Verhandlung in EbersbergDirty Talk mit dem LKA

Lesezeit: 2 Min.

Um Cyber-Grooming aufzudecken, arbeiten Ermittler im Netz mit gefälschten Mädchen-Profilen. Ein Mann aus dem Landkreis Ebersberg ist darauf nun schon zum zweiten Mal hereingefallen. 
Um Cyber-Grooming aufzudecken, arbeiten Ermittler im Netz mit gefälschten Mädchen-Profilen. Ein Mann aus dem Landkreis Ebersberg ist darauf nun schon zum zweiten Mal hereingefallen. 
Steffen Kugler/dpa
  • Ein 40-Jähriger aus dem Landkreis Ebersberg wird zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er vermeintlich mit einem zwölfjährigen Mädchen sexuell chattete.
  • Hinter dem Mädchen-Profil "Nala" verbarg sich ein Ermittler des LKA Nordrhein-Westfalen, der mit gefälschten Profilen Cybergrooming aufdeckt.
  • Der Mann war bereits 2023 wegen eines ähnlichen Falls zu einer Geldstrafe verurteilt worden und muss sich nun um einen Therapieplatz bemühen.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Ein mutmaßlich Pädophiler glaubt, mit einer Zwölfjährigen zu chatten. Das bringt ihm eine Haftstrafe auf Bewährung ein.

Von Anja Blum, Ebersberg

SZ bei Google bevorzugen

Als Erwachsener ahnt man schnell, in welche Richtung sich der Chat mit „Nala“ entwickeln wird. Entwickeln soll. Wo sie sich denn gerade aufhalte, will der Mann von dem vermeintlichen Mädchen wissen, und ob es „schön warm“ sei im Bett? Was sie denn anhabe? Einen Pyjama? „Wie süß!“ Und ja, schon bald wird der Mann noch deutlicher: Ob es denn für sie okay sei, wenn er sie auf ihren Mund küsse, fragt er, und ob sie sich schon mal selbst gestreichelt habe, etwa zwischen den Beinen? Außerdem hagelt es Emojis, lachende, zwinkernde und solche mit Herzchen.

Die vermeintlich Zwölfjährige antwortet zumeist indifferent. „Weiß nicht“, ist ihre Standardantwort auf die anzüglichen Fragen. Denn: „Nala“ ist kein Mädchen, sondern ein Beamter des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen. Ein Ermittler also, der auf einer Chatplattform das gefälschte Profil eines Mädchens erstellt hat, um Pädophile anzulocken und Cyber-Grooming aufzudecken. Das aber weiß der Mann aus dem Landkreis Ebersberg freilich nicht – weswegen es sich bei seiner einstündigen Konversation mit „Nala“ rein rechtlich um versuchten sexuellen Missbrauch von Kindern ohne Körperkontakt handelt.

Deswegen sitzt der ledige 40-Jährige nun auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Und schweigt. Nur mit einer knappen Erklärung lässt er seine Verteidigerin die Vorwürfe einräumen. Angesichts des protokollierten Chats bleibt ihm aber auch kaum etwas anderes übrig. Zudem reicht die Anwältin diverse Belege ein für das – bislang erfolglose – Bemühen ihres Mandanten um einen Therapieplatz in Bezug auf seine sexuelle Neigung.

Der Chatroom, in dem besagte Unterhaltung stattfand, sei aufgrund seiner völligen Unverbindlichkeit eine einschlägige Plattform auch für pädophile Umtriebe, erklärt der einzige Zeuge in dem Verfahren, ein Polizist. Die Nutzung sei kostenlos und keine Anmeldung notwendig, man könne sich jedes Mal mit einem neuen, frei erfundenen Namen einloggen.

Angebot der SZ
:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren Landkreis

Die Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an. Das Angebot ist kostenlos. So abonnieren Sie die Kanäle.

Der Beamte kann auch von der Durchsuchung der Wohnung und der Speichermedien des Angeklagten berichten. Der Mann sei während des Einsatzes kooperativ gewesen, habe freiwillig seine Passwörter herausgegeben, zudem habe er glaubhaft Bedauern geäußert und nach einer passenden Therapieeinrichtung gefragt. „Ich denke, es ist ihm spätestens da bewusst geworden, was er angestellt hat.“

Allerdings ist dies nicht das erste Mal, dass dem Mann sexueller Missbrauch dieser Form nachgewiesen wird: Bereits 2023 hat ihn das Ebersberger Amtsgerichts zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er eine vermeintlich 13-Jährige per Chat hartnäckig zu sexuellen Handlungen hatte überreden wollen. Doch auch da saß auf der anderen Seite kein Mädchen, sondern ein Ermittler. Laut Akte bezeichnete der Angeklagte die Situation damals als „Ausrutscher aus Einsamkeit“. Außerdem gestand er – angesichts eines Drogenfunds – täglich zu kiffen.

Besondere Ferienwohnungen
:Urlaub in Tiny-Hausen

Mitten im Obstgarten, im Übernachtungsfass, mit Schwedenofen: Mehrere Vermieter im Landkreis Ebersberg bieten inzwischen kleine, aber kuschelige Unterkünfte für die Ferien an.

SZ PlusVon Barbara Mooser

Richter Frank Gellhaus betont nun die deutlichen Parallelen zwischen den beiden Fällen: „Man könnte meinen, Sie lernen gar nichts dazu“, sagt er zum Angeklagten. „Wieder glaubten Sie, mit einem deutlich minderjährigen Kind auf unappetitliche Weise kommunizieren zu können und haben das für Ihre eigene Erregung ausgenutzt.“ Zudem attestiert Gellhaus dem Mann eine sehr hohe Rückfallgeschwindigkeit, immerhin sei die einschlägige Verurteilung gerade mal drei Jahre her.

Zugunsten des Angeklagten spreche neben dem Geständnis jedoch die Art der Ermittlung: Er sei auf einen „Agent Provocateur“ hereingefallen, weswegen dieses Cyber-Grooming als „untauglicher Versuch ohne echten Schaden“ zu werten sei. Das und eine „positive Sozialprognose“ veranlassen den Richter letztlich, die Freiheitsstrafe auf acht Monate an- und auf Bewährung auszusetzen. Inklusive der Auflage, sich weiterhin um psychologische Hilfe zu bemühen und dies dem Gericht regelmäßig nachzuweisen. Und bei Erfolg dürfe er die Therapie keinesfalls abbrechen. „Sie haben ein massives Problem“, sagt Gellhaus zu dem 40-Jährigen, der schlussendlich doch ziemlich geknickt wirkt. „Aber ich denke, Sie haben diese Lektion heute verstanden.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Gesundheitsschutz
:Warum Frauen stärker unter Hitze leiden als Männer

Die Ebersberger Gynäkologin Yukiko Nave erklärt, wie sich das Temperaturempfinden im Laufe des Lebens verändert. Und warum Frauen sich oft schwer vor Hitze schützen können.

SZ PlusInterview von Barbara Mooser

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: