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Gemeinschaftsprojekt mit dem Kultusministerium:Vom Korn zum Brot

Lernen auf dem Bauernhof - Landwirtschaftsminister Helmut Brunner startet in Pliening neues Programm für Grundschüler.

"Radieserl mag ich ja grundsätzlich nicht, sagt Jonas. "Aber die Gurken, die schmecken viel besser als die aus dem Supermarkt", findet der Zehnjährige. Die Gekauften seien nämlich immer irgendwie alt. Frisches Gemüse, Brot in allen Variationen, knackige Äpfel, leckere Erdbeeren - solche Köstlichkeiten standen am Dienstagmorgen auf dem Speiseplan fürs Pausenbrot der 4b der Plieninger Grundschule. Die Buben und Mädchen waren zu Gast auf dem Bauernhof Diefenthaler in Landsham. Einerseits, um ganz praktisch zu lernen, woher Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden. Andererseits als Kulisse für den bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), der gemeinsam mit Kultusstaatssekretär Bernd Sibler (CSU) bei den Diefenthalers das neue Programm "Erlebnis Bauernhof" offiziell startete. Ab sofort steht demnach auf dem Lehrplan für bayerische Grundschüler, mindestens einen Tag auf einem Bauernhof zu verbringen. Nicht, um mal kurz Kühe anzuschauen oder eine Runde auf dem Traktor zu drehen, sondern um richtig zu lernen. Dafür hat sich Angelika Diefenthaler zur Erlebnis-Bäuerin qualifizieren lassen. Die Landshamerin musste dazu noch nach Miesbach fahren, inzwischen wird die Ausbildung auch von der Ebersberger Landwirtschaftsschule angeboten.

Vier Lernstationen hat Angelika Diefenthaler mit ihrem Ehemann Hermann, Tochter Martina und Schwiegersohn Florian vorbereitet. Dort zeigten sie den Kindern den Weg vom Korn zum Brot - so das Unterrichtsprogramm an diesem Dienstag. Daneben gibt es noch die Lernprogramme "Vom Ei zum Huhn", "Von der Milch zu butte rund Käse", "Kartoffeln vom Legen bis zur Ernte" und "Lebensraum Streuobstwiese". All das gibt es zusätzlich "erlebnispädagogisch" in Broschüren samt passender CD's aufbereitet, die nicht nur für Grundschüler taugen, sondern in allen Schulklassen bis zum Abitur im Unterricht Anwendung finden sollen.

Pünktlich um acht Uhr morgens begann für die Viertklässler der Unterricht auf dem Hof, einem 18 Hektar-Betrieb mit Rindermast. Sie lernten, wie ein Getreidefeld angesät wird, die Körner nach der Ernte gemahlen und später zu Brot verbacken werden. Alles auch ganz praktisch mit "Haupt, Herz und Hand", wie der Minister später bei seiner Ansprache sagen würde. Brunner, der samt Sibler und großer Entourage in Landsham von den örtlichen Honoratioren, darunter die Landtagsabgeordnete Christa Stewens, Landrat Gottlieb Fauth und Plienings Bürgermeister Georg Rittler, in Empfang genommen wurde, sorgte zusätzlich für Abwechslung im Schulalltag. Auch, wenn der zehnjährige Tobias nicht unbedingt wusste, was ein Minister so macht, "ist das schon aufregend, wenn so einer kommt." Mitschülerin Laura hingegen zeigte sich beeindruckter von den Getreidemühlen. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Arbeit ist." Den Unterricht auf dem Hof findet sie toll: "Das ist wie so eine Art Ausflug."

Dass dazu auch eine halbe Stunde Stillsitzen im Strohballenkreis gehörte, nahmen die Kinder mit Butterbrezen versorgt in Kauf. Immerhin erfuhren sie, dass der Minister sich noch heute ehrfürchtig dreimal bekreuzigt, bevor er einen Laib Brot anschneidet. "Das hat mir meine Großmutter beigebracht." Dass Kinder wieder mehr Ehrfurcht vor Lebensmitteln bekommen, ist Ziel seines Engagements für das Lernprogramm "Erlebnis Bauernhof", denn "es tut mir im Herzen weh, wenn wir bei Lebensmitteln eine Wegwerfquote von 30 bis 40 Prozent haben."

Dass auch der Kultusstaatssekretär für das Landleben schwärmt, zeigte er in einer leidenschaftlichen Ansprache, bei der er die Kinder ermunterte, jedes Mal "Hurra" zu rufen, sobald das Wort Bauer oder Bauernhof fiel. "Kinder sollen wissen, dass die Milch nicht aus dem Tetrapack und das Fleisch nicht aus der Kühltheke kommt", sagte Sibler.

Die Plieninger 4b ist seit Dienstag voll im Bilde, "obwohl wir hier noch nicht ganz so verstädtert sind, freute sich Kreisbäuerin Andrea Huber. Das bestätigte Tobias mit Kennermiene: "Ich weiß ja schon, wie das so läuft. Mein Freund hat nämlich einen Bauernhof", sagte der Viertklässler.