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Gastronomie in Zeiten der Corona:Das Comeback der Biergärten

Tischlein deck dich: Korbinian und Barbara Kugler bereiten sich schon auf den ersten Biergartentag auf der Kugler Alm vor. Auch wenn es noch ein paar Tage dauern wird, bis Wetter und Corona-Lage die ersten Besucher erlaubt, ist die Vorfreude schon groß.

(Foto: Christian Endt)

Ein Kaffee zum Kuchen oder eine Radlermass samt Schweinsbraten im Freien? Die Corona-Regeln erlauben das unter Auflagen wieder. Ein Großteil der Wirte im Landkreis Ebersberg zieht mit, um so schnell wie möglich zu öffnen

Von Johannes Korsche, Ebersberg

Jeden Morgen, gleich nach dem Aufstehen, schaut Magdalena Kreitmaier auf die Internetseite des Landratsamtes. Sie will wissen, wie sich die Inzidenzzahlen im Landkreis Ebersberg entwickeln, so wie man früher wissen wollte, wie das Wetter wird. Sie betreibt das Café Kreitmaier am Grafinger Marktplatz. Wie der Landtag am Mittwoch beschlossen hat, dürfen sich maximal fünf Personen aus höchstens zwei Haushalten wieder draußen auf ein Bier oder ein Eis hinsetzen, wenn sie negativ getestet, vollständig geimpft oder nach einer Corona-Infektion genesen sind. Bedingung: Fünf Tage muss der Inzidenzwert im Landkreis unter 100 sein, dann kann das Landratsamt die Öffnung erlauben. Kreitmaier hofft jeden Morgen, dass die Zahl weit genug sinkt. "Es gibt dann einfach ein anderes Lebensgefühl", sagt sie. Die Leute wollen endlich wieder am Grafinger Marktplatz "beim Kaffee, beim Frühstück sitzen und die anderen Leute beobachten". Können sich die Ebersberger also schon mal auf Biergarten- und Café-Besuche freuen? Ein Rundruf im Landkreis.

Zumindest sah es am Freitagmorgen ganz gut aus, dass Ende kommender Woche, vielleicht sogar ein bisschen früher die Biergärten öffnen dürfen. Das Wetter tut ein übriges, an diesem Wochenende sollen die Temperaturen auf mehr als 20 Grad klettern. Und die Infektionszahlen sinken auch. Am letzten Aprilfreitag steckten sich noch 158 Ebersberger pro 100 000 Einwohner in einer Woche an, an diesem Freitagmorgen waren es laut Robert-Koch-Institut nur noch 94,7. Zumindest vorerst. Denn wie sich nur wenig später herausstellte, kam es zu einem Übertragungsfehler. Die tatsächliche Inzidenz sank zwar im Wochenvergleich, allerdings doch nicht ganz so stark. Eigentlich liegt sie bei 121.

Genau diese Unsicherheit lässt Benjamin Karweina noch zögern. Er betreibt die Schlossgaststätte Falkenberg bei Moosach und ist einer der wenigen Gastronomen, die erst abwarten wollen. Denn es gebe da noch eine andere Frage: Was, wenn der Inzidenzwert wieder dauerhaft steigt? "Dann muss ich wieder zumachen, das kostet richtig Geld." Schließlich müsse er dann das Personal bezahlen und auch die Getränke und Speisen bekäme er dann nicht mehr verkauft. An einem schönen Sonntag kümmern sich bis zu zwölf Mitarbeiter um die etwa 200 Gäste in der Schlossgaststätte zwischen Oberpframmern und Grafing. Um die 100 Ausflügler könnten es wohl unter Berücksichtigung der Hygiene-Maßnahmen sein, vermutet Karweina. Da kämen schon ein paar Schweinsbraten zusammen, die er einkaufen müsste.

