Geplanter Windpark im Ebersberger ForstNicht einen Standort gegen den anderen ausspielen

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Die geplante Errichtung von fünf Winderädern im Ebersberger Forst spaltet die Gemüter der Landkreisbürger

Zu den Leserbriefen vom 22. Februar:

Der Ebersberger Forst wird von allen Beteiligten als wichtig für Natur und Menschen bezeichnet - völlig zurecht. Genauso richtig aber ist: diese Funktion des Forstes ist durch die geplanten Windräder nicht gefährdet! Der Ebersberger Forst hat eine Fläche von 17,8 Quadratkilometer, das sind 1780 Hektar. Für fünf Windräder wird einschließlich der Zufahrtswegeinsgesamt eine Fläche von 1,5 Hektar benötigt, das sind weniger als 0,1 Prozent der Fläche des Forstes. Zudem wird diese Fläche an anderer Stelle durch Aufforstung ausgeglichen. Die Sorge, der Ebersberger Forst würde in seiner Funktion als Reservat für Vögel und Tiere, und als Naherholungsgebiet beeinträchtigt, ist also angesichts des tatsächlichen Eingriffs von weniger als 0,1 Prozent glücklicherweise unbegründet, auch deswegen hat sich der Kreisvorstand des Bundes Naturschutz für ein "Ja" entschieden. Eine andere Frage ist die Errichtung von (zusätzlichen) Windrädern an anderen geeigneten Stellen im Landkreis. Hier ist die derzeitige Rechtslage leider noch ein großes Hindernis, das aber in einer gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit bei gutem Willen der Beteiligten langfristig lösbar wäre. Angesichts schmelzender Eismassen nicht nur an den Polen sollten wir auch diese Möglichkeit nutzen. Den einen Standort gegen andere auszuspielen ist vor diesem Hintergrund das Falscheste. Wir sollten keinesfalls auf die Errichtung von Windrädern an Orten verzichten, wo dies ohne Beeinträchtigung von Mensch und Natur und im Rahmen der geltenden Regeln jetzt möglich ist. Und wir sollten uns über die unmittelbaren Vorteile freuen: ein Gutteil der Wertschöpfung bleibt im Landkreis, und über direkte Bürgerbeteiligung sowie die Beteiligung der Kommunen entsteht dauerhaft wirtschaftlicher Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises. Joachim Hellriegel , Glonn

Ein großes Wenn

Die Argumentation der Leserbriefschreiberin ist schlüssig mit einem Haken: Wenn! Ja, besser wäre es, keine Windräder im Ebersberger Forst zu errichten, wenn Gemeinden Standorte innerhalb der 10-H-Regel zulassen. Werden sie das tun? Die Auflagen dazu sind erheblich, zeitaufwendig, eher weniger mehrheitsfähig. Die möglichen Standorte liegen häufig auch in Waldgebieten. Das heißt: Gewinnen wir damit den Kampf gegen die Klimakrise? Und noch etwas: Ist der Ebersberger Forst nicht überwiegend wirtschaftlicher Monokulturwald? Also abwägen: Beim Stand aktueller Planungen bin ich für die paar Windräder am Rand des Ebersberger Forstes. Jo Neunert, Vaterstetten

Problem nicht erkannt

Die Leserbriefschreiberin hat das Hauptproblem noch nicht erkannt: Es eilt, es eilt sogar sehr. 2006 hat sich der Kreistag verpflichtet, den Landkreis bis 2030 klimaneutral zu machen. Das verlangt neben Photovoltaik und Biogas auch den Einsatz von Windkraftanlagen. Die fünf Windräder im Forst wären nur ein erster bescheidener Beitrag. Für den Bau weiterer WKAs außerhalb des Forstes ist, wegen der 10-H-Abstandsregel, eine langwierige, aufwendige Bauleitplanung notwendig. Beim Weg durch die Bürokratie können schon mal zehn Jahre ins Land ziehen, das heißt, die Klimaneutralität 2030 ist erheblich gefährdet. Für den Bau der fünf WKAs werden insgesamt etwa drei Hektar Fläche benötigt, also 0,3 Promille des 90 Quadratkilometer großen Ebersberger Forstes. Als Ausgleich dafür muss mit Faktor 1,5 bis zwei neuer Wald aufgeforstet werden. Wild lässt sich, das ist längst erwiesen, von Windrädern nicht stören und für Fledermäuse gibt es Abschaltprogramme.

Fachleute und Wissenschaftler, die wissen wovon sie reden, erwarten bei einem Temperaturanstieg über 1,5 Grad, große Trockenperioden und Versteppung weiter Landschaften sowie einen deutlichen Anstieg des Meeresspiegels. Weite, heute besiedelte Flächen, würden unbewohnbar. Die Vögel hätten keinen Wald mehr und die Flüchtlingswellen würden deutlich zunehmen, vor allem von der Nordseeküste.

