glonn rückten 150 Einsatzkräfte an.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Bei einem Großbrand in einem Glonner Hotel rücken innerhalb weniger Minuten 150 Einsatzkräfte aus der Region an. Hotelgäste und Feuerwehrmänner werden ins Krankenhaus gebracht - mittlerweile hat die Polizei auch den Sachschaden beziffert.

Von Korbinian Eisenberger, Glonn

Es war 10.08 Uhr, als Franz Schuhbauers Handy klingelte: Wenige Minuten später waren Schuhbauer und sein Arbeitskollege Florian Bernhard die ersten, die sich mit Atemschutzmasken durch den Rauch im Nebengebäude des Glonner Wellnesshotels Schwaiger kämpften.

"Man hat keine fünf Zentimeter weit gesehen", sagt Bernhard, 21, Ruß im Gesicht. "Alles war schwarz", sagt Schuhbauer, 22. Treppe runter, Treppe rauf, 15 Minuten lang stapften beide durch die vier Etagen und den Saunabereich - dort, wo der Brand herkam. "Wir mussten ja rein und schauen", sagt Schuhbauer, "schauen, ob noch wer drin ist."

In Glonn ist es das wahrscheinlich größte Unglück seit der Hochwasserkatastrophe vor 14 Jahren. Bei einem Großbrand in dem Hotel in der Ortsmitte wurden am Montagvormittag neun Menschen in umliegende Krankenhäuser geflogen, acht von ihnen mussten wegen Rauchvergiftung untersucht werden. Auch drei Feuerwehrmänner waren darunter, einer von ihnen wurde von einem herabstürzenden Deckenteil getroffen und befindet sich laut Polizei zur weiteren Behandlung im Krankenhaus. Am Brandort zählte Einsatzleiterin Martha Stark fünf bis zehn weitere Verletzte, die allerdings nicht ins Krankenhaus mussten. Insgesamt wurden 30 Gäste und Hotelmitarbeiter gerettet, einige von ihnen mussten über Leitern aus ihren Hotelzimmern geholt werden.

Eine Kolonne von Rettungswagen, am Montag in Glonn.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Normalerweise wird im Gasthof Schwaiger gegen 12 Uhr das Mittagessen serviert, jetzt ist das Hotel evakuiert, noch immer liegt Brandgeruch in der Luft. Für ein paar Stunden erinnert Glonn an diesem Montag an ein Hochwasser-Katastrophengebiet: Der Ortskern ist abgeriegelt, eine Kolonne aus dutzenden Löschfahrzeugen und Rettungswagen versperrt eine Spur auf der Dorfstraße.

Vor dem dampfenden Hotel steht ein Mann in Pyjama-Hose, eingewickelt in eine Decke. Er könne noch immer nicht fassen, was da in den letzten Minuten gerade passiert sei, sagt er. Ein paar Meter weiter lässt sich ein Feuerwehrler am Hals untersuchen, er habe Atembeschwerden, sagt er, während ein Hotelgast auf einer Trage vom Notarzt versorgt wird. Er liegt nicht, sondern sitzt, der Mann ist ansprechbar, wahrscheinlich wird wieder alles gut.

In Glonn werden sie ihrem Schutzengel danken, dass nicht mehr passiert ist. Die meisten sind mit dem Schrecken davongekommen, und auch bei Bürgermeister Josef Oswald (CSU) überwiegt in den Stunden danach die Erleichterung darüber, dass es wohl zu keinen ernsthafteren Verletzungen kam. "An ein Unglück in der Größenordnung kann ich mich in Glonn nicht erinnern", sagt Oswald. Umso erfreulicher sei es, dass innerhalb kürzester Zeit ein Großaufgebot an Einsatzkräften an Ort und Stelle gewesen sei.

Wegen der Bauma-Messe, die gerade in München begonnen hat, war das Hotel mit seinen 80 Zimmern ausgebucht, auch deshalb, so die Einsatzleitung, habe man möglichst viele Kräfte mobilisiert. Die Bilanz vom Montag: zehn Rettungswagen, fünf Notärzte, ein Hubschrauber, 40 Rettungskräfte und mehr als hundert Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren, darunter Moosach, Helfendorf, Hohenthann, Siegertsbrunn, Baiern, Egmating, Grafing und Oberpframmern.

Szenen eines Brands: aus dem Untergeschoss des Glonner Hotels quillt der Rauch.

(Foto: Christian Endt)

Wie es überhaupt zu dem Brand kommen konnte, ist bislang unklar. Auch am Nachmittag lässt sich das Nebengebäude des Schwaiger-Hotels nur mit Atemschutzmaske betreten, was polizeiliche Ermittlungen unmöglich macht. Innen sind die Wände und Decken verkohlt, die Vorhänge auch in den oberen Stockwerken rußig grau. Der Wellnessbereich ist laut Polizei "völlig ausgebrannt". Sicher sei, dass das Feuer im Saunabereich ausgebrochen ist. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf etwa eine Million Euro.

"Wärmeliegen", "Solarium", "Infrarot-Sauna", steht noch immer auf der vom Feuer geschwärzten Außenwand. "Davon ist jetzt nichts mehr da", sagt Franz Schwaiger, der Hoteleigentümer. Viel mehr will er nicht sagen, wer will das schon, wenn einem so etwas passiert. Schwaiger steht jetzt mit Schuhbauer und Bernhard vor dem Hauptgebäude, das vom Feuer verschont geblieben ist. Gefunden haben die Feuerwehrmänner im Qualm niemanden mehr. "Zum Glück", sagt Schuhbauer. Es wäre wohl zu spät gewesen.