Die Menschen sind dort in Sicherheit, haben einen Schlafplatz und werden mit Essen und anderen Dingen des täglichen Bedarfs versorgt – ein Platz, an dem man sich wohlfühlt, ist die Flüchtlingsunterkunft im früheren Sparkassengebäude in Ebersberg aber nicht. 380 Menschen leben hier, darunter derzeit 99 Kinder und Jugendliche. Der Ebersberger Bürgermeister Ulrich Proske, der auch Chef der SPD-Kreistagsfraktion ist, fordert nun, dass der Landkreis für sie mehr tut. „Das Wohlergehen, die Entwicklung und die Bedürfnisse von (Klein-)Kindern und Jugendlichen (Ruhe, Schlaf, Spiel, Lernen, Hygiene, Wärme, Schutz) müssen Vorrang vor Belegungslogik haben“, schreibt Proske in dem Antrag der SPD-Fraktion.

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Seit ziemlich genau drei Jahren wird der frühere Verwaltungsbau inzwischen als Unterkunft genutzt, zunächst nur für 170 Menschen, schrittweise wurden die Unterbringungsmöglichkeiten aber immer weiter ausgebaut. Eigentlich sollte das Gebäude als eine Art Verteilzentrum fungieren, in dem die Geflüchteten erst einmal aufgenommen und von dort dann später in andere Einrichtungen gebracht werden. Faktisch klappt das aber nicht. Wie das Landratsamt selbst mitteilt, sei die Weiterverteilung in andere Unterkünfte „aufgrund der Kapazität derzeit nur punktuell möglich“. Die Aufenthaltsdauer sei daher „sehr schwankend“.
Der Ebersberger Bürgermeister weist nun darauf hin, dass die Kreisstadt seit Langem einen wesentlichen Teil der Unterbringungslast für den gesamten Landkreis trage – „engagiert und solidarisch“, wie es in dem Antrag heißt. Das Problem der völlig unzureichenden Infrastruktur für Kinder und Familien müsse aber „unbedingt und schnellstmöglich gelöst werden“.
Der Antrag soll Ende März behandelt werden
Kinder- und Familienräume fehlten in dem Gebäude, also Räume, in denen sich Kinder und Jugendliche zurückziehen können, um Hausaufgaben zu machen oder auch zu spielen. Auch Bereiche, in denen sich Mütter ungestört um ihre Kleinkinder kümmern könnten, sollten nach Wunsch Proskes und der SPD eingerichtet werden. Sie schlagen den früheren Sitzungssaal des Gebäudes hierfür vor. Auch die Sanitärsituation müsse so verbessert werden, „dass insbesondere Kleinkinder und Mütter jederzeit geschützten und idealerweise alleinigen Zugang zu Sanitäranlagen haben“. Für die Umgebung des Gebäudes sieht der Ebersberger Bürgermeister ebenfalls Handlungsbedarf. Die Reinigung und Pflege des Vorplatzes müsse an diesem zentralen Punkt in der Kreisstadt sichergestellt werden.
Behandelt werden soll der Antrag in der Sitzung des Sozialausschusses am 26. März, in einer ersten Stellungnahme dämpfen die Fachleute aus der Verwaltung allerdings die Erwartungen. Der Saal etwa sei zwar derzeit nicht belegt, werde aber dringend für mögliche Buszuweisungen benötigt, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Eine Unterbringung sei sonst nicht sichergestellt. Auch eine Abgrenzung der Sanitäranlagen mit Zugängen speziell für Mütter und Kinder sei „leider nicht möglich“.
Die Zustände außerhalb des Gebäudes sind bisweilen Thema von Beschwerden, wie das Landratsamt mitteilt. Hier arbeite man mit einer Reinigungsfirma zusammen und habe darüber hinaus Arbeitsgelegenheiten für die Bewohner geschaffen. Außerdem spreche man mit den Bewohnern, um Verständnis für das Thema zu schaffen, heißt es aus dem Landratsamt: „In den letzten Wochen ist der Zustand um die Unterkunft auch verbessert worden. Aufgrund der hohen Anzahl an untergebrachten Personen ist dies jedoch ein stetiger Prozess.“

