Freiluftmöbel in Markt Schwaben Dieser Holzwürfel hat ein ungeahntes Innenleben

Selbstentfaltung: Nach einer Idee von Elena Engelmann (vorne) hat der einfach wirkende Würfel (im Modell ganz vorne) ein ungeahntes Innenleben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vor dem Markt Schwabener Rathaus basteln Architektur-Studenten Freiluftmöbel aus recyceltem Holz. Die besten sollen im Ort einen Platz bekommen.

Reportage von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Nicht geleimt und nicht genagelt. Professor Hermann Kaufmann möchte das Bücherregal geschraubt serviert bekommen. Deswegen hat Elena Engelmann keinen Leimtopf in der Hand, sondern einen Akkubohrer. Die 20-Jährige ist heute mit ihren Kommilitonen von München nach Markt Schwaben gekommen, um vor dem Rathaus Möbel aus Müll zu basteln. Der Auftrag für sie und ihre Gruppe: Sie sollen aus dünnen Fichtenlatten und einem Trumm Wellblech ein "modulares Sitzelement zum Büchertausch" entwerfen. Also eine Art entfaltbares Möbelstück, wo sowohl Gesäße als auch Groschenromane ihren Platz haben.

Am Mittwochvormittag geht es auf dem Vorplatz des Markt Schwabener Rathauses zu wie auf einer Heimwerkermesse. Es rummst und rauscht und kracht. Seit Dienstag sind hier 150 Architekturstudenten der TU München für ein Projekt im Einsatz. In 24 Sechser-Gruppen treten sie im Fach "Holzbau" in einem Wettbewerb gegeneinander an. Wobei es weniger um den Konkurrenzkampf als um den Nachhaltigkeitsgedanken geht. "Mehrwerthof" lautet das Projekt - eine Gemeinschaftsaktion der TU München, der gemeinnützigen Hans Sauer Stiftung und der Gemeinde Markt Schwaben. Das Konzept: Die Studenten verwenden Recyclingteile für ihre Entwürfe, also nicht gerade klassische Baumaterialien - dafür aber umweltfreundlich.

Ziemlich unfreundlich klingen hingegen die Kreissägen durch den Markt Schwabener Morgen, man dürfte ihren Sound bis hinauf ins Büro vom Bürgermeister hören. Leonie Straub und ihre Gruppe haben die groben Sägearbeiten allerdings mittlerweile erledigt. Sie müssen jetzt eine Lkw-Plane zurechtschneiden. "Sie soll das Dach unseres Regals werden", erklärt Straub, 23 Jahre alt und wie alle hier im zweiten Bachelor-Semester an der TU-Fakultät für Architektur. Ein Dach für ein Bücherregal? "Unbedingt", sagt Straubs Projektpartnerin Nadine Rott, 29. Die Konstruktionen sollen nämlich nicht für Wohnzimmer konzipiert sein, sondern als Freiluftmöbel.

Die besten Möbel sollen nachgebaut werden

Gegen Mittag geht es hier auf die Zielgerade, es wird geschraubt und gefeilt und gefachsimpelt. Für die Studenten ist dieser interne Wettbewerb eine besondere Herausforderung, erklärt Maren Kohaus, Diplom-Architektin und Dozentin. "Sie führen hier alle Leistungsphasen von eins: Grundlagenermittlung bis neun: Objektbetreuung" selbst durch, sagt sie. Die Gemeinde Markt Schwaben bietet den Studenten dafür ihren Rathausvorplatz als Ausprobierplattform, mit allem was dazugehört: Der örtliche Wertstoffhof stellte die Recyclingmaterialien zur Verfügung. Und der Bauhof kümmerte sich um den Stromanschluss, damit die Kreissäge ihre herrliche Wucht entfalten kann.

Am Mittwochvormittag geht es auf dem Vorplatz des Markt Schwabener Rathauses zu wie auf einer Heimwerkermesse.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Gemeinde profitiert jedoch im Gegenzug vom Ergebnis des zweitägigen Gewurrls und Krachs: Am Samstag, 18. Mai, können Markt Schwabens Bürger die sechs besten Entwürfe auswählen, sie sind also dann die Jury. "Die ausgewählten Entwürfe sollen weiterverwendet, nachgebaut und zeitweise in Markt Schwaben aufgestellt werden", erklärt eine Sprecherin der Gemeinde. Etwa vor dem Rathaus, an der Bücherei oder auf dem Marktplatz - wo genau sollen die Bürger ebenfalls am Samstag bestimmen.

Zurück im Getümmel. Gegen Mittag sind die Sägegeräusche verstummt, für die Studenten steht der Feinschliff an. Bei fast allen der 24 Entwürfe ist so langsam aber sicher erkennbar, was die Holzkonstruktion darstellen soll. Beim Modell der 20-jährigen Elena Engelmann und ihrem gleichaltrigen Kommilitonen Valentin Breitsamer erinnert jedoch nach wie vor wenig an Sitz- und Lesegelegenheiten. Ihr Modell ist ein fast quadratischer Würfel aus Holz, der eher an moderne Kunst als an ein Möbelstück erinnert. Doch Elena Engelmann, Valentin Breitsamer und ihre vier Kommilitonen wären keine angehenden Architekten, hätten sie nicht noch eine Überraschung im Petto: Ihr Würfel lässt sich aufklappen. Und so kommt eine hübsche Lesenische mit Bankerl zur Entfaltung.

Auf der Markt Schwabener Bürgerversammlung am Donnerstag, 19 Uhr, werden die Entwürfe vorgestellt. Abstimmen können interessierte Bürger am Samstag von 13 bis 15.30 Uhr, in dieser Zeit können die Holzkonstruktionen auf dem Schlossplatz vor dem Rathaus besichtigt werden. Bei Regen weicht die Veranstaltung auf die Halle des Bauhofs aus. Die Gewinner werden um 16 Uhr bekanntgegeben.

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