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Glonn:Entschleunigung

Ein Arbeitskreis soll prüfen, wie die Sicherheit auf den Glonner Straßen verbessert werden könnte.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Neuer Verein fordert mehr Sicherheit auf Glonner Straßen

Von Anja Blum, Glonn

Eine 76-jährige Frau ist in Glonn von einem Auto erfasst worden. Laut Polizei wollte sie am Montagvormittag den Zebrastreifen in der Zinneberger Straße überqueren, wurde dabei aber von einer 34-jährigen Fahrerin übersehen. Ein Rettungswagen brachte die leicht verletzte Fußgängerin ins Krankenhaus.

Unfälle wie dieser sind Wasser auf die Mühlen der neue Interessengemeinschaft zur Reduzierung der Verkehrsbelastung in Glonn, kurz IG RVG, die am Dienstagabend ihren ersten Auftritt im Gemeinderat hatte - auch wenn keiner ihrer Vertreter in der Sitzung zu Wort kam. Das war gar nicht nötig, denn der Verein hatte erstmals einen Antrag gestellt: Die Gemeinde möge fünf weitere Verkehrs-Displays, sogenannte elektronische Zeigefinger, anschaffen und an den Glonner Einfallstraßen zum Einsatz bringen, so lautete der Wunsch der Interessengemeinschaft. Die Geräte nämlich, die das Tempo der Autos prompt mit bunten Smileys quittieren, zeigten Wirkung: In Kastenseeon etwa habe sich das Fahrverhalten dank Display deutlich verbessert. Außerdem lieferten die modernen Anlagen verlässliche Daten, die künftig als Entscheidungshilfen bei der Verkehrsplanung dienen könnten, so die Begründung.

Am Dienstagabend nun verfolgte eine Handvoll RVG-Mitglieder gespannt die Reaktionen im Gremium - und zeigte sich anschließend begeistert. Auch wenn die Gemeinde zunächst nur drei anstatt fünf Displays kaufen wird. Was für die Initiatoren des Vereins, der mittlerweile bereits etwa 200 Mitglieder hat, zählt, ist nämlich etwas anderes: "Wir wollen ein Partner der Gemeinde sein, und wie es scheint, stößt dieses Ansinnen auf Zustimmung", freute sich der zweite Vorsitzende Anton Altinger nach der Sitzung.

Etwa 20 Minuten hatten sich die Gemeinderäte trotz langer Tagesordnung Zeit genommen, um über die Verkehrssituation in Glonn zu sprechen. Dabei meldeten sich alle Fraktionen zu Wort - mit einem gemeinsamen Tenor: Der Verkehr sei eines der wichtigsten Themen im Ort, es bestehe dringender Handlungsbedarf. "Wir sollten in diesem Punkt nicht immer nur reagieren, sondern endlich agieren", sagte etwa Georg Empl (CSU), der sich in der Debatte besonders engagierte. "Jetzt soll das Rathaus behindertengerecht ausgebaut werden - aber wie kommen Menschen mit Handicap oder Senioren überhaupt dorthin, ohne ihr Leben zu gefährden?", fragte er provokant in die Runde.

Neben einem zunehmenden Verkehrsaufkommen ist in den Augen der RVG die überhöhte Geschwindigkeit vieler Auto- und Lkw-Fahrer eines der größten Probleme. Geschuldet ist dieses freilich auch der Topografie der Marktgemeinde, die in einem Tal liegt: Wer nach Glonn fährt, fährt bergab. Wer sich an die Tempolimits halten will, muss deutlich auf die Bremse steigen. Dass das nötig ist, soll den Fahrern nun vermehrt per elektronischem Fingerzeig bewusst gemacht werden. Zwei dieser Geräte älterer Bauart befinden sich bereits im Besitz der Gemeinde, ein modernes ist seit einiger Zeit fest in Kastenseeon installiert. Es wurde zu größten Teil von den Anwohnern finanziert. "Da haben wir nur einen kleinen Zuschuss gegeben", sagte Bürgermeister Josef Oswald (CSU). Außerdem berichtete er, dass die Schlachter es den Nachbarn nun gleich tun und ebenfalls zwei Displays kaufen wollten.

Letztlich verständigte sich der Gemeinderat also auf drei weitere Smiley-Displays zu je etwa 3000 Euro. Darüber hinaus zeigten sich die Kommunalpolitiker aber auch einig darin, dass diese Anschaffung "nur ein erster Schritt" sein könne. Daher will man nun ein Verkehrskonzept für den Ort in Angriff nehmen: Es soll ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Fraktionen gebildet werden, an dem sich auch die RVG beteiligen soll. "Das tun wir natürlich gerne", sagte Altinger später und strahlte übers ganze Gesicht.

© SZ vom 04.06.2016
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