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Gemeindepolitik in Markt Schwaben:Alles für das Hallenbad

Tim Zeiff

Rettungsschwimmer, Gemeinderat und in Kürze Student: Der 21-jährige Tim Zeiff aus Markt Schwaben.

(Foto: Privat)

Markt Schwabens Gemeinderat Tim Zeiff, 21, hat eine Mission

Bei der ersten Sitzung des neu gewählten Markt Schwabener Gemeinderats setzte einer der Jüngsten im Raum ein Zeichen. Tim Zeiff, 21, brauchte dafür nicht die Hand zu heben oder gar etwas sagen. Er saß stoisch hinter seiner Wasserflasche, die er neben die Apfelschorle und das Sprudelwasser platziert hatte. Sprudel und Schorle - zwei seit Jahren übliche Dienstleistungen der Verwaltung an den Gemeinderat. Tim Zeiff verzichtete und stillte seinen Durst an jenem Wasser, das er in einem Behälter mitgebracht hatte. Und zwar, wie er später erklären wird, aus Gründen der Sparsamkeit.

Wasser ist sein Element, deswegen hat er sich aufstellen lassen. Zeiffs Mission: der Erhalt des äußerst reparaturanfälligen Markt Schwabener Gemeinde-Hallenbads. "Ich tue alles, was in meiner Macht steht, damit dieses Schwimmbad in irgendeiner Form erhalten bleibt", sagt er bei einem Telefonat am Dienstag. Der Wasserwachtler, Rettungsschwimmer und Schwimmtrainer Zeiff greift damit ein Thema auf, das in Markt Schwaben schon einmal beinahe zu einem Bürgerbegehren geführt hätte. Der Vorgänger-Gemeinderat verhinderte dies nur, indem den Initiatoren per Beschluss ein Grundstück garantiert wurde, auf dem irgendwann mal ein Ersatzbau entstehen könnte. Also falls das alte Hallenbad abgerissen wird - was Zeiff gerne verhindern will.

Gerade erst vereidigt, stehen für Zeiff in den kommenden Wochen die Abschlussprüfungen seiner Mechatroniker-Ausbildung an. Und von Oktober an möchte er der Lehre ein Wirtschaftsingenieurs-Studium an einer Münchner FH folgen lassen. Mit 21 ist Zeiff nach dem 19 Jahre alten Magnus Gfüllner das zweitjüngste Mitglied im generalverjüngten Markt Schwabener Gemeinderat, der Anfang Mai konstituierende Sitzung hatte.

Die Mission Hallenbad hat schon vorher begonnen, noch bevor überhaupt gewählt wurde. Zeiff erzählt von einem Treffen mit Michael Stolze, der damals noch Bürgermeisterkandidat war, und wie er ihm seine Ideen präsentierte: Zeiffs Vision ist, dass die Gemeinde ortsansässige oder -nahe Firmen für Mitarbeiter-Dauerkarten gewinnt, die durch Mengenrabatt für den Betrieb preislich günstig sein sollen. Zeiffs Vorstellung nach müsste das Schwimmbad dann längere Öffnungszeiten einführen - und würde finanziell besser dastehen. Stolze, der spätere Bürgermeister (SPD und Freie Wähler) hörte sich die Ansätze an und reagierte, indem er Zeiff seinerseits einen Vorschlag unterbreitete: Zeiff solle doch für den Gemeinderat kandidieren. Er trat für die Freien Wähler an.

Monate sind seither vergangen, mittlerweile hat Zeiff seine erste Ausschusssitzung überstanden. Und zwar erneut mit seiner eigenhändig befüllten Flasche. Warum er das macht? Zeiff begründet es mit der Finanzlage der Gemeinde (die sich in gelinde gesagt angeschlagenem Zustand befindet). Er erklärt, dass man sich die Ausgaben für die Sitzungsgetränke aus seiner Sicht schenken könne. "Ich bin der Meinung, dass jeder sein eigenes Wasser oder sonstiges Getränk mitnehmen kann."

Sei es in Flaschen, oder in Schwimmbecken. Markt Schwabens Wasser wird Thema bleiben, solange die Gemeinde nicht flüssig ist.

© SZ vom 27.05.2020

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