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Gesundheitsvorsorge:Lebenswert

Im Landkreis Ebersberg haben die Menschen ein deutlich geringeres Risiko, an Schlaganfall oder Herz-Kreislaufleiden zu sterben, als anderswo. Zu verdanken ist das dem Präventionsprojekt "Invade", das die Vorbeugung nun ausbaut

Dass es nicht die schlechteste Idee ist, im Landkreis Ebersberg zu leben, liegt auch am medizinischen Präventionsprojekt "Invade". Das Projekt ist der Grund, warum die Menschen im Landkreis ein deutlich geringeres Risiko haben, an Schlaganfall oder Herz-Kreislaufleiden zu sterben als anderswo. Das hat eine Langzeituntersuchung ergeben, die die Mortalität der Landkreisbewohner mit denen aus dem Landkreis Dachau seit dem Jahr 2000 vergleicht. Bis 2003 lag der Vorteil der Ebersberger bei fünf Prozent. Seit der Gründung von Invade ist das Sterberisiko der Ebersberger durch Schlaganfall oder Herz-Kreislaufleiden um 9,5 Prozent geringer als das der Dachauer. Die beteiligten Ärzte wollen diese Quote im Kreis Ebersberg nun weiter verbessern. Dafür wird von diesem Sommer an ein Bewegungsprogramm aufgenommen, das von der Landesarbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation (Herz-LAG) entwickelt wurde.

Invade steht für "Interventionsprojekt zerebrovaskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg". Es richtet sich an Landkreisbürger, die älter als 50 sind, und wird von der Krankenkasse AOK finanziert. Im Fokus von Invade steht die Vermeidung von Schlaganfällen, Herz-Kreislauferkrankungen und Demenz. Dazu werden in den teilnehmenden Hausarztpraxen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen oder Übergewicht konsequent therapiert. Darüber hinaus erhalten Patienten, die sich in das Projekt eingeschrieben haben, zusätzliche Untersuchungen wie etwa ein Ultraschall der Halsschlagadern, umfangreichere Laboruntersuchungen und bei Bluthochdruck die persönliche Betreuung durch eigens geschulte Präventionsassistentinnen.

Weil auch ein ausreichendes Maß an körperlicher Bewegung wichtig für lange Gesundheit ist, erweitert Invade nun sein Angebot. Petra Pfaffel, Ärztin und Geschäftsführerin der Herz-LAG, stellte das Präventionsprojekt "Walk 5" dem Invade-Vorstand und einer Reihe von Medizinern in der Kreisklinik vor. "Walk 5" hat sich eine einfache Formel zum Ziel gesetzt: Innerhalb von fünf Wochen sollen die Teilnehmer es schaffen, fünf Kilometer am Stück zu walken. Das Programm gibt es seit 2017, "vornehmlich wird es in der Rehabilitation angewendet", sagte Pfaffel. "Walk 5" soll Risikopatienten das Thema Bewegung erschließen und vor allem Lust darauf machen, sich körperlich zu betätigen.

"Man braucht nicht mehr als gute Schuhe und Funktionskleidung", warb Pfaffel für die Umsetzung. Bestenfalls sind es die Assistentinnen in den Praxen, die die Patienten zum Walken anleiten. "Wir können sie dazu an zwei halben oder einem ganzen Tag gut fortbilden", versprach die Herz-LAG-Geschäftsführerin. Die Bezuschussung des Sportangebotes mache die Teilnahme attraktiv. Vorsichtig müssten die Mediziner bei ihrer Wortwahl sein, wenn sie ihren Patienten das Bewegungsprogramm ans Herz legten. "Begriffe wie Ausdauer oder Training sind für manche in unserer Zielgruppe ein rotes Tuch." Wer jedoch auf Weisung des Arztes handele und die Bewegung quasi auf Rezept erhalte, sei leichter zu motivieren. "Es wäre schön, wenn das nun in den Praxen umgesetzt wird", wünscht sich Othmar Gotzler, Facharzt für Innere Medizin mit Praxis in Grafing und Mitglied des Invade-Vorstandes.

Das Invade-Projekt wird von Beginn an von Wissenschaftlern der TU München begleitet. Davon profitieren auch die teilnehmenden Ärzte durch ständige Fortbildungen oder Vortragsveranstaltungen zu neuen medizinischen Erkenntnissen. Invade-Ärzte werden sich nach der jüngsten Veranstaltung wohl auch intensiver der Schlafqualität ihrer Patienten widmen.

So erläuterte Professor Hans Förstl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der TU, dass Menschen, die tief und gut schlafen, seltener an Demenz erkranken, weil die dafür typischen Plaques - also Ablagerungen im Gehirn - nicht auftreten. Forscher hätten nachgewiesen, dass diese bei gesundem Schlaf gar nicht erst entstehen könnten, weil die nicht mehr benötigten Stoffwechselprodukte mit dem Hirnwasser aus dem Gewebe gespült würden. Durch anhaltenden Schlafmangel aber würde dieses "Klärwerk" im Gehirn gestört. Förstl wies die Ärzte daraufhin, dass Schlafmittel keine Lösung seien, weil sie den Patienten eher betäubten, statt dessen gesunden Schlaf zu fördern. Besser sei eine schlafmedizinische Beratung und Verhaltenstherapie.

Informationen zu Invade und ein Verzeichnis der teilnehmenden Ärzte sind zu finden unter dem Link www.invade.de