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Ganztagsschule:Nachmittags nicht allein zu Haus

Grundschüler sollen einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung erhalten. Im Landkreis müssten dazu Hunderte neuer Plätze geschaffen werden, die Kommunen fordern dafür Geld aus Berlin

Lange lehnte die CSU ihn ab, nun haben Union und SPD ihn im Koalitionsvertrag verankert: Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler soll bald Wirklichkeit werden. Die Absage der Kommunen kam prompt: Dies sei jedoch kaum erfüllbar; es fehle an Personal und finanziellen Mitteln, argumentierte kürzlich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds Gerd Landsberg gegenüber der Funke Mediengruppe. Auch im Landkreis Ebersberg würde der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in der Ganztagsschule die Gemeinden nicht nur finanziell erheblich belasten.

Während in den letzten Jahren das Angebot an Kitaplätzen für die Kleinsten massiv ausgebaut wurde, stehen viele Eltern von Grundschülern vor einem großen Problem: Wie sollen sie Ganztagsjob und Betreuung ihres Kindes unter einen Hut bekommen? Bis zu 80 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren haben laut Bayern-SPD keine ausreichende Betreuung am Nachmittag. Die Vorgaben, so sind sich die Ebersberger Gemeinden einig, könnten nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn die Regierung dazu Mittel und Personal zur Verfügung stellt. "Auch wenn wir momentan gut aufgestellt sind", sagt Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel (CSU), "wenn wirklich alle Kinder einen Platz beanspruchen würden, hätten wir ein Problem."

Selbst die derzeitige Betreuung sei nur mit viel Improvisation zu lösen. Momentan wird etwa der Sitzungssaal des Gemeinderats im Rathaus jeden Nachmittag zur Spielwiese und für die Hausaufgabenbetreuung umfunktioniert. "Wenn die Regierung einen gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung umsetzen will, muss sie uns finanziell auch unterstützen", sagt Ockel. Gleichzeitig betont er, dass der Anspruch auch verpflichtend sein müsse: "Wenn wir die Ganztagsschule einführen, müssen sie auch alle Schüler nutzen." Auch Piet Mayr (CSU), Bürgermeister von Zorneding, hofft auf Zuschüsse und Fördermittel der Regierung. Abgesehen davon seien die Schule und die Gemeinde schon in Vorbereitungen: "Es laufen Planungen, einen Ganztagsschulzug der Grundschule im Umfeld der Schule räumlich zu ermöglichen", so Mayr.

"Als sozialdemokratischer Bürgermeister begrüße ich den Rechtsanspruch ausdrücklich", sagt Albert Hingerl (SPD), Bürgermeister von Poing. Nur so sei eine Planungssicherheit der Eltern sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet. Auch Hingerl sieht die Regierung in Sachen Personal und Haushaltsmittel in der Pflicht: "Die Kommunen sind nicht in der Lage, die Umsetzung auf ihre Kosten zu tragen."

Derzeit werden an den Grundschulen im Landkreis Ebersberg drei Modelle der Ganztagsbetreuung praktiziert: die gebundene und die offene Ganztagsschule sowie die Mittagsbetreuung. Von den etwa 5400 Ebersberger Grundschülern nehmen ungefähr die Hälfte diese Angebote in Anspruch. Zusätzlich besuchen 1467 Grundschüler eine Horteinrichtung. "Wir bemühen uns, bei der Schuleinschreibung im Vorfeld den Bedarf zu eruieren", sagt Angela Sauter, Leiterin des Schulamts Ebersberg.

Die gebundene Ganztagsschule wird momentan an vier Schulen im Landkreis praktiziert, unter anderem an Grundschulen in Poing, Grafing und Vaterstetten. Sie richtet sich nach der jeweiligen Klassenstärke: Gibt es beispielsweise 18 Kinder in der Klasse, werden auch 18 Plätze in der Ganztagsschule für sie bereitgestellt. Nach dem Schulvormittag bekommen die Kinder ein Mittagessen, das die Eltern bezahlen müssen; danach werden sie nochmals von Lehrern bis 16 Uhr betreut. Die Nachfrage dafür, so Angela Sauter, sei in diesem Jahr aber geringer gewesen als erwartet. Diese Form der Ganztagsschule erhält von staatlicher Seite eine sehr hohe Förderung; sie wird momentan im Landkreis von 404 Kindern genutzt.

Bei der offenen Ganztagsschule können die Kinder nach dem Mittagessen sozialpädagogischen Dienst und qualifizierte Hausaufgabenbetreuung in Anspruch nehmen. Dabei ist es möglich, verschiedene Tage zu buchen; dieses Modell ist also flexibler als die gebundene Ganztagsschule und kann besser auf die Bedürfnisse und das Freizeitverhalten der Schüler eingehen. Früher gab es diese Schulform nur an Mittelschulen, derzeit wird sie an drei Schulen im Landkreis praktiziert, unter anderem an der Freien Schule Glonntal. Momentan nehmen im Landkreis 360 Kinder diesen Dienst in Anspruch.

Am häufigsten nehmen Grundschüler im Landkreis die Mittagsbetreuung wahr. "Diese Form wird von den Eltern im Überwiegenden gewünscht", sagt Angela Sauter. Im Landkreis gibt es 1534 Grundschüler in 105 Gruppen, die entweder bis 14 Uhr, bis 15.30 Uhr oder bis 17 Uhr betreut werden; dann mit sozialpädagogischer Betreuung. Diese Betreuung erfolgt zwar in den Gebäuden der Schulen, wird jedoch von externen Anbietern geleistet.