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Genossenschaften:Gemeinsam zur Energiewende

Zweistufiges Genossenschaftsmodell soll Landkreis, Kommunen, Unternehmen und Bürger am Fortschritt beteiligen. Unter anderem ist ein Rückkauf der regionalen Stromnetze geplant

Allem Anschein nach macht die interkommunale Kooperation im Landkreis so langsam Schule: Nicht nur bei der Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen haben sich die 21 Gemeinden zusammengetan, auch bei der wirtschaftlichen Umsetzung der Energiewende entschied man sich für ein "Ebersberger Modell": Wie Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr berichtet, haben die Bürgermeister vor, ein zweistufiges Genossenschaftsmodell einzuführen, an dem sich der Landkreis, Kommunen, Unternehmen und Bürger beteiligen sollen. Der Landkreis hat seinen Beitritt bereits beschlossen, in den kommenden Wochen müssen nun alle Gemeinderäte entscheiden.

"Wir wollen die Voraussetzungen für eine möglichst breite Beteiligung schaffen", sagt Gröbmayr, denn die Energiewende könne nur gemeinsam gelingen. "Unsere Vision ist, dass der überwiegende Teil der ökonomisch sinnvollen Projekte vor Ort in lokaler Eigentümerschaft umgesetzt wird", zitiert er aus einem Strategiepapier der Bürgermeister. Deren Ziel ist es, die Wertschöpfung in der Region zu halten. Dabei plane man aber mitnichten ins Blaue hinein, sondern habe bestehende Erfolgsmodelle genauestens studiert. Als Vorbild wurde der oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab erkoren. Die Zweistufigkeit des Modells bedeutet, dass es eine Dach- und eine Bürgergenossenschaft geben wird. An ersterer sollen sich der Landkreis, möglichst viele Kommunen und die Bürgerenergiegenossenschaften im Landkreis beteiligen. Zweiterer können Ebersberger Bürger und Unternehmen beitreten. "Niemand soll ausgeschlossen sein", betont Gröbmayr. Ziel sei es, unterschiedlichste Projekte zur Energiewende anzustoßen, zu koordinieren, umzusetzen und zu finanzieren.

Die Dachgenossenschaft wird "Regenerative Energie Ebersberg" heißen, kurz Rege eG. Sie soll vor allem für größere Projekte zuständig sein, Anlagen planen, bauen, besitzen und betreiben. "Grundsätzlich aber kann sie in allen Bereichen tätig werden, die einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Energieversorgung und -einsparung dienlich sind", so der Klimaschutzmanager. Dabei könne sie Bereiche dieser Tätigkeiten auch auf Dritte, zum Beispiel auf kleinere Genossenschaften, übertragen. Da bei diesem Modell "kein Sperrfeuer von Kleinstaktionären" zu erwarten sei, erhofft man sich eine sehr effektive Umsetzung von Projekten. Die "Bürgerenergie im Landkreis Ebersberg", kurz Bürger eG, sammelt die Einlagen der Bürger, zeichnet Anteile an der Rege eG oder gibt dieser Gesellschafterdarlehen. Zudem kann sie kleinere Projekte selbst entwickeln. Außerdem soll ein regionales Energieversorgungsunternehmen (EVU) gegründet werden, mit dem man zum Beispiel die Stromnetze vor Ort übernehmen könne. "Wir wollen mittelfristig die Leitungen besitzen, Energie erzeugen und auch vermarkten", so das ehrgeizige Ziel.

Die obersten Gremien werden der Aufsichtsrat der Dachgenossenschaft sowie ihr Vorstand sein. Finanziert werden sollen die Projekte der Rege eG von den Kommunen und zu einem hohen Anteil auch von den Bürgern. Der Minimalbetrag, mit dem sich eine Gemeinde beteiligen kann, beträgt 5000 Euro. Darüber hinaus soll es laut Gröbmayr immer die Möglichkeit geben, noch mehr Anteile zu erwerben oder aber auch in spezielle Projekte zu investieren. Die Genossenschaft sei die insolvenzsicherste Gesellschaftsform, wirbt der Klimaschutzmanager für die Sache. "Hier geht es nicht um maximalen Profit, sondern um die Nutzenmaximierung der Mitglieder." Die einzelnen Mitglieder der Bürger eG trügen kein wirtschaftliches Risiko, profitierten aber von den Erträgen der Genossenschaften - je nach Anteil. Momentan kalkuliert man mit einer drei- bis vierprozentigen Verzinsung im Jahr. Damit hofft Gröbmayr, viele Anleger gewinnen zu können - schließlich seien die Zinsen für traditionelle Sparguthaben derzeit sehr niedrig.

Beim Aufbau der Genossenschaften kommt den Gemeinden in den Augen des Klimaschutzmanagers eine wichtige Rolle zu: Die Bürger vertrauten ihren Kommunen samt deren gewählten Vertretern erfahrungsgemäß mehr als privaten Gesellschaften oder Investoren. Deswegen sei es wichtig, dass die Mitgliederwerbung für die Bürger eG ausschließlich über seriöse Veranstaltungen wie Bürgerversammlungen erfolge, so Gröbmayr.

Bis Ende Juni wird das Modell nun in den Gemeinderäten des Landkreises vorgestellt. Außerdem ist man auf der Suche nach geeigneten Personen für Aufsichtsrat und Vorstand und arbeitet an einem ausgefeilten Businessplan. "Vor allem müssen wir definieren, was umsetzungsfähige Projekte sind", so Gröbmayr. Schon im Juli soll die Dachgenossenschaft Rege eG gegründet werden, im Herbst dann die Bürger eG folgen. Der Klimaschutzmanager jedenfalls zeigt sich optimistisch: "Alle sagen, wir stemmen das. Dazu brauchen wir aber kompetente Mitstreiter in den Genossenschaften und gute Projektideen."