Projekt "Kifferbankerl":Großes Lob, kleiner Optimierungsbedarf

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Die Gemeinde Forstinning hat ein Vorbildprojekt geschaffen, das von größtem Engagement für Jugendliche zeugt. Dennoch sollte an zwei Stellschrauben noch ein wenig nachgebessert werden.

Kommentar von Johanna Feckl, Forstinning

In Forstinning herrscht kein Drogen-Problem unter Jugendlichen - das sagt die Polizei. Es gilt für Jugendliche als normal, Grenzen auszuloten. Dazu gehört auch der Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Ob das nun gut oder schlecht ist, soll hier nicht zur Debatte stehen. Aber es gibt gute und schlechte Reaktionen darauf. Und die Gemeinde Forstinning reagiert vorbildhaft.

Mag sein, dass in Forstinning nicht mehr und nicht weniger junge Menschen kiffen als anderswo. Aber wenn unter diesen Jugendlichen auch nur einer ist, der die Wirkweise eines Joints unterschätzt, abhängig von Cannabis wird, eine durch den Konsum verursachte Psychose oder Depression entwickelt oder für den das Kiffen ein Einstieg in die Welt von härteren Drogen ist, dann ist das durchaus ein Problem - nämlich für den betroffenen Jugendlichen.

Das sehen wohl auch die Verantwortlichen in Gemeinderat und Rathaus so. Denn dort will man den Jugendlichen nicht däumchendrehend beim Kiffen zusehen. Stattdessen zeigt sich die Gemeinde erfinderisch und versucht über ein innovatives Projekt aktiv mit den jungen Menschen in Kontakt zu treten. Hut ab vor so viel Engagement!

Ein wenig Optimierungsbedarf gibt es beim Kifferbankerl-Projekt dennoch. Denn die Aufmachung der Webseite entspricht eher nicht dem, was die Aufmerksamkeit von Jugendlichen an sich reißt: Die schlicht gehaltene Optik aus hellgrünem Hintergrund und schwarzer einheitlicher Schrift mag vielleicht clean wirken - aber die Zielgruppe ist im Zeitalter von Tik Tok, Instagram und Snapchat mindestens an Bilder und Videos gewohnt, an Farbe und Lebendigkeit.

Noch wichtiger als eine optische Anpassung wäre aber die Angabe von Quellen bei jeder einzelnen der überaus durchdacht zusammengestellten Informationen. Denn während Falschinformationen viele Menschen als solche nicht erkennen, ist es doch von unschätzbarem Wert, der jungen Generation beizubringen, penibel auf den Ursprung von Informationen zu achten. Wenn eine solche erst gar nicht angegeben wird, wie auf der Kifferbankerl-Webseite, erfüllt das leider nicht die Kriterien einer vertrauenswürdigen Quelle.

Ein Pilotprojekt wäre aber keines, wenn es von Beginn an perfekt ausgereift ist. Insofern gilt trotzdem: Wenn andere Gemeinden mitziehen und das Projekt übernehmen, könnte das einige junge Menschen vor Problemen im Rahmen ihres Cannabis-Konsums bewahren.

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