Jugendpflege GlonnPlatz da, jetzt sind wir dran!

Lesezeit: 4 Min.

Was wünscht sich der Nachwuchs? Was ist schon geplant? Eine „Jugendversammlung“ in Glonn wird zum vollen Erfolg.
Was wünscht sich der Nachwuchs? Was ist schon geplant? Eine „Jugendversammlung“ in Glonn wird zum vollen Erfolg. Peter Hinz-Rosin

In Glonn wird ein Freizeitgelände für den Nachwuchs geschaffen. Über dessen Gestaltung dürfen die Kinder und Jugendlichen selbst mitentscheiden. Besuch bei einer besonderen Versammlung.

Von Nora Schulte, Glonn

Das Restaurant Schwaiger in Glonn bricht an diesem Abend aus allen Nähten. Etwa 80 Buben und Mädchen sitzen an und zwischen den Tischen oder haben irgendwo bei ihren Freunden noch einen Stuhl dazu gequetscht. Es herrscht ein lebendiges Wirrwarr aus Gerede und Lachen, bis Eva Jungnickl, die Jugendpflegerin der Gemeinde, alle herzlich zur „Jugendversammlung“ begrüßt. „Ihr seid der Hammer!“, ruft sie. „Heute sind wir alle für euch da.“

Für euch – da sind die Glonner Jugendlichen, die nun unter dem Motto „Platz für Dich. Deine Fragen. Deine Ideen“ alle zu eben dieser Jugendversammlung eingeladen worden waren. An diesem Abend sollen sie sich untereinander und mit Vertretern der Gemeinde austauschen, Ideen entwickeln und Projekte anstoßen.

Das Bauprojekt ist Folge einer Umfrage mit eindeutigem Ergebnis

Im Jahr 2023 hatte die Gemeinde eine Umfrage unter allen zehn- bis 21-jährigen Glonnerinnen und Glonnern gestartet – und die Beteiligung war mit 45 Prozent außergewöhnlich hoch. Die Kinder und Jugendlichen machten Angaben zu ihrem Freizeitverhalten und äußerten insbesondere einen Wunsch deutlich: Die Glonner Jugend benötige mehr Platz.

Auch Bürgermeister Josef Oswald gibt bei der Versammlung zu, dass das Freizeitangebot für Jugendliche in Glonn sehr überschaubar sei. „Klar, es gibt Spielplätze und Kindergärten für die Jüngeren“, sagt er, „und organisierte Jugendarbeit wie Sportvereine.“ Doch an freiem Raum für den Nachwuchs mangele es deutlich.

Nun die gute Nachricht: Als Reaktion auf die Umfrageergebnisse plant die Gemeinde eine Freizeitanlage. Die Bauarbeiten sollen kommendes Jahr starten. Es handelt sich dabei um eine 5000 Quadratmeter große Fläche, die nur wenige hundert Meter südöstlich von Glonns Zentrum liegt. Der Bauplan zeigt einen Bikepark, einen Beachvolleyballplatz sowie einen Pavillon mit Bänken. Auch eine Skateanlage und ein Minifußballfeld sind angedacht. Kreative können eine „Open Wall“ für Graffitis nutzen.

Kicken, sitzen, rollen: Glonns Bürgermeister Josef Oswald stellt die geplante Freizeitfläche für den Nachwuchs vor.
Kicken, sitzen, rollen: Glonns Bürgermeister Josef Oswald stellt die geplante Freizeitfläche für den Nachwuchs vor. Peter Hinz-Rosin

Wie all diese Ideen jedoch konkret aussehen sollen, dürfen die Jugendlichen nun selbst entscheiden. An diesem Abend sind es vor allem die unter 15-Jährigen, weil sie den Großteil der Besucher ausmachen. Die Gruppe der 15- bis 18-Jährigen konnte mit dem Angebot der Versammlung nicht wie erhofft erreicht werden, räumt Oswald ein.

Bei der Planung erhalten die Kinder an diesem Abend unter anderem Unterstützung vom Jugendzentrum Glonn, dem Rollsportverein Ebersberg und der tatkräftigen Jugendpflegerin. Nach einer Stärkung mit kostenlosem Abendessen und Getränken für alle teilen sie sich in Arbeitskreise (AK) ein und beginnen jeweils unter der Leitung Erwachsener mit der Projektplanung.

Im AK Aktionen zum Beispiel schreiben die Kinder Vorschläge für Veranstaltungen auf. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Übernachtungsfeier, einer Neonparty oder einem Kostümwettbewerb an Fasching? Jungnickl hält all diese Ideen auf einer Leinwand fest.

