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Forstinning/Grafing:"Unser Regenwald ist der Ebersberger Forst"

st2080 bürgerinitiative

Die Umfahrungsgegner nutzen die Diskussion um die alte Eiche, um auch auf ihr Anliegen hinzuweisen. Auch andere Organisationen sind dabei.

(Foto: Privat)

Schwaberwegener Umfahrungsgegner solidarisieren sich mit Aktivisten für den Erhalt der 300 Jahre alten Eiche bei Grafing

Von Korbinian Eisenberger, Forstinning/Grafing

Die Mitglieder der Forstinninger "Bürgerinitiative St. 2080" waren bisher in Erscheinung getreten, wenn es um den Erhalt des Ebersberger Forsts ging - und gegen den Bau einer Umgehungsstraße nahe des Forstinninger Ortsteils Schwaberwegen. Nun solidarisiert sich die Initiative öffentlich mit der Bewegung zum Schutz einer alten Eiche bei Grafing. "Wer sich als Wald- und Naturschützer darstellt, aber zugleich im eigenen Landkreis plan- und gedankenlos Bäume fällt und Natur unwiederbringlich zerstört, ist unglaubwürdig", erklärt der Vorsitzende der Bürgerinitiative Ludwig Seebauer zu Beginn einer Pressemitteilung. "Und zwar egal", so Seebauer, "ob es um eine 300-jährige Eiche bei Grafing oder wie hier in Schwaberwegen um mehr als hunderte alte Biotopbäume" gehe.

Seebauer bezieht sich in seiner Stellungnahme auf zwei Themen, die im Landkreis Ebersberg die Menschen bewegen. Ganz aktuell geht es seit einigen Wochen in Grafing rund. Grund ist, dass unweit des Ortsteils Nettelkofen wegen einer geplanten Neutrassierung der Straße zwei alte Eichen gefällt werden sollen, von denen eine um die 300 Jahre alt ist. Organisationen, Vereine, Politiker, Naturschützer und Umweltaktivisten haben in mehreren Demonstrationen gegen die Fällung protestiert, mit teils spektakulären Aktionen. Die Entscheidung über die Zukunft des Baumes hat der Umweltausschuss des Ebersberger Kreistag am Donnerstag vertagt. Kurz darauf meldeten sich dann die Initiative aus Forstinning und ihre Mitstreiter zu Wort.

Punkt zwei, den der Vorsitzende Seebauer in seiner Stellungnahme erwähnt, spielt 15 Kilometer nördlich von Nettelkofen in Forstinning. Den Plänen des dortigen Gemeinderats und des Rosenheimer Bauamts nach soll unweit des Ortsteils Schwaberwegen eine Umgehungsstraße gebaut werden, wofür eine tausend Meter lange Schneise in den Ebersberger Forst geschlagen werden müsste. Die Initiative gründete sich vor einigen Jahren, um die Fällungen und die Straße zu verhindern.

Mitglieder der Initiative sind vorwiegend Schwaberwegener Bürger, die - wie der Vorsitzende Seebauer - am Waldrand wohnen und mit dem Bau der Umfahrung künftig in etwa hundert Meter Entfernung durch die Bäume eine Straße sehen und womöglich auch hören würden. Dies zu verhindern, ist bei nicht wenigen eines der Motive, Mitglied der Bürgerinitiative zu sein. Sie hat den Zusatz "St. 2080", weil auf der gleichnamigen Staatsstraße durch den Ort bisher der Durchgangsverkehr zur A 94 vorbeiläuft und wiederum die Anwohner dort stört. Von ihnen ist bei der Bürgerinitiative St 2080 wohl kaum jemand Mitglied - dafür bei der Gegenbewegung, der "Bürgergruppe Schwaberwegen/Moos".

Anlass für die Pressemitteilung war eine Protestaktion mit Plakaten, eines trug die Aufschrift "Heute macht ihr eine Eiche kalt, morgen einen ganzen Wald". Zu dieser Aktion hatten sich vor einer Woche Aktive des Bundes Naturschutz (BN), der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst, der Bürgerinitiative und des Landschaftsschutz Ebersberger Land auf dem Areal der geplanten Umgehungstrasse im Forst versammelt. Entsprechend ist die zweiseitige Mitteilung auch ein Gemeinschaftswerk.

Unterzeichnet und verschickt hat sie Benjamin Wirth als "Sprecher AK Verkehr der Kreisgruppe Ebersberg des Bund Naturschutz ". Wirth trat zudem als Mitglied der Bürgerinitiative St. 2080 an der Seite Ludwig Seebausers in Erscheinung, etwa im März 2017, als sie zu einer Demo im Forst aufriefen, zu der gar der BR ein Fernsehteam entsandte. Auch die Wirths haben Haus und Garten am Waldrand bei Schwaberwegen. Eva-Maria Wirth, die BN-Ortsvorsitzende in Forstinning, fordert in der Pressemitteilung: "Wir brauchen kein Straßenbauamt, sondern ein Mobilitätsamt."

Zu Wort kommen dort im Anschluss an Seebauer zwei Personen, die sich seit vielen Jahren um den Naturschutz in der Region bemühen. Eine von ihnen ist Kerstin Mertens, die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst, die einst gegründet wurde, als zur Debatte stand, dass der seit Jahrhunderten undurchschnittene Forst ein Loch bekommen soll, um dort einen Protonenbeschleuniger zu platzieren. "Corona hat's gezeigt: Der Ebersberger Forst ist in vollem Umfang systemrelevant. Für Mensch, Artenvielfalt und Klimaschutz", so Mertens. Das Schlusswort hat Catrin Dietl vom Landschaftsschutz Ebersberger Land. Aus ihrer Sicht habe "der bedingungslose uneingeschränkte Erhalt der Integrität des Ebersberger Forstes" Priorität. Ein Plakat setzt dem noch einen drauf: "Unser Regenwald ist der Ebersberger Forst." Nicht erwähnt ist, dass man im hiesigen Unterholz weder Gorillas noch Krokodile trifft, dafür aber öfters mal eine Wildsau.

© SZ vom 13.07.2020

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