Süddeutsche Zeitung

Kinderspielzeug:Wie eine Frau Kork zum Kassenschlager macht

  • Aus rechteckigen Korkstücken stellt eine Bürokauffrau weltweit erfolgreiches Kork-Spielzeug her.
  • Heute gibt es rund 40 verschiedene Produkte der Marke "Korxx", die in Spielzeugläden und Kinderkrippen beliebt sind.
  • Der Umsatz des Unternehmens wächst beständig.

Von Carolin Fries, Ebersberg

In einer Schreinerei gehören sie zur Standardausrüstung: Schleifklötze. Über die rechteckigen Korkstücke wird Schleifpapier gelegt, um Kanten und Oberflächen zu bearbeiten. Sven Kuch aus Traxl bei Ebersberg kennt die Klötze nur zu gut. Im elterlichen Schreinerbetrieb in Baden-Württemberg hat er als Kind mit ihnen gespielt, sie aufgestapelt und die Türme anschließend wieder umstürzen lassen. Als er seiner Frau Patricia Jahre später bei einem Besuch der Eltern davon erzählt, ist für die gelernte Bürokauffrau klar: "Es ist das perfekte Spielzeug."

Leise und leicht, mit einer guten Haftung durch die raue Oberfläche. "Ich habe gleich recherchiert, ob es sowas schon gibt", erzählt Patricia Kuch. Seit 2011 stellt das Familienunternehmen Kork-Bausteine her, die zur Standardausstattung des Kinderzimmers werden sollen. Weltweit ist das Spielzeug bereits in Kitas beliebt.

Spielzeug, das nach bunten Gebäckstückchen aussieht

In den Kellerräumen ihres Einfamilienhauses hat sich die 44-Jährige Büro, Lager und Packstation eingerichtet. In großen Kartons liegen hunderte naturfarbene Korkklötze in verschiedenen Formen und Größen: eckig, oval, rund. Daneben Leinenbeutel oder dekorative Filzboxen, die sie je nach Bestellung befüllt. "Cuboid", "Form" oder "Kuller" heißen die angebotenen Konzepte, die Mini-Steine für unterwegs "Brickle".

Fast 40 Produkte der Marke Korxx gibt es inzwischen längst auch in Farbe. Wie Seifen oder kleine süße Gebäckteilchen leuchten die bunten Drei- und Vierecke, die trotz ihrer Färbung die typische Korkstruktur beibehalten haben. "Das hat lang gedauert", sagt Patricia Kuch. Das Ausprobieren und Experimentieren nehme immer viel Zeit in Anspruch. Die Ansprüche sind hoch, das Spielzeug soll perfekt sein. Bereits an den ersten Steinen habe man lange herumgetüftelt, denn anders als die handelsüblichen Schleifklötze darf das Spielzeug keine giftigen Bindemittel enthalten und soll dennoch stabil sein.

Von Portugal nach Traxl

Die Korkeichen, deren Rinden für die Bauklötze geerntet werden, stehen in Portugal. Dort werden die Bauklötze auch produziert. Der Kork wird geschrotet und unter Einsatz von Hitze und einem ungefährlichen Bindemittel gepresst. Die Rohware wird dann nach Traxl oder in die Schreinerei nach Baden-Württemberg geliefert. Dort werden vornehmlich die neuen Produkte entwickelt und getestet.

Auch die Färbung der Bausteine erfolgt dort. Jede Farbe, jede Form im Sortiment ist mehrmals von offiziellen Labors getestet und bewertet worden. Alle Stoffe entsprechen der europäischen Norm für Kinderspielzeug sowie den australischen und US-amerikanischen Richtlinien. Alle Natur-Bausteine und manche bunte Klötze haben die "Spiel-gut"-Auszeichnung bekommen. Und auch andere Auszeichnungen haben die Korxx-Produkte in den Bereichen Qualität, Sicherheit und Design eingeheimst: 2014 gab es den britischen PreSchool-Award in Gold, ein Jahr zuvor war das antiallergene Spielzeug aus nachwachsenem Rohstoff auf der Spielzeug-Messe in Nürnberg für den "Toy Award" nominiert - als einer von drei der unzähligen Aussteller.

