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Gedenken und Mahnung:404 Soldatenleben aus dem Ersten Weltkrieg

Geste der Versöhnung im Jahr 2016: Jean-Pierre Laparra, Bürgermeister von Fleury-devant-Douaumont, einem der zerstörten Dörfer bei Verdun, pflanzt gemeinsam mit seinem Hohenlindener Amtskollegen Ludwig Maurer einen Baum.

(Foto: Christian Endt)
  • Rolf Kaiser aus Hohenlinden startet ein ehrgeiziges Projekt.
  • 404 Biographien junger Soldaten aus Hohenlinden, die im Ersten Weltkrieg kämpften, sollen zusammengetragen und in Buchform veröffentlicht werden.
  • Derzeit ist eine Auflage von 300 Stück geplant.

Von Barbara Mooser und Philipp Schmitt, Hohenlinden

Der Tod war nicht wählerisch, Franzosen holte er sich ebenso wie Deutsche auf den Schlachtfeldern von Verdun. Auch der 21-jährige Peter Freundl aus dem Weiler Berg bei Hohenlinden musste in Verdun kämpfen, am 28. Mai 1916 wurde er als vermisst gemeldet. Seine Knochen liegen heute wahrscheinlich im Beinhaus von Douaumont in der Nähe von Verdun, mehr als 130 000 nicht identifizierte französische und deutsche Soldaten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Im Jahr 2014 wurde für Peter Freundl ein Gedenkstein im Gewölbe des Beinhauses gesetzt - er war der erste Deutsche, dem diese Ehre zuteil wurde. Eine sehr bewegende Zeremonie sei das gewesen, erinnert sich Bürgermeister Ludwig Maurer, der damals dabei war.

Dieser Gedenkmoment war freilich auch der Anstoß für ein anderes, höchst zeitaufwendiges Projekt, das Rolf Kaiser, der Leiter des historischen Museums des Vereins "Hohenlinden 2000" in Angriff genommen hat: ein Buch über die 404 Hohenlindener, die aus der kleinen Gemeinde in den Ersten Weltkrieg ziehen mussten. 80 von ihnen kamen nicht wieder zurück.

Es soll alles andere als eine Verklärung sein, auch kein Heldengedenken. Die Chronik soll zum Nachdenken anregen, eine Mahnung sein und auf die Bedeutung des Friedens hinweisen, das hat Rolf Kaiser auch bei der Vorstellung des Projekts im Gemeinderat nun unterstrichen.

Tatsächlich hat sich gerade Hohenlinden in besonderer Weise der Völkerverständigung zwischen Deutschen und Franzosen verschrieben. Die Wurzeln hat das in der Erforschung der Schlacht von Hohenlinden, wo sich im Dezember 1800 Bayern, Österreicher und Franzosen auf dem Schlachtfeld gegenüber standen. Heute findet ein reger Austausch zwischen Hohenlinden und mehreren Dörfern im Elsass und anderen Regionen Frankreichs statt; wenn Bürgermeister Ludwig Maurer von den Treffen erzählt, schwingt immer ein wenig Staunen mit - Staunen über die Herzlichkeit, mit denen die Franzosen den einstigen Feinden begegnen, die Freundschaft, die ihnen entgegengebracht wird.

In diesem Herbst wollen die Hohenlindener erneut nach Verdun fahren, an den Feierlichkeiten zum Kriegsende vor 100 Jahren teilnehmen - und auf den Friedhöfen nach Namen von Hohenlindener Kriegsteilnehmern recherchieren

Eine Menge Vorarbeit für das geplante Buchprojekt hat Rolf Kaiser bereits geleistet; er hat im Bayerischen Kriegsarchiv die Stammrollen der Regimenter durchforstet und dort die wichtigsten Daten der Hohenlindener Kriegsteilnehmer gefunden, auch eine alte Chronik und die Aufzeichnungen des örtlichen Kriegervereins nutzte er.

Doch Kaiser besucht auch viele Hohenlindener Familien, deren Namen in den Listen von damals auftauchen - in der Hoffnung, dass sich noch Fotos oder Sterbebilder finden oder vielleicht sogar Nachkommen noch Informationen über das Leben der Hohenlindener Kriegsteilnehmer beitragen können.

Das Buch soll erst einmal in einer Auflage von 300 Stück erscheinen, kosten wird das 7400 Euro. 2000 Euro trägt der Verein "Hohenlinden 2000", für den Rest stellt die Gemeinde dem Verein ein zinsloses Darlehen zur Verfügung. Vom Gemeinderat gab es in der Sitzung aber nicht nur diese Zusage - sondern auch viel Anerkennung für das ehrgeizige Projekt.

© SZ vom 29.03.2018 / mitt, moo/tpa

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