Ich habe Kinder und Enkel und möchte sie mit gutem Gewissen auf einem Globus mit lebenswerter Umwelt zurücklassen. Dafür nehme ich gerne einige Windräder im Wald in Kauf. Zumal ich nicht glaube, dass künftige Spaziergänger und Radfahrer sie überhaupt wahrnehmen würden. Ich selbst finde die Ablehnung von Windrädern eine riesige Verantwortungslosigkeit. Jürgen Harttmann, Baldham

Auf allen Ebenen tätig werden

Ja, die 10-H-Regelung muss gekippt werden. Aber angesichts der aktuellen Machtverhältnisse kann das dauern! Der Klimawandel wartet aber nicht. Die Maßnahmen zur Energiewende müssen jetzt sofort auf allen Ebenen mit Nachdruck verfolgt werden. Die fünf Windräder im Ebersberger Forst sind ein wichtiger Bestandteil dazu. Im Leserbrief wird behauptet, dass dieser Standort aus technischen und meteorologischen Gründen nicht sinnvoll sei. Ich bin der Überzeugung, dass der Investor genau geprüft hat, ob der Standort sinnvoll ist, um diesen Aspekt müssen wir uns vermutlich die wenigsten Sorgen machen.

Meine ursprünglichen Sorgen und Bedenken zum Bau der Windräder im Ebersberger Forst konnten bei einer Besichtigung der Windkraftanlagen in Fuchstal weitgehend ausgeräumt werden. Der Eingriff in den Wald ist bei weitem nicht so groß wie oft behauptet wird, die Zufahrt zur Baustelle kann weitgehend über vorhandene Forststraßen erfolgen, die Anzahl der durch Windräder getöteten Vögel liegt über das Jahr im einstelligen Bereich, Fledermäuse können durch eine zeitliche Abschaltung während der Flugzeit geschützt werden, usw. Die Windräder im Forst sind meiner Ansicht nach wichtig und richtig. Sicher, es gibt im Landkreis viele weitere und vielleicht bessere Standortoptionen. Diese sind aber kein Ersatz für den Standort im Forst. Sie sind zusätzlich notwendig um im Einklang mit Photovoltaik- und vorhandenen Biogasanlagen die Energiewende zu schaffen.

Ich hoffe, dass die Mehrheit der Landkreisbürger beim Ratsbegehren zu den Windrädern im Ebersberger Forst mit Ja stimmt. Wir brauchen die Energiewende jetzt, nicht erst wenn die CSU-Regierung die 10H-Regelung kippt. Wir müssen jetzt beim Klimaschutz vorangehen um überhaupt noch eine Chance für den Erhalt unserer Wälder zu haben. Margrit Pricha, Pliening

Die CSU drückt sich

Zu den Leserbriefen und zum Bericht "Keine Empfehlung von der CSU" vom 22. Februar:

Seit Wochen wiederholen die Gegner der im Forst geplanten Windkraftanlagen unermüdlich ihre Behauptungen, Fragestellungen und Schreckensszenarien; man muss diese nicht mehr nennen, sie werden ja auch stets geduldig und sachlich widerlegt. Neuerdings kommt eine neue Taktik hinzu, statt der Windräder im Forst fordert man solche überall anderswo. Die Gemeinden (Gemeinderäte) sollen sich über die 10-H-Regel hinwegsetzen und so den Bau von Windkrafträdern ermöglichen. Die Gemeinden sollen den Unsinn korrigieren, den die CSU (Ministerpräsident Seehofer) willkürlich festgesetzt hat.

Grundsätzlich ist die Forderung nach zahlreichen weiteren Windrädern richtig, entsprechende Initiativen sind in den Kommunen dringend nötig, gemeinsam getragen von Bürgerinnen und Bürgern und Ratsmitgliedern - auch wenn die Erfolgsaussichten dank 10H gering sind. Aber: Die Notwendigkeit weiterer Windräder spricht nicht gegen die Anlagen im Forst. Diese schnellstmöglich zu bauen ist nötig und richtig, sofern man das Erreichen des Zieles ernst nimmt, das man sich im Landkreis gesetzt hat: Klimaneutralität bis 2030. Dieses Ziel ernst zu nehmen sollte die Landkreis-CSU künftig jedoch nicht mehr behaupten, diesbezüglich hat sie ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Die Beschlüsse zum Klimaziel und zum Vorhaben, die Windräder im Forst zu bauen, wurden mit den Stimmen der CSU gefasst. Und was macht die Kreis-CSU jetzt? Sie drückt sich aus der Verantwortung, für die Beschlüsse offen einzustehen. Und sie will die Bürgerinnen und Bürger mit jämmerlichen Begründungen für ihre Drückebergerei offenbar auch noch für dumm verkaufen: Die Bürger hätten nun das letzte Wort.

Aber das haben sie sowieso. Und das haben sie auch, wenn die CSU sich eindeutig für die von ihr mit auf den Weg gebrachten Windräder ausspricht. SPD und Grüne positionieren sich eindeutig pro Windräder. Nehmen sie damit den Bürgerinnen und Bürgern ihr Wort? Nein! Aber sie stehen mit guten Argumenten zu den Entscheidungen im Kreistag und setzen sich dafür ein, dass diese auch die Zustimmung der Mehrheit der Landkreisbevölkerung finden. Die fünf Windräder im Forst wären ein erster Schritt in Richtung des Zieles. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, aber diesen muss man eben machen! Siegfried Bertolan, Glonn

© SZ vom 02.03.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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