Geschichte Europa von außen gesehen

Georg Huber, angehender Literaturwissenschaftler, hält einen Vortrag in der Bücherei Oberpframmern.

(Foto: Privat)

Georg Huber, 24, spricht in Oberpframmerns Bücherei über die heikle Geschichte des Kontinents

Interview von Clara Lipkowski

Europa und die EU werden oft vor allem dafür wahrgenommen, dass auf dem Kontinent seit mehr als 70 Jahren weitgehend Frieden herrscht. Doch das sei eben nur die eine Seite der Medaille, meint Georg Huber, 24 Jahre jung, Germanistikstudent und Oberpframmerner. In seinem Vortrag "Wir in Europa - die in Europa" an diesem Mittwoch, 20. März, in der Gemeindebücherei des Orts will er deswegen kritische Aspekte Europas beleuchten. Dafür bringt der angehende Literaturwissenschaftler seinen Zuhörern internationale Autoren nahe. Der Vortrag ist Teil der "Wochen der Büchereien" zum Thema Europa.

SZ: Herr Huber, wie kamen Sie auf das Vortragsthema?

Georg Huber: In der Uni hatte ich eine Vorlesung über die europäische Nachkriegsordnung und ein Seminar zu Postcolonial Studies in der Literatur. Die Autoren, die wir besprochen haben, haben einen anderen Blick auf Europa. Da jetzt das Thema in der Bücherei Europa ist, kamen ich mit meiner Mutter, die eine der Leiterinnen ist, auf die Idee, dazu etwas zu machen. Europa wurde lange als Zentrum der Welt verstanden, aber mit der Dekolonisation hat sich dieses Bild verschoben, andere Kulturen werden seitdem nicht mehr als "niedriger" behandelt, sondern als gleich angesehen. Unter anderem darauf will ich aufmerksam machen.

Warum ist aus Ihrer Sicht der Blick von außen auf Europa notwendig?

Nicht zuletzt wegen der AfD, aber auch, weil wir, wenn wir von Europa sprechen, oft nur vom "europäischen Friedensprojekt" reden. Aber zu diesem Fortschritt gehört auch, dass von Europa aus früher das halbe Erdreich kolonialisiert wurde. Das müssen wir kritisch sehen, auch weil die Geschichte der Kolonialisierung noch nicht beendet ist. Das sieht man zum Beispiel an der afrikanischen Wirtschaft, die heute von internationalen Handelsgesetzen abhängig ist.

Was haben Sie denn bei dem Vortrag genau geplant?

Ich erkläre zuerst, wie aktuell das Thema ist. Das sieht man daran, wie die Aufarbeitung der Verbrechen an den Herero und Nama diskutiert wird, oder an der Debatte zum Umgang mit kolonialer Kunst, bei der Horst Bredekamp im Grunde sagt, Deutschland müsse sich darum nicht kümmern. Dann möchte ich aus einigen Texten vorlesen, unter anderem von Frantz Fanons "Die Verdammten dieser Erde" und Aimé Césaires "Rede über den Kolonialismus". Die Autoren aus Martinique geben eine gute Perspektive von außen auf Europa. Und ich werde Achille Mbembe besprechen, einen aktuellen Philosophen aus Kamerun, der sich mit dem Postkolonialismus beschäftigt.

Wie blicken Sie selbst denn auf unseren Kontinent, fühlen Sie sich als Europäer?

Diese Frage finde ich schwierig. Ich fühle mich als Europäer genauso, wie ich mich als Weltbürger oder Mensch fühle. Da mache ich keinen Unterschied. Da halte ich es wie Aimé Césaire, der findet, dass der Austausch zwischen den Zivilgesellschaften mehr zirkulieren muss. Die Wirtschaft ist ja auch global: Wenn Jean-Claude Juncker sagt, mittlerweile arbeite jeder siebte Europäer für den Export, zeigt das ja auch: Im Grunde ist schon jetzt jeder miteinander vernetzt.

"Wir in Europa - Die in Europa": Vortrag in der Gemeindebücherei Oberpframmern von Georg Huber, an diesem Mittwoch, 20. März, um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist Teil der "Wochen der Büchereien" zum Thema Europa, die noch bis 10. April andauern. Die Flyer liegen in allen beteiligten Eichrichtungen aus, online unter www.kbw-ebersberg.de