"Die Messekunden sind immer ganz überrascht über die gebauten Türme an unserem Stand", erzählt Patricia Kuch. Viele meinten, die Klötze seien miteinander verklebt, wenn sie die krummen Konstruktionen sehen. Doch die schiefen Türme halten allein aufgrund der natürlichen Oberflächenstruktur. Patricia Kuch zeigt es am Beispiel ihrer neuesten Idee "Bal-lu" - Kugeln zum Stapeln. Ein herrliches Balancespiel ist das, wunderbar mit den ebenfalls ganz neu entwickelten Steinen zum Brücken- und Bögenbauen kombinierbar.

Das Erfolgskonzept: Zuhause selber spielen

Wie sie auf die Ideen kommt, ob erst gezeichnet, dann gerechnet und schließlich produziert wird? Nun, ein spezielles Zeichen und Rechenprogramm gebe es in den Anfangsphasen der Neuentwicklungen nicht auf dem heimischen Rechner: "Wir probieren daheim einfach viel aus", sagt Kuch. Auf einem Beistelltisch neben dem Schreibtisch stehen die jüngsten Prototypen: Schnüre lassen aus einzelnen farbigen Bausteinen Figuren wie Autos und Tiere entstehen.

Bis zur nächsten Spielzeugmesse im Januar 2017 will man die Neuheiten auf den Markt bringen. Und auch vom Strandspielzeug ist die Rede, Kork schwimme schließlich hervorragend und nehme keinen Schmutz auf. Warum also kein Schiff aus Kork anbieten? Aufwendig und teurer ist es, die Ideen zur Marktreife zu bringen. Hier setzt Patricia Kuch auch auf neueste Lasertechnologien zum "Rapid Prototyping" ein, eine industrielle Anwendung eines 3D-Druckers.

Neben den beiden eigenen Kindern spielen bereits Kinder auf der ganzen Welt mit den Korkbausteinen von Patricia Kuch aus Traxl. Über Kindergartenausstatter und Online-Händler verkauft das Familienunternehmen Ples GmbH die Sortimente in die Vereinigten Staaten, Japan, Australien, Osteuropa und natürlich innerhalb Deutschlands. "Viele, die einmal unser Korkspielzeug kennengelernt haben, kaufen wieder welches", sagt Patricia Kuch.

Teurer Spaß für jedes Alter

Zuhause mit ihren eigenen Kindern hat sie erlebt, dass das Spielzeug immer wieder benutzt wird. Auch, weil es sich mit jedem anderen Spielzeug kombinieren lasse. Anders als hölzerne Bausteine besteht keine Verletzungsgefahr, wenn mal ein Stein geschmissen wird. Und Dellen im teuren Holzboden oder Flachbildschirm gibt es auch keine.

Wenn es nach Patricia Kuch geht, soll es die Bausteine künftig vermehrt auch in Spielzeugläden geben, wie bereits in der Ebersberger "Drachenstube". Während die Kitas überwiegend Natursteine kaufen, seien in den Spielzeugläden die bunten Klötze sehr gefragt - und die kleineren Sortimentsgrößen. Das mag bestimmt auch am Preis liegen, "der Rohstoff ist teuer", sagt Kuch. Die naturfarbenen Startersets kosten im Handel knapp 35 Euro, die farbigen Steine ein bisschen mehr.

Bislang ist der Umsatz des Unternehmens beständig gewachsen. Wenn es so weiter geht, will Patricia Kuch irgendwann mit ihrer Firma raus aus dem Keller, ihre Kapazitäten erweitern und expandieren. Die Chancen dafür stehen gut, die Nachfrage steigt. Aktuell sind die Bausteine Bestandteil eines Projekts an der Universität Würzburg, das sich mit Bewegungsförderung bei Menschen befasst. Darüber hinaus ist ein architektonisches Kunstprojekt im Gespräch, für das die Korxx-Bausteine eingesetzt werden sollen.

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Quelle:
SZ vom 05.11.2016/libo
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