Gastronomie im Landkreis:Nach Landlust und Laune

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Gastronomie im Landkreis: Das Vaterstettener Gasthaus Landlust wurde nun mit einer Urkunde für seine ausgezeichnete bayerische Küche gewürdigt.

Das Vaterstettener Gasthaus Landlust wurde nun mit einer Urkunde für seine ausgezeichnete bayerische Küche gewürdigt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Lockdown stand das Aus bevor, doch dann sprudelten die Ideen: Wegen der Regionalität seiner Küche ist ein Vaterstettener Gasthaus nun ausgezeichnet worden.

Von Franziska Langhammer, Vaterstetten

Während draußen behäbige Regentropfen von den Blättern der ausladenden Kastanienbäume perlen, strahlt die Gaststube des Restaurants Landlust am Reitsberger Hof in Vaterstetten in allen Ecken eine zufriedene Behaglichkeit aus. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm, der mit dem Eintreffen der Mittagsgäste einsetzen wird. Die Vorhänge sind orange gemustert, weiße und gelbe Rosen stehen zu kleinen Sträußchen gebunden auf den Tischen, eine lange Tafel ist schon eingedeckt für den Freitagsstammtisch. Neben den gemütlichen Gaststuben und einem großen Biergarten gibt auf dem Gelände des Reitsberger Hofs ein historischer Zirkuswagen, in dem man im Winter fürstlich speisen kann, eine Grillhütte, ein kleiner Schäferwagen sowie eine Kegelbahn, die mehr als hundert Jahre alt ist. "Das ist alles nach und nach passiert", erzählt die Wirtin Anna Link.

Anscheinend weiß aber in der Landlust nicht nur das Ambiente zu überzeugen, sondern auch das Essen: Kürzlich durfte Anna Link, die das Lokal gemeinsam mit ihrem Mann Christoph leitet, eine Urkunde mit der Würdigung "Ausgezeichnete Bayerische Küche" von der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in Empfang nehmen. Bei diesem Siegel stehen vor allem die Authentizität und Regionalität der Küche im Mittelpunkt. Alle drei Jahre können sich Gastronomie-Betriebe bewerben, um entweder zwei oder drei Rauten. "Wir haben uns gleich um drei beworben", sagt Anna Link - denn in der Landlust wird nicht nur darauf geachtet, möglichst regional, sondern auch saisonal zu arbeiten.

Gastronomie im Landkreis: Auch das Ambiente der Wirtschaft auf dem Reitsberger Hof weiß zu überzeugen.

Auch das Ambiente der Wirtschaft auf dem Reitsberger Hof weiß zu überzeugen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

So stehen an diesem Tag im September etwa Quinoa-Bratlinge mit herbstlichem Kürbisragout und mariniertem Wildkräutersalat auf der Speisekarte, oder auch Aprikosen-Rosmarin-Frischkäse im Weckglas mit frischem Bauernbrot. Etwa 25 Betriebe aus der Region beliefern die Landlust mit Eiern, Bier oder Kartoffeln. Schnaps, Apfelsaft und Honig werde auf dem Hof selbst hergestellt, erzählt Christoph Link. So richtig Fahrt aufgenommen hatte diese Entwicklung indes erst mit Beginn der Pandemie, als das Gasthaus eigentlich kurz vor der Schließung stand. Aber von vorne.

Mit dem kulinarischen Angebot auf dem Areal des Reitsberger Hofs in Vaterstetten begonnen habe 1995 eine Tante, erzählt Anna Link. Es gab damals ein kleines Reiterstüberl mit viel kleinerer Küche. Weil das aber sehr gut bei den Gästen ankam, baute die Tante die Speisekarte immer weiter aus - bis sie ein tolles Angebot in Dietramszell bekam und die Vaterstettener Gastwirtschaft abgab. Es folgten zwei Pächter, bei denen es mäßig lief.

Gastronomie im Landkreis: Freuen sich sehr über die Auszeichnung ihrer Küche: Sous Chef Stefan Etterer sowie die Wirtsleute Anna und Christoph Link.

Freuen sich sehr über die Auszeichnung ihrer Küche: Sous Chef Stefan Etterer sowie die Wirtsleute Anna und Christoph Link.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Während ihrer Lehrzeit zur Hotelfachfrau im Münchner Hotel Platzl lernt Anna Link ihren Mann Christoph kennen, der sich dort zum Koch ausbilden lässt, und 2011 beschließen die beiden, die Gastwirtschaft der Landlust zu übernehmen. Und es läuft gut. Die Leute nehmen das Angebot in Vaterstetten gerne an, auch die Münchner entdecken das Landgut nach und nach für sich. Doch dann kommt Corona, und die Küche bleibt kalt. "Es stand sogar im Raum, ob wir zumachen müssen", erinnert sich Anna Link.

Gleichzeitig bekommen die Wirte weiterhin die Ware von ihren regionalen Lieferanten. Und so machen die Links aus der Not eine Tugend: Sie beschließen, die Produkte selbst zu verkaufen, in einem Hofladen mit Drive-in. Die Kunden müssen nicht mal aus dem Auto aussteigen, um die vorgepackte Ware abzuholen. Immer mehr Bauern und Betriebe aus der Region melden sich, alle wollen ihre Ware anliefern. Bei einem erfahrenen Imker gehen die Links in die Lehre und lernen, wie man selbst Honig herstellt; zwanzig Völker haben sie heute. Das Seniorenheim Baldham fragt an, ob die Landlust nicht dessen Verpflegung übernehmen wolle. Und so nimmt das Ganze an Fahrt auf. "Da haben wir wieder zu kochen angefangen", sagt Link.

Gastronomie im Landkreis: Die Landlust punktet mit vielen regionalen Produkten wie einem hofeigenen Schnaps.

Die Landlust punktet mit vielen regionalen Produkten wie einem hofeigenen Schnaps.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zu Anlässen wie dem Maibaumaufstellen lassen sich die Wirte etwas Besonderes einfallen: Im Garten der Landlust gibt es verschiedene Stände, an denen sich die Gäste Hendl oder Steckerlfisch abholen und mit nach Hause nehmen können. Zu Sankt Martin sind ebenfalls verschiedene Stationen aufgebaut, welche die Kinder tags und abends mit ihren Laternen abgehen können; natürlich inklusive gebackener St.-Martins-Gänse und Kinderpunsch. Dieser Laternen-Weg kommt so gut an, dass er mittlerweile ein fester Bestandteil im Herbstprogramm der Landlust ist. "Das geht aber nur, wenn andere Leute mitziehen", sagt Anna Link. Heute sind rund 30 Personen in der Gastwirtschaft beschäftigt.

Auch wenn man sich dafür manchmal aus alten Denkmustern herausbewegen muss, scheint es auf dem Reisberger Hof für alles eine Lösung zu geben. "Heut ist der Hofladen in den Stall reingepackt", sagt Anna Link und lacht, "in die Milli-Kammer". Und auch ohne Corona bleiben die Links kreativ: Als nächstes wollen sie ein kleines Backhaus mit Konditorei auf dem Hof etablieren.

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