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Flüchtlingsunterbringung:Frust bei den Helfern

Etwa 60 Flüchtlinge leben derzeit in den Wohncontainern im Poinger Ortsteil Grub. Ausgelegt ist die Anlage aber für 150 Bewohner.

(Foto: Christian Endt)

In die Asylbewerberunterkunft in Grub ziehen neue Bewohner, auch Frauen sind darunter. Die Betreuung müssen bisher aber allein die Ehrenamtlichen übernehmen. Der Bürgermeister übt deutliche Kritik

Von Barbara Mooser, Poing

Frust und Ärger beim Bürgermeister und den Helfern: Die Containerunterkunft für Asylbewerber in Grub bekommt neue Bewohner; zu den vorwiegend aus Afghanistan und Syrien stammenden Flüchtlingen ziehen nun Menschen aus zentralafrikanischen Ländern. Auch Frauen sind unter den Neuankömmlingen. Bei der Gemeinde hat man die Sorge, dass dies zu Konflikten führen könnte - vor allem ohne die entsprechende Betreuung. Vergeblich wartet Poing allerdings auf den Asylsozialberater, der laut Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) von Anfang an von der Regierung von Oberbayern zugesagt worden sei. Die ganze Betreuung, so Hingerl am Donnerstag im Gemeinderat, werde auf den Helferkreis abgewälzt. "Das ist eine Situation, die ich nicht gut finde. Ich bin enttäuscht, dass die Regierung ihre Versprechen nicht einhält", so Hingerl. "Wir fühlen eine gewisse Ohnmacht", sagt auch Kerstin Erk vom Helferkreis, der die Flüchtlinge in Grub betreut.

Derzeit leben dort etwa 60 Menschen, ausgelegt ist die Unterkunft, die vor etwa einem Jahr bezogen wurde, aber für 150 Bewohner. Laut der Gemeinde ist derzeit geplant, dass in nächster Zeit 30 weitere Asylbewerber einziehen. Von der Regierung von Oberbayern heißt es, dass es Informationen über die weitere Belegung nur relativ kurzfristig geben könne, da das auch davon abhängt, wie viele neue Flüchtlinge ins Land kommen und wie die übrigen Unterkünfte in Oberbayern belegt sind. Zwei Drittel der Bewohner in der Erstaufnahmeeinrichtung stammten aber tatsächlich aus Schwarzafrika, "das hat entsprechende Konsequenzen in der Anschlussunterbringung". Im übrigen setze man "auf eine bewährte sukzessive und nach Geschlechtern, Personenstand und Nationalitäten ,gemischte' Belegung", so eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern. Die neuen Bewohner werden wohl direkt von einer Erstaufnahmeeinrichtung nach Grub umziehen - sie kennen sich also mit dem Leben in Deutschland, mit der Bürokratie und den Zuständigkeiten noch überhaupt nicht aus und brauchen vermutlich intensive Betreuung. Auch der Helferkreis setzt daher Hoffnungen darauf, dass sich endlich ein Asylsozialberater um die Flüchtlinge in Grub kümmert. Während man im Rathaus betont, dass diese Stelle von Anfang fest zugesagt worden sei, bestreitet man das bei der Regierung von Oberbayern. Man habe hier keine Zusagen gemacht, die Regierung sei dafür auch nicht zuständig, so eine Sprecherin. Generell sehe das Verfahren bei der Asylsozialberatung vor, dass über das Bayerische Sozialministerium den Wohlfahrtsverbänden mitgeteilt werde, dass Bedarf besteht. Dies sei in diesem Fall bereits erfolgt, "welcher der Wohlfahrtsverbände zu welchem Zeitpunkt die Asylsozialberatung übernimmt, liegt in deren Händen", heißt es.

Doch auch sonst ist man im Poinger Rathaus unzufrieden, wie der Betrieb der Gemeinschaftsunterkunft der Regierung organisiert ist. Nach 16 Uhr gebe es beispielsweise überhaupt keinen Ansprechpartner mehr für die Flüchtlinge in Grub, so die Kritik. Das bestätigt die Regierung: Das Verwaltungspersonal sei, wie in anderen Unterkünften auch, vorwiegend montags bis freitags von 7.30 bis 16 Uhr anwesend. Beim Helferkreis sieht man das kritisch, vor allem angesichts der besonders abgelegenen Lage der Unterkunft. Es gehe selbstverständlich nicht darum, jemanden unter Generalverdacht zu stellen, sagt Kerstin Erk: "Aber wo man deeskalieren kann im Vorfeld, sollte man das halt auch machen." Erk hat immerhin erreicht, dass die Unterkunft der Frauen inzwischen mit einem Security-Knauf ausgestattet wurde, sodass nicht jeder die Tür von außen einfach öffnen kann. Ob die Unterkunft generell eine Security erhält, das wird derzeit von der Regierung geprüft. Grundsätzlich sei ein Sicherheitsdienst nur dann vorgesehen, "wenn eine zwingende, einzelfallbezogene Notwendigkeit besteht", so die Behördensprecherin. Der Bürgermeister jedenfalls ist mit dem aktuellen Zustand nicht zufrieden, er hat bereits Regierungspräsidentin Brigitta Brunner in einem Brief auf die Defizite hingewiesen. Schützenhilfe erhält er von Landrat Robert Niedergesäß (CSU), auch dieser habe bereits Kontakt mit der Regierung aufgenommen, heißt es aus dem Landratsamt.

© SZ vom 20.01.2018
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