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Gemeinderat Vaterstetten:Von der Schippe gehüpft

Joh.-Seb.-Bach-Str.

Ein Ausbau des rund 900 Meter langen Abschnitts nach Innenbereichsstandard würde Anwohnern und Gemeinde teuer kommen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Johann-Sebastian-Bach-Straße in Vaterstetten wird nicht umgebaut, das könnte die Anlieger freuen

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Der Zustand von Straßen ist ein häufiges Ärgernis, das kann man auf jeder Bürgerversammlung hören. Regelmäßig bemängeln Anwohner fehlende Straßenbaumaßnahmen - in der Johann-Sebastian-Bach-Straße dagegen, können sich die Anwohner nun darüber freuen, dass nichts gemacht wird. Denn das wäre unter Umständen teuer gekommen.

Hintergrund ist, dass die 2006 als kleine Umgehung für den Norden Vaterstettens eröffnete Straße mittlerweile eine Ortsstraße ist. Denn vor gut zehn Jahren wurde gegenüber des Umspannwerks eine Wohnsiedlung gebaut. Kommendes Jahr werden nördlich davon das neue Haus an der Dorfstraße der Sozialen Dienste und ein weiteres Wohngebiet über die Johann-Sebastian-Bach-Straße erschlossen. Spätestens dann liegt die Nord-Ost-Tangente - so der Name des Projekts - ganz offiziell im Innenbereich, und das hat Folgen.

Denn, so das Bauamt in einer Stellungnahme, "nach der aktuellen Rechtsprechung muss bei einer innerörtlichen Straße die Straßenentwässerung grundsätzlich durchgehend auf der gesamten Länge der Erschließungsanlage vorhanden sein". Was bedeutet, dass "Einlaufgullys/Straßenabläufe und Entwässerungsleiteinrichtungen wie Randsteine oder Rinnen" nötig sind. All das gibt es im Bereich der Nord-Ost-Tangente nicht, hier läuft das Regenwasser, wie auf Landstraßen üblich, einfach rechts und links der Fahrbahn ab.

Was mehrere Probleme aufwirft. Nummer eins: Ein entsprechender Ausbau nach Innenbereichsstandard des rund 900 Meter langen Abschnitts dürfte einigermaßen aufwendig werden. Was zu Problem Nummer zwei führt: Was aufwendig wird, wird auch teuer. Drittes Problem: Wird eine Straße vom Außenbereich in den Innenbereich verlagert und entsprechend ertüchtigt, gilt das als Ersterschließung - und die müssen auch nach Abschaffung der Straßenausbaubeiträge die Begünstigten zahlen, also die Anlieger, jedenfalls zu einem gewissen Teil. Betroffen wäre neben den seit gut einem Jahrzehnt an der Straße wohnenden Anliegern auch die Sozialeinrichtung Haus an de Dorfstraße.

Woran sich aber gleich das vierte Problem anschließt: Würde die Gemeinde die Straße innenbereichsmäßig herrichten und bei den Anliegern dafür kassieren, könnte sie das letztlich viel Geld kosten, so Bauamtsleiterin Brigitte Littke im Gemeinderat. Denn die Nord-Ost-Tangente war ein vom Freistaat gefördertes Projekt, insgesamt 405 000 Euro, ungefähr die Hälfte der Baukosten, hatte man damals aus Landesmitteln bekommen. Die man unter Umständen zurückzahlen müsste, würde die Straße nun umgebaut.

Was im Klartext bedeutet: Baut die Gemeinde die Nord-Ost-Tangente zu einer Ortsstraße um, kann sie zwar bei den Anliegern kassieren - müsste das Geld aber umgehend an den Freistaat weiterreichen und bliebe auf den Baukosten sitzen.

Oder, man lässt das mit dem Umbau ganz bleiben. Denn laut einem von der Gemeinde beauftragten Gutachten, könne man den Straßenzustand beibehalten wie er ist. "Die derzeitige Entwässerungsanlage" - Versickerungs-Mulden neben der Straße - entsprächen "den Ansprüchen einer geregelten Entwässerung", so Florian Haas vom gleichnamigen Ingenieurbüro in seiner Stellungnahme. Voraussetzung sei lediglich, dass die Mulden ordnungsgemäß gepflegt und nicht etwa zu Parkplätzen umfunktioniert würden. Ohne Diskussion und Gegenstimmen schloss sich der Gemeinderat an und beschloss, dass die Johann-Sebastian-Bach-Straße nicht ausgebaut werden soll.

© SZ vom 27.10.2020
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