"Es ist schwierig", sagt er, "grundsätzlich würden wir uns schon freuen, wenn wir wieder aufmachen könnten." Sein Vorschlag, um mehr Sicherheit zu haben: Bis Pfingsten alles zu und dann wird geöffnet - und es bleibt dann auch offen. Einstweilen will Karweina aber abwarten, wie stabil die Corona-Situation bleibt und es zunächst beim To-Go-Angebot belassen.

Deutlich zuversichtlicher schaut Markus Steinberger vom Glonner Marktblick in die kommenden Wochen und Monate. "Wir sind auf jeden Fall dabei", sagt er und meint den ersten Tag, wenn er seine etwa 50 Plätze im Freien wieder bewirten darf. "Die Gäste lechzen danach", hat er beobachtet. Und auch seine Vorfreude ist in jedem Satz hörbar: "Wir sind ja Gastgeber, wir wollen endlich wieder für die Gäste da sein." Seinen drei Festangestellten habe er die gesamte Coronazeit den vollen Lohn gezahlt, auch das ausgefallene Trinkgeld. Aber allein für die Aushilfen wäre es wichtig, bald zu öffnen. "Die sind auch froh." Es gehe ihm vor allem darum, dass die Stimmung für alle positiver werde. Grund gebe es ja: die Impfungen, der Frühling - und dann hoffentlich bald geöffnete Lokale.

Dafür bereiten Markus Steinberger und seine Frau Ilonka den Glonner Marktblick schon vor. Nicht nur den Außenbereich, der bald größer sein soll, wenn dort, wo heute noch vier Parkplätze sind, künftig noch mehr Stühle und Tische stehen. Auch der Innenbereich soll wachsen, sie haben beschlossen, das Reisebüro neben dem Marktblick zu übernehmen. Aktuell werkeln sie an der Küche. Aufbruchstimmung, selbst am Telefon.

Die klingt auch bei Anja Lemmerich vom Café Mainstreet in Poing aus dem Telefonhörer. Sie hat das Bio-Café im März eröffnet, einen "normalen" Café-Betrieb kennt sie bisher gar nicht. Vielleicht kann sie es auch deswegen kaum erwarten: "Wir wollen loslegen", sagt Lemmerich. Für die Tische will sie kleine Blumen besorgen und auch die Getränkebestellung ist schon vorbereitet. Wie sie die Tische stellen wird, weiß sie auch schon, das Hygiene-Konzept steht. "Wir sind gerüstet."

"Die Vorfreude ist riesig", sagt auch Korbinian Kugler und schiebt hinterher, "mit gewissen Restzweifeln". Er betreibt die Kugler Alm in der Kreisstadt und ist stellvertretender Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes in Ebersberg. Sobald es möglich ist, werde er seinen Biergarten mit etwa 200 Plätzen öffnen. Auch weil er merkt, wie sehr sich die Ebersberger schon darauf freuen. "Die vergangenen Tage werde ich laufend angerufen, die Leute wollen schon reservieren." Ganz so schnell wird es aber nicht klappen mit der Öffnung bei ihm.

Auch weil manche Fragen noch offen seien: Wie soll das zum Beispiel mit den Tests ablaufen? Gerade wenn man sich bei einer Radltour spontan entschließt, einzukehren. "Ob die Gäste immer einen aktuellen Schnelltest dabei haben?" fragt Kugler sich. Eher nicht. Deswegen wünscht er sich ein engmaschiges Netz von Teststationen im gesamten Landkreis Ebersberg, bei denen man sich auch kurzfristig am Wochenende testen lassen kann. Er will das zum Beispiel auf seinem Parkplatz anbieten. "Eine Woche brauchen wir für die Vorbereitung mindestens", sagt Kugler. Denn es sei noch einiges zu tun: Bänke und Stühle säubern, Toiletten putzen, Fässer anzapfen und Mitarbeiter schulen. "Ein Riesenaufwand." Aber die Vorfreude überwiegt.

© SZ vom 08.05.2021
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