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Gemeinderat:Glonner Wasserstoffpläne

In Schlacht könnte bis 2022 die Tankstelle der Zukunft entstehen

Von Antonia Voelzke, Glonn

Die Marktgemeinde Glonn gilt als idyllischer Erholungsort. Bewaldete Hügel, Landschaftsschutzgebiete und Quellgewässer machen die Gegend zu einem beliebten Reiseziel. Nun soll Glonn nicht nur Ort der Ruhesuchenden sein, sondern auch Zentrum der fortschrittlichen Technologie. Im Rahmen eines Projekts der Landkreise Ebersberg, München und Landshut soll in Schlacht, bei Glonn, die erste öffentliche Wasserstofftankstelle des Landkreises Ebersberg entstehen. Damit die Errichtung der Tankstelle möglich ist, muss der Gemeinderat Glonn zunächst über eine Änderung des Bebauungsplans des Gewerbegebiets "GE Schlacht-Nordwest" entscheiden. Bis jetzt dürfen dort keine gewerblich genutzten Tankstellen gebaut werden.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung sollte die Möglichkeit zur Änderung des Bebauungsplans nun diskutiert werden. Um das Projekt mit Fachwissen und Hintergrundinformationen zu untermauern, hatte Bürgermeister Josef Oswald die beiden Projektleiter Hans Gröbmayr und Ruth Jürgensen von der Energieagentur Ebersberg eingeladen. Sie stellten den Plan für die Wasserstofftankstelle genauer vor und beantworteten Fragen der Gemeinderäte.

"Für Glonn ist das eine riesige Chance", begann Gröbmayr seinen Vortrag. Die Weiterentwicklung des Nah- und Fernverkehrs hin zu umweltfreundlicherem Treibstoff sei unumgänglich. "In den nächsten Jahren werden deutschlandweit immer mehr Wasserstofftankstellen dazukommen", sagte Gröbmayr. Die Bundesrepublik fördere Wasserstofftechnologien mit hohen Summen.

"Der Wasserstoff muss dorthin, wo er auch verbraucht wird", erklärte Gröbmayr den Entschluss, die Tankstelle in Schlacht planen zu wollen. Nachdem das dort ansässige Busunternehmen Ettenhuber sich bereit erklärt hätte, nach und nach seine Busflotte auf Wasserstoffantrieb umzustellen, wäre die Grundlage für das Projekt geschaffen. Durch die Buslinie sei die regelmäßige Abnahme des Wasserstoffs gesichert, sagte Gröbmayr.

"Die geplante Wasserstofftankstelle soll aus zwei Zapfsäulen für Busse sowie einer für PKW bestehen", erläuterte Jürgensen. Allerdings solle der Bereich für die Wasserstoffautos deutlich kleiner ausfallen. "Der Fokus liegt auf den Bussen", sagte die Energieberaterin. Bei voller Betankung sollen die Wasserstoffbusse in der Lage sein, eine Strecke von bis zu 350 Kilometern zurücklegen zu können.

Die Finanzierung des Projekts solle zu 50 Prozent von der Bundesregierung getragen werden. Eventuell bringe aber eine Förderung durch den Freistaat Bayern eine noch höhere Förderungssumme, informierte Gröbmayr die Gemeinderäte. Eine Bereitschaft seitens der Marktgemeinde Glonn, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen, werde auch sehr begrüßt, legte Gröbmayr dem Gremium nahe. Der Energieberater betonte, dass es sich vor allem zu Beginn um eine Pionierleistung handele. Langfristig wäre eine Wasserstofftankstelle jedoch der günstigerer Weg. Der CO₂-Ausstoß im Verkehr werde in Zukunft sehr teuer besteuert werden. Eine Umstellung auf Elektro-Technologie wäre bei den langen Strecken hier, in der ländlichen Gegend, nicht sinnvoll, argumentierte Jürgensen. Die Batterie eines Elektrobusses zum Beispiel verliere bei weiten Wegen schnell seine Leistung.

"Bis zum Jahr 2022 soll die Wasserstofftankstelle den Betrieb aufnehmen, wenn alles gut läuft", kündigte Gröbmayer an. Bis dies geschehe, sind nach Ansicht des Gemeinderates aber noch einige Dinge zu klären. Noch gibt es Unklarheiten bei der Grundstücksverfügbarkeit, den Kostenträgern, den Betreibern und technischen Aspekten wie dem Brandschutz.

Auch wenn sich die beiden Projektleiter eine klare Aussage des Gemeinderats zur Genehmigung der Änderung des Bauplans gewünscht hätten, beschloss der Gemeinderat, die Entscheidung auf frühestens Oktober zu verschieben. Erst müssten die offenen Fragen geklärt werden. Generell können sich die Mitglieder des Gemeinderates die Änderung des Bebauungsplans und damit die Errichtung einer Wasserstofftankstelle aber sehr gut vorstellen. "Es wäre ein reines Pilotprojekt", sagte Bürgermeister Oswald "entweder es klappt, oder eben nicht."

© SZ vom 05.08.2020

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