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Filzenexpress:Frust statt Fahrgenuss

Elektrifizierung Filzenexpress

Gut gefüllt ist das Dorfgemeinschaftshaus beim Infoabend der PWG - vorne Vorsitzender Robert Wagner - zur Zukunft des Filzenexpresses.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bei einem Infoabend zur Zukunft der Zugverbindung wurden viele Gäste aufgestauten Ärger los

Robert Wagner spricht von Genuss. Der Erste Vorsitzende der Parteilosen Wählergemeinschaft Steinhöring (PWG) pendelt seit Jahren mit dem Filzenexpress nach München. Zwischen Montag und Freitag gibt es mittlerweile neun Direktverbindungen von Wasserburg nach München-Ost. Damit gelangt man selbst ohne S-Bahn-Anschluss, wie bei Steinhöring und Tulling der Fall, ohne Umsteigen nach München - und solche Fahrten genießt Wagner. Statt Genuss scheint bei vielen, die am Donnerstagabend zu einem von der PWG organisierten Informationsabend über die Zukunft des Filzenexpresses ins Tullinger Dorfgemeinschaftshaus gekommen waren, aber Frust vorzuherrschen. Den Schluss legen zumindest die Zuschauerfragen nahe.

Anlass der Veranstaltung war die Ende September gefallene Entscheidung, die Trasse Wasserburg-Ebersberg zu elektrifizieren. Bis zum Jahr 2026 soll das Projekt abgeschlossen sein, also etwa zeitgleich mit der Fertigstellung der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Das bedeutet zugleich das Ende der Dieselloks und den Startschuss für die Verlängerung der S-Bahn-Linie bis nach Wasserburg - denn damit S-Bahnen fahren können, ist eine Elektrifizierung notwendig. Um zu klären, welche weiteren Änderungen das nach sich zieht, hatte die PWG Peter Högl von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), Matthias Krause und Andrea Schmidt von der Südostbayernbahn (SOB) und als Moderator den Ersten Vorsitzenden des Fahrgastverbands Pro Bahn in Oberbayern Norbert Moy eingeladen.

Robert Wagner von der PWG betonte die Dringlichkeit, den Schienenverkehr zu verbessern. "Es ist wichtig, dass wir hier weiterkommen, wenn ich mir die Belastung der B 304 anschaue." Viele Pendler würden zunächst mit dem Auto bis nach Grafing-Bahnhof fahren und dort in den Filzenexpress, den Meridian oder die S-Bahn umsteigen. Aus den meisten Autos in Grafing steige aber nur eine Person aus. "Unser Ziel muss es sein, genau diese Menschen schon früher auf die Schiene zu bekommen!" Dem pflichtete Matthias Krause von der SOB bei: "Bei dem Wachstum der Bevölkerung in der Region brauchen wir hier jede Art von Infrastruktur." Die Elektrifizierung des Filzenexpresses sei ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen.

Als das Publikum sich mit Fragen an die Vertreter von SOB, BEG und Pro Bahn wenden konnte, ging es aber weniger um die Vorteile des Schienenverkehrs. "Habe ich es richtig verstanden, dass man mit der Express-S-Bahn länger nach München braucht als bisher?", wollte etwa ein Mann wissen. Das bestätigte Peter Högl von der BEG, der für die Planung des Schienennahverkehrs im Landkreis Ebersberg zuständig ist. Dabei handele es sich jedoch nur um ein Plus von fünf Minuten und dafür sei etwa ein Halt in Trudering vorgesehen. Damit könne man sich künftig den Umweg über den Ostbahnhof sparen, wenn man in Trudering in die U-Bahn zur Messe umsteigen möchte.

Von mehreren Bürgern wurden die Bahnübergänge entlang der Trasse angesprochen: Zum Teil seien sie unbeschrankt, bei jedem Queren eines Übergangs stoße der Filzenexpresses ein ohrenbetäubendes Pfeifen aus, die Wartezeiten seien für Autofahrer zu lang. In allen Fragen schwangen Vorwürfe gegenüber SOB und BEG mit. Andrea Schmidt, die bei der SOB für Fragen der Infrastruktur zuständig ist, erklärte, dass der Bahn hier kein Spielraum erlaubt sei. Bei der Beschrankung von Übergängen müssten auch die betroffenen Gemeinden Initiative zeigen. Das drei Sekunden lange Pfeifen und die zum Teil langen Wartezeiten für Autofahrer vor Bahnschranken hätten Sicherheitsgründe - alles vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Das seien keine Ideen der Bahn.

Eine Frau sprach von einer "Entwertung unseres Lebensraumes" durch die geplante Elektrifizierung. Denn zum einen komme es durch die neue Technik zu Elektrosmog und zum anderen werde der Schienenverkehr insgesamt zunehmen und damit auch der Lärm. Teilen der Kritik widersprach Matthias Krause von der SOB. So verwies er auf die Einführung der im Zehnminutentakt fahrenden Express-S-Bahn nach Erding: Gesunken seien die Grundstückspreise dort nicht. "Ich möchte in Chancen denken und nicht in Problemen." Das betonte er mehrmals an diesem Abend.