Festival in Edling:Das Line-up? Wird schon passen!

Kuahgarten Open Air

So wird es 2021 nicht sein - trotzdem scheint das Kuahgartn-Open-Air am Stoa bei Edling immer noch sehr viele Fans zu haben.

(Foto: René Langusch/oh)

Trotz Corona-bedingter Einschränkungen ist das "Kuahgartn-Open-Air" am Stoa im Handumdrehen ausverkauft

Von Johanna Feckl, Edling

Noch keine einzige Band war offiziell gebucht, es gab nicht einmal Gerüchte über mögliche Acts, geschweige denn hing auch nur ein einziges Plakat mit einer Ankündigung - es gab nur eines: ein Datum. Und noch etwas: einen knappen Facebook-Post, dass es am 21. August stattfinden wird, das elfte Kuahgartn-Open-Air im Edlinger Freilufttheater am Stoa. Sechs Tage nach dem Start des Vorverkaufs waren alle 500 Tickets weg. Mittlerweile stehen alle sechs Acts fest, und ein paar Tage vor dem Event gab es noch einmal 70 Tickets hinterher - aber auch die waren nach nur drei Tagen allesamt weg.

"So einen leichten Blindflug machen wir da jetzt schon", sagte Peter Höfner, als es Anfang Juli die ersten Karten zu kaufen gab. Der 53-Jährige ist einer von sechs Organisatoren des Festivals. Ja, es war tatsächlich ein bisschen wie ein teurer Loskauf, knapp 40 Euro für ein Musikfestival, von dem niemand wusste, was geboten sein würde. Das Kuahgartn ist übrigens für alle im Team ein Spaß an der Freude - Geld verdient damit niemand, jeder geht hauptberuflich einem anderen Job nach.

Den 21. August 2021 als Termin für das elfte Kuahgartn hat sich die Crew bereits im vergangenen Jahr reserviert, damals, als klar war, dass es 2020 wegen Corona nichts würde mit dem geplanten Festival. Die Hoffnung war, dass sich ein Jahr später die pandemische Lage anders, besser darstellen würde. Das tut sie auch, schließlich gibt es mittlerweile Tests, Impfstoffe und viel mehr Wissen über das Virus. Aber auch aggressivere Varianten und seit einiger Zeit wieder steigende Fallzahlen. Und ein Gefühl von Unsicherheit ist auch im zweiten Corona-Sommer da.

So haben Höfner und die übrigen Teammitglieder lange miteinander diskutiert: Festival ja, oder nein? Im spätem Frühjahr war absehbar, dass es wohl stattfinden dürfte: Wegen Abstands- und Hygieneregeln war für das Organisationsteam klar, dass es ohnehin zunächst nur 500 Tickets statt 1000 wie in den vergangenen Jahren geben würde. Außerdem wollte man auf das Camping verzichten, also nur ein Tag Musik und nicht wie sonst üblich zwei Tage. Und dass die Fallzahlen bis Mitte August explodieren und ein solch kleines Festival dann von politischen Corona-Einschränkungen so betroffen sein würde, dass es abgesagt werden müsste - sehr unwahrscheinlich. Da waren sich alle einig. Schließlich gab es dann den Konsens: Back ma's o!

Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, wie Höfner ohne Weiteres zugibt. "Mei, bei jetzt dann 600 Leuten, klar kommt da die Frage in den Kopf, ob die sich alle ordentlich verhalten." So schreiben die Rahmenbedingungen vor, dass es feste Sitz- und Stehplätze gibt, auf dem Gelände herrscht FFP2-Maskenpflicht, Tanzen vor der Bühne ist nicht erlaubt. "Daran müssen sich die Leute halten, auch nach dem dritten Bier." Und: Am Mittwoch lag der Landkreis Rosenheim erstmals wieder über einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 - ändert sich das bis Freitag nicht, dann dürfen nur vollständig Geimpfte, Genesene oder Getestete das Gelände rund um den imposanten Stoa betreten.

Wie organisiert man also ein Festival, um Szenen vorzubeugen, bei denen ein zu hoher Alkoholpegel dafür sorgt, dass sich niemand mehr an Regeln hält? "Da müssen wir eben die Musiker und Bands dementsprechend auswählen", sagt Höfner. "Wenn allein die Musik die Leute schon zum Ausflippen bringt, dann klappt das mit dem Am-Platz-Bleiben nach ein paar Bier wohl eher nicht mehr."Den letzten Act auf einem Festival, der traditionellerweise noch einmal richtig aufdreht, sodass auch beim letzten Besucher die Hüften schwingen und Schweißperlen laufen - den wird es in dieser Form einfach nicht geben.

Weniger Spaß werden die Kuahgartn-Fans mit dem Line-up am Samstag aber sicherlich nicht haben. Der Headliner, die sechs Männer von Buntspecht aus Wien, sind zwar nicht unbedingt eine kleine oder gar leise Band, aber zu ihrem gediegenem Indie-Pop, in dem sich immer wieder Elemente aus Gypsy Swing, Bossa Nova oder Folk tummeln, passt unkontrolliertes Pogo-Tanzen einfach nicht dazu - perfekt also für diese Corona-Ausgabe des Kuahgartns! Gypsy-Sound gibts auch bei Monobo Son, hier aber mit Soul gemischt und vor allem ganz viel Brass und bairischer Mundart aus Feldkirchen-Westerham. Bei den Klängen vom Musiker-Duo Schabanack fühlt man sich zurückversetzt in die Disco- und Funk-Zeit der 70er- und 80er-Jahre - nur noch cooler. Hannah & Falco bieten tollen Folk-Pop, Philip Bradatsch kommt mit eingängigen Singer-Songwriter-Geschichten daher und die La Superboys aus Landshut runden das Line-up mit harter E-Gitarrenmusik ab.

Es wird kleiner sein, mit nur einer und nicht mehr zwei Bühnen, ohne Campen, mit Maskenpflicht, sobald die zugewiesenen Plätze verlassen werden, ohne hochkarätige internationale Acts - viel zu kompliziert wären da die unterschiedlichen Einreise- und Ausreisebedingungen gewesen, wie Höfer erklärt. Trotzdem verspricht das elfte Kuahgartn-Open-Air ein Kulturhighlight in der Region zu werden - und das liegt nicht nur an der Kulisse des Festivals rund um den riesenhaften Findling, dem Stoa.

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