Dürfen Freunde aus anderen Gemeinden mit aufs Fußballfeld? Natürlich, sagt der Bürgermeister

Ein paar Tische weiter beugt sich eine Gruppe Jungs über den Plan für den Bikepark. Unter ihnen sind Joschi und Bonifaz, elf und zehn Jahre alt und mit großen Käppis über den strahlenden Gesichtern. Wenn möglich, führen sie den ganzen Tag Fahrrad, erzählen sie. Natürlich wird das aber auf den immer gleichen Strecken im Wald irgendwann langweilig. Ein Bikepark in der Gemeinde, auf dem sie ihre Sprünge üben und mit Bike und Scooter über den Asphalt jagen dürfen? Das können die beiden kaum erwarten.

Bei einer Fragerunde mit Bürgermeister Josef Oswald können die Kinder außerdem all ihre Anliegen loswerden. Bekommt das Fußballfeld einen natürlichen Rasen, werden Bälle gestellt und dürfen Freunde aus anderen Gemeinden mitspielen? Die Antwort lautet jeweils ja. Ein Junge aus den vorderen Reihen hat noch etwas zu verkünden. Sein Bruder biete an, mit allen ein Spiel zu spielen, wenn der Platz erstmal stehe. „Jeder, der mag, kann kommen!“, ruft er in das Mikrofon. Oswald und Jungnickl lächeln. „Von solchen Angeboten lebt das Projekt“, sagt der Bürgermeister lobend.

Eva Jungnickl wohnt mit ihrer fünfköpfigen Familie selbst im Ort. Sie arbeitet seit Mitte 2023 für die Gemeinde und ist deren erste Jugendpflegerin. Über das Stellenangebot sei sie eher zufällig gestolpert: Ihr Mann, erzählt sie lächelnd, habe ihr einen Tag vor Ende der Bewerbungsfrist die Anzeige gezeigt und gemeint „Das bist du!“

Die Jugendpflegerin in Glonn, Eva Jungnickl, scheint den Nerv ihrer Klientel voll zu treffen.
Die Jugendpflegerin in Glonn, Eva Jungnickl, scheint den Nerv ihrer Klientel voll zu treffen. Christian Endt

Wer sich einmal auf dieser Jugendversammlung umsieht, kann dem nur zustimmen: Die Pädagogin scheint im Ort bestens vernetzt und hochgeschätzt zu sein. Die Kinder nicken heftig auf die Frage, ob sie sich von der Jugendpflege ernst genommen fühlen, und so gut wie jeder scheint den Offenen Treff im Bauwagen zu besuchen, zu dem Jungnickl neuerdings einlädt.

„Erst vor drei Wochen ist das Projekt gestartet“, berichtet sie, „und die Kinder rennen mir die Bude ein.“ 30 bis 50 Kinder und Jugendliche kämen jeden Dienstag zu dem Treffen. „Wir spielen zusammen oder hängen einfach ab“, erklärt die zehnjährige Adriana das Konzept. Schon bald soll der Bauwagen auch donnerstags seine Tür öffnen. Im „Glonner Action-Komitee“ möchte Jungnickl die Arbeit der an diesem Abend entstandenen Arbeitskreise gemeinsam weiterführen.

„Echte Beteiligung junger Menschen“, das ist in ihren Augen essenziell. Die jungen Glonner sollen sich als wichtiger Teil der Gemeinde sehen, sich in ihrer Heimat wohlfühlen und mit ihren Wünschen und Ideen gehört werden. Mit Unterstützung des Kreisjugendrings Ebersberg und der Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung des Bayerischen Jugendrings setzt sich die Jugendpflege Glonn genau dafür ein.

Die Jugendpflegerin arbeitet daran, dass Glonn zukünftig als „Best-Practice-Beispiel“ dient

Eine Versammlung wie diese, erklärt Jungnickl, sei eine der wichtigsten Plattformen, um die Interessen der Jugendlichen in Glonn sichtbar zu machen und ihre Mitbestimmung zu stärken. „Deswegen findet die Veranstaltung auch im Restaurant und nicht einfach in der Schulaula statt“, so die Jugendpflegerin. „So wie unsere Bürgerversammlung vor Kurzem auch.“ Im Rahmen eines Beteiligungs- und Inklusionsprojektes im ländlichen Raum arbeitet Jungnickl daran, dass Glonn zukünftig als „Best-Practice-Beispiel“ dient.

Den jungen Bürgerinnen und Bürgern scheint die Versammlung jedenfalls in guter Erinnerung zu bleiben: Die Aufkleber auf der Feedback-Skala am Ausgang des Restaurants kleben alle bei dem Begriff „positiv“. Und überall ist Begeisterung zu spüren. „Wir wussten gar nicht, dass so viel geplant ist“, sagt die 14-jährige Malena und strahlt.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Bilder einer Schwimmbad-Verwandlung, Teil 3
:Wie ein Freibad in die Badesaison startet

Schrubben, Wasser einpegeln, Technik warten, Spielgeräte schleifen, Rettungstraining und noch einiges mehr: Was genau zu tun ist, damit im Mai in 501 bayerischen Freibädern der Spaß beginnt.

SZ PlusVon Johanna Feckl und Peter Hinz-Rosin

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: