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Folgen des Lockdowns:Zuhause eingesperrt

Kinder und Jugendliche in der Corona-Falle

Die Corona-bedingten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, das ständige Alleine-Sein und die fehlende Alltagsroutine haben psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen, die ohnehin schon mit welchen zu kämpfen hatten, verstärkt.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die Depression der 14-jährigen Marina A. hat sich verschlimmert

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Marina A. kann sich noch genau daran erinnern, als die Schulen im Frühjahr 2020 Corona-bedingt schließen mussten. Es war ein Donnerstag, ihre Mutter hat die 14-Jährige aus dem Landkreis Ebersberg geweckt und ihr die Botschaft mitgeteilt. "Da habe ich mich natürlich total gefreut", sagt Marina, die in Wahrheit anders heißt. "Es sollten ja nur zwei Tage sein." Aus den zwei Tagen wurden zwei Wochen, wenig später wurde im April 2020 die Maskenpflicht eingeführt - ein Wendepunkt für Marina: "Bis dahin war Corona für mich total weit weg, in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten", so erklärt sie es. "Durch die Masken war es aber auf einmal ganz nah."

Keine Schule, keine Wahlfächer an den Nachmittagen, kein Sporttraining, keine Freunde treffen - vormittags ein bisschen Schule, wobei diese über lange Zeit hinweg aus Arbeitsaufträgen ohne Abgabefristen bestand und nicht aus tatsächlichem Online-Unterricht. Und ab mittags dann: nichts. "Ich glaube, wir waren härter betroffen als die Erwachsenen", sagt Marina. "Meine Eltern sind ja weiterhin arbeiten gegangen, aber wir waren einfach die ganze Zeit über nur zu Hause." Eingesperrt. Das Wort fällt einige Male im Gespräch mit Marina. Ständig mit denselben Personen im Haus eingesperrt.

Marina ist es auch vor Corona nicht gut gegangen, wie sie erzählt. Aber durch das ständige Zuhause-Sein, alleine in ihrem Zimmer, keine großartigen Aktivitäten, die zur Ablenkung oder einfach als Abwechslung möglich gewesen wären - da hatte sie viel Zeit zum Nachdenken, zum Grübeln. Zu viel Zeit. "Der Lockdown hat das alles verstärkt."

Seit vergangenem Herbst ist die 14-Jährige in psychologischer Behandlung. Corona war nicht der Auslöser ihrer Depression, aber ein Puzzleteil, das die Erkrankung sozusagen vervollständigte. Mittlerweile geht es ihr aber besser, "viel besser", wie sie sagt. Sie freut sich, dass seit den Pfingstferien wieder normaler Schulunterricht stattfinden kann, seit kurzem sogar ohne Maske im Klassenzimmer am eigenen Platz.

Eine Enttäuschung trägt die Schülerin trotzdem mit sich: "Es wird immer über die Menschen gesprochen, die sterben", sagt Marina. "Das ist schlimm, klar, aber es muss doch auch um die Menschen gehen, denen es schlecht geht - dazu gehören wir, aber wir werden einfach in den Hintergrund geschoben."

© SZ vom 23.07.2021
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