GastronomieBiergarten Grub bleibt wegen Renovierung geschlossen

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Gähnende Leere herrscht derzeit im Biergarten am Gruber S-Bahnhof. Das beliebte Ausflugsziel bleibt wegen Renovierungsarbeiten ein Jahr lang geschlossen.
Gähnende Leere herrscht derzeit im Biergarten am Gruber S-Bahnhof. Das beliebte Ausflugsziel bleibt wegen Renovierungsarbeiten ein Jahr lang geschlossen. Christian Endt

Dieses Jahr haben die Biergartenfreunde vergeblich darauf gewartet, dass der Gasthof Grub an der S-Bahn nach seiner traditionellen Winterpause wieder eröffnet. Warum dies so ist und wie es weitergeht.

Von Michaela Pelz, Poing

Die Sonne lacht vom Himmel herab, der Durst ist groß. Nicht nur, wer in den Pfingstferien zu den Daheimgebliebenen gehört, nutzt lauschige Abende gern für einen „Urlaub light“ in einem der etwa 1000 bayerischen Biergärten. Das sind mehr, so der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bayern), als in jedem anderen Bundesland. Darum trifft es Stammgäste wie gelegentliche Gäste besonders hart, wenn eines ihrer liebsten Ausflugsziele schließt. Wie der Gasthof Grub im gleichnamigen Poinger Ortsteil, etwa 20 Kilometer von München entfernt.

Laut einer Sprecherin der Bayerischen Staatsgüter (BaySG), die für den Gasthof zuständig sind, ist das direkt an der S-Bahn-Station gelegene Lokal seit 1. November 2024 geschlossen. Wobei eine Schließung über die Wintermonate nichts Ungewöhnliches sei, sondern seit einigen Jahren die Regel in der beliebten Wirtschaft war, erzählt der Poinger Bürgermeister Thomas Stark. Doch von April an habe man bisher stets mit einer Wiedereröffnung rechnen können.

Darum sei es auch für ihn überraschend und sehr bedauerlich gewesen, als er Ende des vergangenen Jahres erfahren habe, dass das Pachtverhältnis aus gesundheitlichen Gründen beendet worden sei. Deshalb werde es 2025 keinen Betrieb in der Freiluftgaststätte geben. „Seit 35 Jahren besuche ich diesen Biergarten regelmäßig. Wie viele andere bin ich am ersten schönen Frühlingstag, wenn es warm war, hingefahren“, sagt Stark. Die Lage des Biergartens sei durch die gute Erreichbarkeit, „ob per Radl oder S-Bahn“, optimal. Dank seiner alten Kastanien sei er gerade im Sommer eine „absolute Oase“, schwärmt der Bürgermeister. Und die Preise des früheren Pächters seien „wirklich fair“ gewesen.

Nach Auskunft der BaySG hat der Pächter nach über zwölf Jahren den Betrieb des Gasthofs aufgegeben. Damit ist er kein Einzelfall. Wie Dehoga-Sprecher Frank-Ulrich John mitteilt, haben zwischen Jahresbeginn 2023 und April 2025 insgesamt 113 Gastronomiebetriebe im Landkreis Ebersberg aus verschiedenen Gründen ihre Pforten geschlossen. Zur Einordnung: Nach Auskunft des Bayerischen Landesamts für Statistik gab es im Jahr 2023  – neuere Zahlen liegen nicht vor – im Landkreis Ebersberg 247 „Niederlassungen mit gastronomischem Angebot“ gegenüber 10 685 in Oberbayern und 30 733 in ganz Bayern. Grundsätzlich, informiert die Behörde weiter, hielten sich aber in der sehr dynamischen Gastrobranche Neugründungen und vollständige Aufgaben die Waage.

Am Ausschank waren früher lange Schlangen durstiger Menschen angestanden.
Am Ausschank waren früher lange Schlangen durstiger Menschen angestanden. Christian Endt

Dennoch gibt John zu bedenken: „Mit jedem Wirtshaus, das schließt, stirbt ein Stück Tradition“, seien doch Gaststättenbetriebe das „öffentliche Wohnzimmer der Nation“. Umso erfreulicher findet er es, dass in Grub das Aus kein endgültiges ist. Denn wie die BaySG weiter informiert, sei die aktuelle Zäsur genutzt worden, „um den Gasthof über die Immobilien Freistaat Bayern an das Staatliche Hofbräuhaus München zur Nutzung zu übergeben, das über die notwendige gastronomische Expertise verfügt. Der Übergabeprozess steht derzeit kurz vor dem Abschluss.“

Stefan Hempl, Pressesprecher der Brauerei, sagt, dass sowohl für das Haus als auch die Nebengebäude im Biergarten umfangreiche Renovierungsarbeiten geplant seien. Man sei bereits in Gesprächen mit Fachleuten und Architekten. Auf eine schnelle Lösung dürfen Bürgerinnen und Bürger allerdings nicht hoffen: „So wie die Dinge liegen, werden wir in diesem Jahr nicht mehr aufmachen“, sagt Hempl.

So sieht es auch Bürgermeister Stark: „Das ist eine größere, bauliche Maßnahme – die dauert. Das schafft man heuer nicht mehr.“ Zumal es auch baurechtliche Fragen zu klären gebe: „Wir sind da auch involviert, das läuft alles.“ Dann berichtet Stark von Anfragen, ob man jetzt im Sommer nicht einen reinen „Pop-Up-Biergarten“ errichten könne. Das aber sei leider ausgeschlossen. Zwar habe man schon bisher Gastraum und Nebenzimmer im Hauptgebäude nicht genutzt, sondern nur die Küche und die sanitären Anlagen. Letztere seien, ebenso wie die Haustechnik, in desolatem Zustand „und die Küche fehlt ganz“.

Fast jeder Tisch war früher besetzt. Der Gruber Biergarten war zünftig, so wie es sich ein Bayer wünscht und wie es den Vorstellungen Auswärtiger entspricht (Archivbild).
Fast jeder Tisch war früher besetzt. Der Gruber Biergarten war zünftig, so wie es sich ein Bayer wünscht und wie es den Vorstellungen Auswärtiger entspricht (Archivbild). Peter Hinz-Rosin

Die gute Küche, oder besser, den „besten Schweinsbraten mit Knödeln“ vermisst eine Poingerin jetzt schon schmerzlich. Nicht nur, wenn die Verwandtschaft aus Hessen zu Besuch kam, sei ein Zwischenstopp im Gruber Gasthof obligatorisch gewesen. Auch sonst habe man in dem „Biergarten, wie ihn sich der Bayer wünscht und die Auswärtigen vorstellen“ stets Bekannte aus Sportverein, Tennisclub oder Freundesclique getroffen, ob aus Heimstetten oder Poing.

Die Begeisterung der Bevölkerung ist sicher ein Grund für das große Interesse der Gemeinde an einem Weiterbetrieb der Wirtschaft als Magnet für Jung und Alt. Familien hätten den Spielbereich zu schätzen gewusst, da „ihre Kinder dort durch die Umzäunung nicht ausbüxen konnten“, so Stark. Und auch wer nicht gut zu Fuß sei, habe sich problemlos treffen können – „in zwei Minuten ist man vom S-Bahnsteig in der Wirtschaft.“ Aufgrund der größeren Entfernung zur Wohnbebauung habe man abends gut und lange sitzen können, ohne dass jemand gestört worden sei. Darum hofft nicht nur der Bürgermeister, „dass wir nächstes Jahr dort wieder schön anzapfen können“.

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