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Gemeinderätin aus Forstinning:Eine Gegnerin der Umfahrung

Lisa-Marie Bötsch

Lisa-Marie Bötsch, 19, aus Forstinning steht kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Fachinformatikerin.

(Foto: privat)

Lisa-Marie Bötsch ist eine der jüngsten Politikerinnen im Kreis Ebersberg

Von Korbinian Eisenberger, Forstinning

Sie wirkt weniger wie eine Azubine, eher wie eine abgebrühte Vorstandsvorsitzende. Um mit Lisa-Marie Bötsch zu telefonieren, muss ein Termin vereinbart werden, und wer sie in der Zeitung zitieren will, muss ihre Zitate freigeben lassen. Ganz schön kess für eine 19-Jährige. Wobei ein Schuss Selbstbewusstsein nicht schaden kann, will man in der Kommunalpolitik etwas reißen. Erst recht wenn man die jüngste Gemeinderätin ist - im Forstinninger Gremium und eine der jüngsten im Ebersberger Landkreis.

Wenige Monate nach seiner Gründung stellt der Grünen-Ortsverband in Forstinning gleich drei Gemeinderäte. Ein Mandat hat Lisa-Marie-Bötsch, die eine intensive Zeit durchlebt: Diese Woche steht nicht nur ihre zweite Gemeinderatssitzung (Dienstag 19 Uhr) auf dem Programm, sondern auch ihre Abschlussprüfungen. Bötsch macht eine Ausbildung zur Fachinformatikerin. In der IT-Abteilung ihrer Firma in Ismaning, erzählt sie, wolle man sie im Anschluss übernehmen.

Lisa-Marie Bötsch scheint der Berufseinstieg trotz Pandemiekrise zu glücken. Und auch im Forstinninger Rathaus geht es am Dienstagabend erstmals richtig zur Sache. Nach der Konstituierenden Sitzung Anfang Mai wird es erstmals um kommunalpolitische Themen im Ort gehen. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die "Errichtung eines Geh- und Radweges von Forstinning nach Wind" und ein Antrag der SPD "zur Verkehrsberuhigung für Forstinning". Ziel der SPD-Fraktion ist ein Tempolimit auf der A 94 und Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt Münchner/Mühldorfer Straße. Für Bötsch geht es also erstmals um die großen Themen im kleinen Ort.

Die Grünen haben sich mit konkreten Forderungen bisher zurückgehalten. Da sie nun gleichauf mit der SPD die drittstärkste Fraktion hinter CSU und Überparteilich Wähler (je fünf Mandate) bilden, hat die Sichtweise der Fraktion durchaus Gewicht. "Wir wollen ein grünes nicht zubetoniertes Forstinning übergeben", lautete ein Wahlkampfsatz der Grünen. Was das konkret heißt, erklärt Bötsch am Telefon. Was bedeutet das für die geplante Umgehungsstraße? Bötsch erklärt, dass ihre Fraktion gegen dieses Projekt sei. Die Abstimmung im vorherigen Gemeinderat für die Umfahrung ging mit 16 zu Null Stimmen aus, allein deswegen, so Bötsch, gelte es, die Entscheidung in Frage zu stellen.

In der Tat war es eine außergewöhnlich gewöhnliche Forstinninger Gemeinderatssitzung vor ziemlich genau vier Jahren an einem Dienstag im Juni 2016. Statt - wie bei Großprojekten üblich - zu debattieren erklärten die Sprecher stellvertretend für ihre Fraktion ihre Zustimmung - und die Sache war beschlossen. In aller Regel sind solch eindeutige Abstimmungen ein Zeichen dafür, dass die Stimmberechtigten sich vorher besprochen haben. Auch das ein Thema für Lisa-Maria Bötsch und ihre Fraktion: Transparenz.

Bötsch erklärt, dass sie dagegen sei, Entscheidungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Grundlage interner Absprachen zu treffen. Vielmehr müsse öffentlich diskutiert werden, sodass die Entscheidungen für das Publikum im Gemeinderat nachvollziehbar sei. Zumal, wie Bötsch erklärt, auch die Forstinninger Jugend mehr in die Überlegungen der Gemeindepolitik einfließen sollten. Für dieses Anliegen dürfte eine gesunde Debattenkultur nicht schaden.

Wie setzt man als kleinste Fraktion Ziele durch? Eine Allianz mit der SPD, die zahlenmäßig ebenbürtig ist, aber mit deutlich mehr Erfahrung und der Dritten Bürgermeisterin Christine Reichl-Gumz ausgestattet ist. Rot-grüne Allianz? Hier ist von Bötsch zu erfahren, dass sie diese Frage vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet.

© SZ vom 23.06.2020

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