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Führungskrise in der Frauen-Union:Alles auf Mitte

In Poing und Glonn findet die Frauen-Union keine Vorsitzende mehr. Nach der Auflösung der beiden Ortsverbände will die Arbeitsgemeinschaft der CSU ihre Kräfte stärker bündeln

Die Frauen-Union (FU) im Landkreis will sich künftig kompakter aufstellen. Statt mehrerer kleiner Zusammenschlüsse auf Gemeindeebene sollen die Interessen des CSU-Arbeitskreises in wenigen großen Ortsverbänden gebündelt werden, kündigte Kreisvorsitzende Susanne Linhart an. Sie reagierte damit auf die Auflösung des FU-Ortsverbandes in Glonn Anfang Februar. Dessen Vorsitzende Gabriele Pupp stand für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung, Bewerberinnen für die Nachfolge hat es nicht gegeben. Im Februar 2011 hatte sich bereits der Poinger FU-Ortsverband aufgelöst. Auch dort lautete die Begründung, keine Frauen für die Vorstandsarbeit zu finden. Übrig bleiben nun acht Ortsverbände in Anzing, Aßling, Ebersberg, Forstinning, Grafing, Markt Schwaben, Vaterstetten und Zorneding.

Dass die Glonner Frauen-Union Geschichte ist, scheint exemplarisch für einen Riss zu stehen, der sich durch die FU im Landkreis zieht. So können offenbar nicht alle der rund 460 Mitglieder mit dem Tempo Schritt halten, das die Landesvorsitzende und Vaterstettener Europapolitikerin Angelika Niebler beim Umbau des Frauenbildes in der CSU vorgibt. Statt sich für Frauenquoten in Politik und Wirtschaft einzusetzen und den Ausbau von Kitaplätzen voranzutreiben, sehen andere Mitglieder ihre Stärke im gesellschaftlichen Wirken. So hob die Glonner Ortsvorsitzende Gabriele Pupp als besondere Aktivitäten ihres Ortsverbandes die Organisation der Adventskonzerte und die Stiftung einer Ruhebank am Glonner Waldfriedhof hervor. Und auch die Vorsitzende des Poinger Ortsverbandes betonte in ihrer Bilanz Veranstaltungen wie den offenen Treff und den Bücherflohmarkt, eine Spargelfahrt nach Schrobenhausen und die Besuche von Weihnachtsmärkten als Höhepunkte der FU-Aktivitäten.

"Wir wollen die Frauen-Union schon lange entstauben", sagt hingegen Susanne Linhart, die gerne das politische Engagement von Frauen im Mittelpunkt der FU-Arbeit im Landkreis sehen würde. Die Grafingerin stellt dabei aber ein Nord-Süd-Gefälle fest. "Je ländlicher es wird, desto schwieriger ist es, Frauen für die Politik zu motivieren." Allzu häufig höre sie noch als Antwort: "Da muss ich erst meinen Mann fragen." Diese Erfahrung hat auch Gabriele Pupp in ihrem Glonner Ortsverband gemacht. "Auf dem Land ist das noch anders", sagt Pupp. "Hier bleiben junge Frauen zuhause bei den Kindern, während die Ehrenämter von den Männern belegt werden." Auch sie selbst sei Verfechterin dieses klassischen Modells, weshalb es umso schwieriger sei, junge Frauen für das Engagement in der FU und darüber hinaus in der Kommunalpolitik zu rekrutieren. Das schlägt sich in der Altersstruktur der 26 Glonner FU-Mitglieder nieder. "Sie sind alle so etwa in meinem Alter", sagt die 58-Jährige.

Aufgenommen worden sind die Glonner CSU-Frauen nun im Grafinger Ortsverband. "Da sind wir eine schlagkräftige Truppe", begrüßt Susanne Linhart die FU-Fusion als Modell, das Zukunft haben soll. Denn die Probleme, die zur Auflösung des Glonner Ortsverbandes geführt haben, seien ihr auch aus anderen Ortsverbänden bekannt. Frust entstehe darüber hinaus bei der arbeitsintensiven Organisation von Veranstaltungen oder Vorträgen. Wenn dann in einem Ortsverband mit 20 bis 30 Mitgliedern nur die Hälfte erscheine, sei das ernüchternd, sagt Linhart. Deshalb habe der FU-Kreisvorstand überlegt, die Angebote in drei bis vier großen Ortsverbänden zu zentralisieren. Dabei dürfte es sich um Ebersberg, Markt Schwaben, Vaterstetten und Zorneding handeln. Bettina Zetzl aus Vaterstetten, die im Frühjahr Linharts Nachfolgerin als Kreisvorsitzende werden soll, weil diese für den Bezirkstag kandidiert, werde die Zentralisierung der FU zuende führen. "Damit wir auch weiterhin attraktiv bleiben", wie Linhart sagt.

Gabriele Pupp verspricht unterdessen, dass die Fusion mit Grafing nicht zum Nachteil der Glonner Frauen sein wird. So soll es auch in Zukunft Veranstaltungen mit Glonner Themen geben. Susanne Linhart wünscht sich dafür, dass sich eine Glonner FU-Frau findet, die am kommenden Mittwoch, 20. Februar, bei den Vorstandswahlen des Grafinger Ortsverbandes kandidieren wird.