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Forstinning:Dem Himmel so nah

SZ-Grafik

Ein Blick nach oben lohnt sich in diesen Tagen ganz besonders. Catalina kreist am Himmel - wann der Komet am besten zu sehen ist und wo es am schönsten funkelt.

Wenn Bernhard Michalke abends bei sternklarer Sicht spazieren geht, dann ist er "immer im Himmel unterwegs". Heißt, die Augen des 58-Jährigen richten sich gen Horizont. Im Winter betrachtet er am liebsten Orion im Süden: Mit drei hellen Sternen, die wie auf ein Band aufgefädelt scheinbar dicht beieinander liegen und auch als "Gürtel des Orion" oder "die drei Könige" bezeichnet werden, gehört das Sternbild zu den prägnantesten in der kalten Jahreszeit. Mit bloßem Auge ist mitunter sogar der Orion-Nebel zu sehen. Dort, sagt Michalke, würden neue Sterne entstehen.

Es ist eine berührende Vorstellung, eine Geburtsstation des Himmels sehen zu können. Michalke hat Biologie studiert und in analytischer Chemie habilitiert. Beruflich forscht er auf dem Gebiet der neurodegenerativen Erkrankungen. Privat erforscht er das Universum.

Wie Zuckerstreusel über das Firmament gestreut

Bernhard Michalke kommt dem Himmel regelmäßig sehr nah. Der Markt Schwabener gehört zum Kreis der sieben Aktiven um die Kolping-Sternwarte in Wind bei Forstinning. Mithilfe eines automatisch nachführenden Teleskops betrachtet er sich die Himmelskörper regelmäßig genauer. Maximal drei Stunden, dann wird es in diesen Tagen auch im dicken Winteranorak zu kalt. Was ihn dabei am meisten fasziniert? "Diese Dimensionen, diese unglaubliche Größe", sagt er. Von der Erde aus betrachtet, wirke es, als lägen die Sterne wie Zuckerstreusel über das Firmament gestreut, so dicht und unbewegt.

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Tatsächlich sind die Entfernungen riesig und das Geschehen immens. Sterne entstehen und vergehen, Sonnen explodieren: Die Erde, der Mensch ist in diesen Weiten ein unbedeutendes Teilchen des großen Ganzen. Das wird Michalke jedes Mal bewusst, wenn er hinter dem Teleskop sitzt. Die Bilder, die er damit sehen kann, lehren ihn Demut. "Wer all das geschaffen hat, dem geht es nicht darum, ob eine Frau ein Kopftuch trägt", sagt Michalke. "Gemessen an der Natur sind wir so kleinkariert."

Michalke hat wunderschöne, faszinierende Dinge in seinen Teleskopstunden gesehen. Wenn er vom Ringnebel, der Feuerradgalaxie, Sonnenexplosionen oder sich gegenseitig umkreisenden Sternen - sogenannten Doppelsternen - erzählt, dann könnte es sich auch um eine ausgeschmückte Version der Märchen aus Tausend und einer Nacht handeln - oder einen neuen Science-Fiction-Film. Die fantastischen Aufnahmen befreundeter Sterngucker, die er über den kleinen Bildschirm seines Smartphones schiebt, wirken unwirklich. Erhaben.

Warum die Sterne, den Menschen so sehr beeindrucken können?

Da gibt es einen Kugelsternhaufen, der wie ein Igel aussieht, auf dessen Stachelspitzen jemand Sterne geklebt hätte. Man kann die Ringe des Saturn sehen und manchmal die ISS, die sekundenschnell vorbeischwirrt. Warum die Sterne, die Astronomie, den Menschen so sehr beeindrucken können? "Der Mensch besteht im Kern aus den gleichen chemischen Elementen, aus denen auch die Sterne erbrütet werden", sagt Michalke.

Bernhard Michalke vor seinem Teleskop in der Sternwarte.

(Foto: Claus Dürr/Christian Endt)

Der Wissenschaftler stellt sich gerne Fragen, über die er grübeln kann. Im Himmel sind solche Fragen gut aufgehoben. "Alle unsere Sinneswahrnehmungen sind nicht tatsächliche Abbilder der Realität, sondern stark gefilterte Informationen, welche in unserem Hirn interpretiert werden müssen", sagt Michalke. Er fragt sich gerne, wie es im Universum wohl gewesen sein muss, vorher, bevor es all das gab, was wir nun sehen können.