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Forstinning:Warnung vor dem Sündenfall

Dieser Tümpel am Schwaberwegener Hauptgeräumt würde beim Bau der Umgehungsstraße ersatzlos zugeschüttet. Der Bund Naturschutz und Gegner der Umfahrung haben sich zu einem Ortstermin im Ebersberger Forst getroffen.

(Foto: Christian Endt)

Gegner einer Forstinninger Umgehungsstraße weisen auf immense ökologische Folgen einer Trasse durch den Forst hin. Viele Auswirkungen würden übersehen oder in den Planungen nicht berücksichtigt

Von Elisabeth Urban, Forstinning

"Jetzt machen wir noch eine Sauerei und morgen machen wir dann Umweltschutz." Etwa 25 Menschen applaudieren Kerstin Mertens, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst, die bei der Ortsbesichtigung in Schwaberwegen einen gewissen Galgenhumor an den Tag legt. Zu oft würden bei politischen Entscheidungen die Gesetze zum Naturschutz nicht eingehalten oder geschickt umgangen, so der Vorwurf Mertens. Sie steht auf einem Kiesweg, der in den Ebersberger Forst hineinführt, zwischen herbstlich bunten Bäumen. Auf einigen davon sind gelbe Sprayfarbenpunkte zu sehen - die gelben Punkte markieren den Verlauf der geplanten Trasse, die Teil einer Umgehung werden soll.

Bei einem Treffen vor Ort wollen Mitglieder des Bunds Naturschutz, des Vereins Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst und der Bürgerinitiative St2080 - Schwaberwegen und Moos noch einmal besprechen, warum es ihrer Meinung nach auf keinen Fall zum Bau einer Umgehung durch den Forst kommen soll. Auf dem Weg zum Wanderparkplatz sind die Schilder nicht zu übersehen, auf denen in großen Buchstaben der Bau einer Umgehung dringend gefordert wird. Es habe ja auch Austausch mit den Umgehungsbefürwortern gegeben, sagt Benjamin Wirth von der Bürgerinitiative St2080 - Schwaberwegen und Moos, das sei aber nur sporadisch gewesen und nicht fruchtbar. Wirth führt an diesem Nachmittag das alterstechnisch bunt gemischte Publikum zunächst an einen Tümpel, dann zu sogenannten Biotopbäumen, also Bäumen, die für das Leben im Wald äußerst wichtig sind.

Bei der Einstufung des Eingriffs, der durch den Trassenbau passieren würde, seien aus Sicht eines Gutachtens, das der Bund Naturschutz in Auftrag gegeben hat, viele Dinge nicht beachtet oder deutlich zu gering eingeschätzt worden, erklärt Annemarie Räder, die Regionalreferentin des Bunds Naturschutz. Sie stapft über Stock und Stein zum Tümpel und kritisiert dabei außerdem die Grundlagen der Verkehrsprognose, auf der die Entscheidung für die Umgehung beruht. Für Räder ist das eine "verfehlte Straßenplanung", mittlerweile gebaute Straßen seien nicht eingerechnet, ein in der Zwischenzeit abgelehntes Projekt hingegen schon. Die Gegner der Umgehung plädierten für eine "Ertüchtigung der Bestandsstraße".

Der Tümpel um den nun alle herum stehen, soll beim Trassenbau ersatzlos zugeschüttet werden "das heißt, ich geh davon aus, dass die Tiere, die hier ankommen, sterben", so Kerstin Mertens. In den Plänen zum Trassenbau seien beispielsweise keine Amphibienschutzmaßnahmen enthalten. Ein weiterer Punkt, der die Naturschützer stört: Die Fläche, die während des Straßenbaus zwar für die Bauarbeiten beansprucht wird, auf der aber nicht die Straße verlaufen wird, darf vor dem Gesetz weiterhin als Waldfläche gezählt werden, wenn Aufforstung stattfindet. Bis die Aufforstung den ökologischen Wert der jetzt vorhandenen Bäume erreicht hätte, brauche es jedoch mindestens achtzig bis hundert Jahre, so Mertens, Wirth spricht von "Augenwischerei". Für Mertens handelt es sich bei der geplanten Umgehung um einen Präzedenzfall, viele Projekte rund um den Forst seien immer und immer wieder abgelehnt worden in den vergangenen Jahren. Wenn jetzt die Umgehung genehmigt werde, befürchtet sie, dass damit "Tür und Tor für andere Projekte" aufgemacht würden und den Anfang vom Ende des gut geschützten zusammenhängenden Bannwaldes mit sich brächten.

Bis zum 11. November können Einwände gegen das Projekt eingereicht werden, es muss abgewogen werden, wie groß das öffentliche Interesse am Bau der Straße oder an der Erhaltung des Waldes als ein Waldstück ist. Annemarie Räder schließt auf Nachfrage aber auch nicht aus, im weiteren Verfahren rechtliche Schritte einzuleiten.

© SZ vom 21.10.2019

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