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Feldkirchen:Die Fällungen gehen weiter

Die Landesanstalt für Landwirtschaft hält trotz neuer Funde daran fest, dass der Asiatische Laubholzbock ausgerottet werden kann. Kritiker wie der Insektenexperte Hans Mühle bezweifeln das

Die neuen Funde von Spuren des Asiatischen Laubholzbockkäfers in der Quarantänezone Feldkirchen lassen den Streit um den richtigen Umgang mit dem Schädling wieder aufflammen. Während die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) weiter davon spricht, dass der Käfer durch vorsorgliche Fällungen ausgerottet werden kann, fordern Insektenexperten und die Bürgerinitiative gegen Albtraum Neubiberg, den Käfer als etabliert zu betrachten und nicht mehr als Quarantäneschädling zu klassifizieren.

An sieben Ahornbäumen im Gewerbegebiet der Messestadt sowie im nahen Riemer Wäldchen wurden Ausbohrlöcher, Eingangsbereiche, Gangsysteme und Eiablagen des Schädlings aus Asien gefunden. Der Fund geht auf Meldungen von Baumkletterern im Rahmen des Monitorings zurück. Das Quarantänelabor in Freising bestätigte den Verdacht. Daraufhin wurden die sieben Bäume gefällt und untersucht, die beschriebenen Spuren festgestellt. "Die verschiedenen Einzelmerkmale ergaben eine zweifelsfreie Zuordnung zum Asiatischen Laubholzbockkäfer", sagt die Sprecherin der LfL, Sabine Weindl.

Sie sieht allerdings keinen Grund, von der bisherigen Politik abzurücken. "Dass immer wieder ein punktueller Befall auftreten kann, ist normal", sagt Weindl. Im Landkreis Passau etwa tauchte der Käfer 2004 erstmals auf. Der Befall war stark, es mussten viele Bäume gefällt werden. In den Jahren darauf wurden immer wieder Spuren des Käfers gefunden. Erst Ende vorigen Jahres hob man die dortige Quarantänezone auf, da vier Jahre in Folge kein Befall mehr festgestellt wurde.

"Man braucht bei dem Käfer einen langen Atem", so LfL-Sprecherin Weindl. "Die Schwierigkeit, die wir in der Quarantänezone immer haben, ist, dass wir nicht wissen, wo der Ursprung war und wo die Ausbreitung weitergegangen ist", sagt sie weiter. Daher sei es wichtig, dass die LfL konsequent ihre Arbeit mache und die Herde konsequent ausrotte. Das heißt, dass wieder vorsorglich alle potenziellen Wirtsbäume im 100-Meter-Umkreis eines befallenen Gewächses gefällt werden müssen. Betroffen sind 16 Laubbaumarten, darunter Buche, Ahorn und Birke. So schreibt es das geltende EU-Recht vor. "Wir halten es für die richtige Methode, den Käfer auszurotten. Außerdem müssen wir uns als Behörde an die geltenden Gesetze halten", sagt Weindl. Sie betont aber, dass man weiterhin auch andere Methoden zur Bekämpfung anwende. Das Monitoring durch Baumkletterer sei abgeschlossen, derzeit würden Pheromonfallen aufgehängt. Spürhunde sind momentan nur bei Verdachtsfällen im Einsatz.

Hans Mühle, Vizepräsident der Münchner Entomologischen Gesellschaft und Käferexperte, fordert derweil erneut, von den radikalen Fällungen Abstand zu nehmen. "Der Käfer ist etabliert. Wir können ihn nicht ausrotten, weil wir die Grundpopulation nicht kennen", sagt er. "Die Dunkelziffer ist sehr groß." Der Experte schlägt vor, den Schädling zu bekämpfen, indem nur Bäume, die auch wirklich mit dem Tier befallen sind, gefällt werden. "Erst wenn man einen Käfer vorfindet, muss man den Baum rausnehmen. Die zügellose Abholzung ist völlig überzogen", sagt er.

Mühle zweifelt daran, dass es sich wirklich immer um einen Asiatischen Laubholzbockkäfer handelt, wenn die LfL meldet, Anzeichen gefunden zu haben. "Es gibt so viele andere Käfer, die auch solche Ausbohrlöcher und Gänge haben", sagt er. Er wisse auch nicht, ob mit den Käferhunden Blindtests gemacht worden seien, ob ein Hund also auch bei einem Loch eines heimischen Bockkäfers reagiere. "Mit den Fällungen ist nur viel Geld verpulvert und sind die Leute verärgert worden", sagt er. Bereits im März hat die Entomologische Gesellschaft eine Resolution beschlossen, in der sie die Bayerische Staatsregierung dazu auffordert, sich dafür einzusetzen, den Status des Käfers als Quarantäneschädling aufzuheben und ihn als etabliert zu erklären. Eine Antwort habe man noch nicht erhalten, sagt Mühle.

Die Bürgerinitiative in Neubiberg teilt die Ansicht der Entomologen. "Wir fordern vom Staatsministerium, unverzüglich auf die Regelungen vom Bund und von Brüssel einzuwirken, damit regional mehr Spielraum für moderatere, dem Bürger vermittelbare Fällmaßnahmen möglich sein kann", sagt Iris Philippsen von der Bürgerinitiative. Solange die Einfuhr weiterer Käfer nicht zu 100 Prozent sicher verhindert werden könne, sei das "Draufhauen" eine Farce. Zumal der Käfer seit mehr als zehn Jahren in Containern eingeschleppt werde und bei uns lebe, ohne je einen Baum zum Absterben gebracht zu haben. In Feldkirchen war der Käfer erstmals 2012 aufgetaucht. Infolgedessen waren großflächig Bäume gefällt wurden. In Neubiberg ist der Käfer seit 2014 ein Thema, allerdings wurden seit Juli 2015 keine Spuren mehr gefunden.

Zu den nun von Juli an geplanten Fällungen im Wald findet an diesem Donnerstagabend eine Informationsveranstaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr auf der Landebahn in Riem, östlich des De-Gasperi-Bogens.