Firma rechtfertigt sich:Langsam zum schnellen Netz

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Der Glasfaser-Ausbau in Zorneding verzögert sich bis Frühjahr 2019

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

Das angepeilte Ende des Glasfaser-Ausbaus in Zorneding verschiebt sich bis Frühjahr 2019. Damit gerät das "Leuchtturmprojekt" des nordrhein-westfälischen Unternehmens Deutsche Glasfaser (DG) noch weiter in Verzug. Ursprünglich hatten die DG und Zornedings Bürgermeister Piet Mayr eine Fertigstellung für Ende 2017 angekündigt. Nachdem der Ausbau wegen eines gefeuerten Tiefbau-Unternehmens zuletzt gänzlich brachlag und manche Zornedinger öffentlich gegen die DG wetterten, bemüht sich die DG nun in einer Pressemitteilung, weiteren Imageschaden zu verhindern. Demnach soll der Ausbau nun mit den vereinten Kräften dreier Tiefbaufirmen vorangetrieben werden. Zudem betont die DG das bereits Erreichte: Demnach surfen seit April die ersten Zornedinger über Glasfaser im Internet. 19 von 20 Kilometern der Pöringer, Ingelsberger und Wolfesinger Tiefbautrassen sind verlegt, in Zorneding selbst sind sieben der dortigen 20 Kilometer gegraben und mit Leerrohren für die Glasfasern bestückt.

Der Ausbau war vor einigen Wochen komplett zum Erliegen gekommen, weil der von der DG eingesetzte Generalunternehmer "VPT Consulting" dem DG-Subunternehmer "Enekom" gekündigt hatte. Der Grund: "Die Firma hat viel weniger Arbeiter mitgebracht als vereinbart. Sie hätte den Auftrag gar nicht annehmen dürfen", so der Regionalleiter der DG für Bayern, Peter Reisinger, auf Nachfrage. Das Gerücht, dass der Generalunternehmer die Arbeiter wegen Schlampereien nicht mehr bezahlt und diese darauf die Arbeit niedergelegt hätten, verneint er: "Wir wollen ja selber vorankommen."

Bürgermeister Mayr, der sich beim Spatenstich vor neun Monaten noch freuen konnte, ist das Lachen mittlerweile vergangen. "Seit dem Ende der Nachfragebündelung sind zwar erst 17 Monate vergangen, mit dem aktuellen Ausbaustand bin ich trotzdem alles andere als zufrieden", sagt er. Es sei auch kein Trost für ihn, dass sich selbst der kommunal geförderte Breitbandausbau in Nachbargemeinden massiv verzögert hat und die Telekom viele Projekte nur noch mit 48 Monaten Bauzeit anbietet.

In den vergangenen Wochen hatten zwei Zornedinger in einem öffentlichen E-Mail-Verteiler massiv Druck auf die DG ausgeübt. Wolfgang Wach monierte mit dem vierten Besichtigungstermin in einem von ihm verwalteten Haus die unklaren Zuständigkeiten, die das Geflecht aus Auftraggeber, Generalunternehmer und Subunternehmern verursache. Daniel Prusinski wiederum verglich den Ausbau mit dem Berliner Pannenflughafen BER und sprach von einer "Verarsche der Bürger und der Gemeinde" seitens der DG. Er rechnete vor, dass der Ausbau wohl mit zwei Jahren Verzögerung beendet würde.

Die Vorwürfe der beiden, dass die DG mangelndes Interesse an einem zügigen Ausbau habe, weist die DG in der Mitteilung zurück. "Der sogenannte 'Point of no return' ist doch schon vor mehr als einem Jahr überschritten worden - mit der kostenintensiven Aufstellung unserer beiden großen PoP-Verteilerstationen", wird Reisinger zitiert. Er hatte das Gerücht, dass die DG wahrscheinlich an Vodafone verkauft werde, in dem Mailverkehr zudem als "falsch" bezeichnet. Mit dem Mann, der die teils unrealistischen Versprechen seines Amtsvorgängers nun glattbügeln muss, will man dieser Tage eher nicht tauschen. Seine nächste Baustelle: genügend Aßlinger zu einem Vertrag mit der DG motivieren.

© SZ vom 23.07.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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