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Unterstützung für Frauen:Ebersberg: Neues Angebot für Frauen in Not

Häusliche Gewalt, 2010

Wer vor einem gewalttätigen Partner aus der Wohnung fliehen muss, soll nun mehr Hilfe erhalten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Frauennotruf startet im Dezember Projekt, in dessen Rahmen Hilfe bei der Wohnungssuche und psychosoziale Betreuung angeboten wird.

Die Beziehung ist längst zerrüttet, der Partner gewalttätig, das Zusammenleben unerträglich. Dennoch können betroffene Frauen häufig nicht ausziehen und ein neues Leben anfangen - einfach, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden. Angela Rupp vom Frauennotruf Ebersberg kennt Fälle, in denen Jugendamt und Gericht mit den Betroffenen genau festlegen, wer wann welchen Raum in der gemeinsamen Wohnung betreten darf. "Eine völlig abstruse Situation", so Rupp. In der Zukunft sollen Frauen im Landkreis mehr Unterstützung erfahren, wenn sie sich von ihrem gewalttätigen Partner trennen. Der Frauennotruf wird bereits im Dezember ein sogenanntes Second-stage-Projekt ins Leben rufen, in dem Frauen bei der Wohnungssuche unterstützt werden und gleichzeitig psychosoziale Betreuung erhalten.

Denn mit einer vorübergehenden Atempause in einem Frauenhaus - sofern die Betroffene denn überhaupt dort einen Platz findet - ist es ja nicht getan. Überdies ist so ein Aufenthalt für manche Frauen überhaupt nicht möglich, beispielsweise, wenn sie viele Kinder haben, für die dort kein Platz ist, oder Söhne über 16, die im Frauenhaus nicht aufgenommen werden können. Vor allem brauchen die Frauen und ihre Kinder eine sichere, finanzierbare Wohnung, was gerade im Großraum München eine gewaltige Hürde ist.

Der Frauennotruf will ein Hilfs-Netzwerk knüpfen

Wenn so bald wie möglich eine neue Kollegin das Team im Frauennotruf verstärkt, wird es deshalb eine wichtige Aufgabe sein, ein Hilfs-Netzwerk zu knüpfen und auf Gemeinden, Wohnungsgenossenschaften und auch Makler zuzugehen, um sie für diesen besonderen Bedarf zu sensibilisieren. "Schön wäre, wenn man uns künftig immer auf dem Schirm hat", sagt Rupp. Man werde aber auch Frauen unterstützen, denen nach einem Gewaltschutzantrag die ehemals gemeinsame Wohnung zwar zugesprochen wurde, die aber manchmal gar nicht wissen, wie sie alles organisieren oder finanzieren sollen, weil sich früher um solche Dinge ihre Partner gekümmert haben.

Doch auch darüber hinaus brauchen Frauen, die Gewalt erlebt haben, oft intensive Betreuung und Unterstützung, wie Rupp unterstreicht. Denn Lebenssituationen, die auch Menschen in einer stabilen Umgebung bisweilen stark verunsichern können, empfinden diese Frauen als besonders schlimm. Wenn sie ihren Job verlieren beispielsweise oder auch nur einen neuen Job anfangen sollen. "Alle Veränderungen treffen unser Klientel besonders stark", sagt Angela Rupp. Sie litten oft unter depressiven Phasen, seien häufig völlig mutlos. Auch in diesen Krisen soll das neue Projekt Unterstützung bieten können.

Die Sozialministerin wird die Ebersberger Einrichtung besuchen

Erst vor Kurzem hat der Frauennotruf erfahren, dass das Projekt vom Sozialministerium gefördert wird; es ist eines von 17 im Freistaat, aber das einzige Second-stage-Projekt, das nicht an ein Frauenhaus angedockt ist, sondern an einen Notruf. Am Sonntag wird Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) den Frauennotruf besuchen, um sich über die Arbeit und die aktuellen Pläne zu informieren.

Start ist dann bereits am Montag, wenn auch noch nicht mit voller Kraft, denn erst einmal muss der Frauennotruf ja die personelle Verstärkung dafür finden. Ein eigenes Büro ist aber schon angemietet, und zunächst werden die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs ihre Arbeitszeit etwas aufstocken, um sofort loslegen zu können. Auch eine Klientin wartet bereits auf Unterstützung. Insgesamt kann der Frauennotruf in dem neuen Projekt jeweils fünf Frauen gleichzeitig aufnehmen.

Nicht ersetzen kann das Zusatzangebot im Frauennotruf aber ein echtes Frauenhaus, in dem die Betroffenen in ganz akuten Fällen Zuflucht finden können. Bisher gibt es eine solche Anlaufstelle im Landkreis Ebersberg nicht, statt dessen beteiligt sich der Kreis an der Finanzierung einer derartigen Einrichtung mit fünf Plätzen im Nachbarlandkreis Erding. Doch die Forderungen nach einem eigenen Frauenhaus in Ebersberg werden lauter, SPD und Grüne haben bereits entsprechende Anträge im Kreistag gestellt. Ein aktuelles Gutachten hat auch gezeigt, dass in den beiden Landkreisen mindestens zehn Plätze notwendig sind.

Ebersberg Grüne fordern: Eigenes Frauenhaus für den Landkreis

Antrag an den Kreistag

Grüne fordern: Eigenes Frauenhaus für den Landkreis

Die derzeitige Kooperation zwischen Ebersberg und Erding soll dann nicht weiter fortgesetzt werden.